Alexa hol ein Bier! Persönliche digitale Assistenten – ein Must Have für den Privatanleger?

Seit kurzem ist Amazons Echo mit der Assistentin Alexa in Deutschland verfügbar. Siri, Cortana und OK Google sind auf unseren Endgeräten unterwegs. Das Thema digitaler Assistent wird in den nächsten 1 bis 2 Jahren mit Macht kommen. Wie kann der Privatanleger davon profitieren?

Wer ist Alexa?

Amazon macht seinen smarten Lautsprecher Echo ab sofort frei verkäuflich. Bislang konnten die Geräte nur auf Einladung bestellt werden. Die beiden Lautsprecher Echo und Echo Dot sind mit den Amazon-Servern verbunden und verfügen über sieben Mikrofone, die auf das Weck-Wort „Alexa“ hören. Sobald das Wort ausgesprochen wird, nimmt Echo Befehle und Fragen entgegen. Das funktioniert aufgrund der Fernfeld-Spracherkennung auch aus mehreren Metern Entfernung zuverlässig. Echo ist etwa so groß, wie eine Büchse Deutschländer-Würstchen. Ein Display gibt es nicht. Die Einrichtung und Steuerung erfolgt mittels Smartphone-App. Amazons Alexa  wird gespeist durch künstliche Intelligenz und kann jede Menge Sachen auf Zuruf: Nutzer können dem Gerät Fragen stellen, sich Witze erzählen lassen oder das vernetzte Zuhause steuern. Auf Zuruf lässt sich beispielsweise das Licht an- und ausschalten, der Fernseher starten oder die Heizungstemperatur regulieren. Alexa ruft ein Taxi und sucht Bahn- und Busverbindungen heraus. Stellt man ein Frage oder gibt eine Anweisung, so wird dieser Befehl auf den Amazon-Rechnern verarbeitet und in Echtzeit in eine Aktion umgewandelt.Mithilfe künstlicher Intelligenz und maschinellen Lernens trainierten die bisherigen Nutzer den digitalen Assistenten Alexa in den vergangenen Monaten, damit er die deutsche Sprache besser versteht. Alexa wird somit jeden Tag schlauer und besser.

Eine aktuelle Studie der US-Investmentbank Morgan Stanley geht davon aus, dass zwischen Mitte 2015 und Anfang Dezember 2016 weltweit rund elf Millionen Echo-Geräte verkauft wurden. Echo Dot, der etwa die Größe einen Eishockey-Pucks hat, ist bei Amazon-Kunden besonders beliebt. Für Deutschland nennt die Studie 400.000 Geräte, in Großbritannien seien 300.000 Echos verkauft worden. Echo Dot sei das bestverkaufte und meist verschenkte Produkt auf Amazon.com mit Millionen verkauften Modellen weltweit seit der Einführung. Tatsächlich war das Gerät kurz vor Weihnachten in den USA gar nicht mehr verfügbar. Echo Dot ist eine kompaktere Ausgabe des Echo mit einem deutlich kleineren Lautsprecher. Er ist mit 60 Euro auch deutlich günstiger als der Echo mit 180 Euro. Aufgrund der geringen Abmaße wird er zumeist mit einem Zusatzlautsprecher betrieben.

Amazon (WKN 906866) hat für externe Entwickler die Schnittstellen zu Alexa geöffnet, sodass der digitale Assistent auch in anderen Geräten funktioniert. Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas im Januar hatten mehrere Hundert Unternehmen Geräte und Dienste angekündigt, die zusammen mit Alexa arbeiten. So kann der digitale Assistent künftig auch in Autos genutzt werden. Als erster Smartphone-Hersteller hat Huawei ein Gerät mit Alexa gezeigt. Entwickler können für Alexa eigene Apps schreiben, die Amazon Skills nennt. In den USA gibt es davon mehr als 7000, in Deutschland sollen es knapp 500, z. B. von der Deutschen Bahn und den Gelben Seiten. Auch viele Medientitel und Verkehrsbetriebe haben Skills für Alexa veröffentlicht. Amazons große Stärke ist es, mit Alexa und den Echo-Lautsprechern ein umfassendes Ökosystem für das vernetzte Zuhause zu schaffen. Schon heute sind Heizungsthermostate, Lichtschalter, Glühlampen, Ventilatoren usw. ansteuerbar.

Nun geht es darum, die Assistenten so schnell wie möglich als integrierte Plattformen aufzubauen, um im Internet of Things (IoT) die Nase vorn zu haben. Im nächsten Schritt wird Alexa mobil. Mehrere Autohersteller haben Kooperationen angekündigt. BMW, Ford und VW nutzen bereits Alexa, so dass Nutzer aus der Ferne Daten über das Auto abfragen können, beispielsweise ob es verriegelt ist und welche Reichweite es hat. Umgekehrt kann dann aus dem Auto heraus kann auch das vernetzte Zuhause gesteuert werden.

Knackpunkt für den persönlichen Einsatz ist natürlich die Frage nach Datenschutz und Privatsphäre. Die Echo-Mikrofone hören i m m e r mit und senden alle Daten an die Amazon-Server. Das muss der Echo-Käufer akzeptieren.

Was machen die anderen?

Apple und Microsoft verfügen mit Siri und Cortana ebenfalls über digitale Assistenten, bieten ihren Nutzern aber keine smarten Lautsprecher wie Amazon. Microsoft hat Cortana allerdings inzwischen auch externen Entwicklern geöffnet, Apple ist hier deutlich zurückhaltender. Zwar können einige Entwickler ihre Dienste auch über Siri zugänglich machen, darunter Spotify, doch fremde Geräte bekommen diesen Zugang nicht. Apple hat sich nach einem frühen Start mit Siri 2011 auf dem iPhone schnell überholen lassen und die Erwartungen an seinen Assistenten nicht nachhaltig erfüllt (Wie oft nutzt Du Siri auf Deinem iPhone?). Auch Microsofts Cortana ist noch nicht allzu weit gekommen, da es lediglich auf Windows Telefone und Betriebssysteme beschränkt ist und demzufolge nur einen begrenzten Nutzer- und Nutzungsumfang erreicht. Für beide geht mein Daumen nach unten.

Google (WKN A14Y6FU) ist seit einigen Monaten in den USA mit dem eigenen Lautsprecher Google Home vertreten. Experten gehen davon aus, dass der Internet-Konzern in den kommenden Wochen mit dem Gerät auch in Deutschland an den Start geht. Zum US-Verkaufsstart im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen für Deutschland das Frühjahr als Termin für die Markteinführung genannt. Googles Alexa heißt Google Assistant (OK Google:). In Deutschland ist der Assistant bislang nur in Googles Smartphone Pixel und in der Smartphone-Chat-App Allo verfügbar. Googles Spracherkennung auf Deutsch funktioniert schon seit Jahren auf Smartphones. Google Home ist Amazons Echo sehr ähnlich. Informationen werden ebenfalls über die Cloud und das Internet abgerufen. Vorteil für Google: Es stehen deutlich mehr Daten Nutzer zur Verfügung, so dass das Unternehmen über den Lautsprecher möglicherweise noch stärker individualisierte Dienste anbieten kann. Ein ernstzunehmender Wettbewerber für Amazon!

Und sonst?

Wie ich bereits im Beitrag über Künstliche Intelligenz thematisiert hatte, kaufen die großen Unternehmen alles vom Markt, was sich mit Artificial Intelligence beschäftigt. Bei meinen Recherchen habe ich den digitalen Avatar Amelia von der Firmen IPsoft gefunden.Amazon Echo Amelia ermöglichst es, Standardprozesse für Banken, Versicherungen, IT-Dienstleister usw. mittels künstlicher Intelligenz – per Sprache oder Chat – abzuwickeln. Nach einer initialen Anlernphase wird Amelia mittels ausgeklügelter Algorithmen immer besser und treffsicherer. Leider ist die Firma IPsoft nicht börsennotiert.

Weiterhin arbeitet der indische Firma Wipro – eine riesige indische IT-Firma mit 160.000 Mitarbeitern – an einer KI-Plattform mit dem Namen Holmes. Die KI-Technologie von Wipro soll für die Entwicklung von digitalen virtuellen Agenten, Vorhersagesystemen, kognitiver Prozessautomation, Visual-Computing-Applikationen, Wissensvirtualisierung, Robotern und Drohnen eingesetzt werden, scheint mir aber noch in einem frühen Stadium. Die Wipro-Aktie ist unter der WKN 578886 handelbar.

Mein Fazit: Man kann Amazon mögen oder nicht. Amazon ist mit dem Echo und Alexa klarer Marktführer für persönliche digitale Assistenten. In den letzten Wochen wurde mir mehrfach der Echo von stolzen „ausgewählten Testern“ vorgeführt.In den n ächsten Monaten wird ein absoluter Hype entstehen. Amazon ist weit vorn. Zudem wird der offenen Ansatz zum Aufbau eines kompletten Ökosystems für das Smart Home zu einer extremen Marktdurchdringung führen und Alexa zum Standard machen. Einzig Google hat die Chance halbwegs mitzuhalten. Ich denke, die Amazon Aktie wird stark profitieren. Der Wermutstropfen: Mein Bier muss ich mir vorerst noch selbst holen.


One Reply to “Alexa hol ein Bier! Persönliche digitale Assistenten – ein Must Have für den Privatanleger?”

  1. Danke für den interessanten Artikel. Diese Entwicklung ist irgendwie ziemlich an mir vorbeigegangen. Ich persönlich will mir so was nicht anschaffen oder nutzen. Aber interessant zu wissen dass es das gibt.

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