Anlagestrategien vorgestellt: Was sind eigentlich die Kondratieff-Zyklen?

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Die sogenannten Kondratieff-Zyklen unterstellen, dass es lange Wellen in der Entwicklung der Wirtschaft gibt, die auf Basis gravierende „Basisinnovationen“ bis dahin unbekannte neue Möglichkeiten erschließen, auf denen ein Strom von Nachfolgeinnovationen mit weitreichenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen aufbaut. Sie lösen in der Folge einen erheblichen Strukturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft aus (Prozess der „schöpferischen Zerstörung“) aus.

Die erste Strukturierung dieses Ansatz erfolgt durch den Österreicher Joseph A. Schumpeter. Er griff auf die Entdeckungen des russischen Nationalökonomen Nikolai D. Kondratieff aus dem Jahre 1926 zurück. Kondratieff fand heraus, dass die konjunkturelle Entwicklung der Wirtschaft nicht nur durch kurze und mittlere Zyklen, sondern auch durch sehr lange Schwankungen mit einer Dauer von 40 bis 60 Jahren gekennzeichnet ist. Schumpeter nannte sie „Kondratieff-Zyklen“ und brachte sie in einen Zusammenhang mit so genannten Basisinnovationen, die für sie ursächlich sein sollen.

Die Theorie der „langen Wellen“ war der Ausgangspunkt für Schumpeters These der „schöpferischen Zerstörung“. Laut Schumpeter sind neue Ideen und Technologien, die alte verdrängen, der eigentliche Motor für Wohlstand und Wachstum. Die Zyklen meinen mehr als nur technisch-ökonomische Umbrüche mit jeweils spezifischen Technologien, sie bedeuten tiefgreifende gesamtgesellschaftliche Veränderungen. Bleiben Basisinnovationen aus, dann stagniert der evolutionäre Fortschritts-Prozess der Wirtschaft. Für die Vergangenheit wurden von Schumpeter zunächst drei lange Wellen  diagnostiziert. In Fortführung der Auffassung Schumpeters wurden ihnen zwei weitere Wellen angefügt und eine sechste lange Welle vorausgesagt.

Kennzeichen für den Beginn eines Kondratieff-Zyklus

Anfang und Ende des Zyklus sind nicht exakt bestimmbar. Wesentliche Kennzeichen sollen sein:

  • Ein erschöpftes Potential der alten Basisinnovation.
  • Ein hoher Überschuss an Liquidität an den Finanzmärkten.
  • Eine Rezession.
  • Umfangreiche soziale Veränderungen.
  • Aufkommen einer neuen Basisinnovation.

Damit sollte alles klar sein 😉 !

Die bisherigen fünf langen Wellen

Die erste lange Welle von 1787 bis 1842 wurde danach durch die Erfindung der Dampfmaschine ausgelöst und war besonders durch die industrielle Revolution gekennzeichnet. Es kam durch die Mechanisierung der Produktion zur so genannten industriellen Revolution. Die industrielle Produktionsweise löste nach und nach die handwerkliche ab, die Arbeit wurde vielfach leichter und ein neues Unternehmertum entstand.

Die zweite lange Welle von 1843 bis 1894 war vor allem gekennzeichnet durch die Entwicklung der Eisenbahn und Dampfschifffahrt, aber auch den Ausbau des Bergbauwesens und die Erfindung der Telegrafie. Mit den neuen Transportmitteln erschloss man sich neue Räume und es entstanden neue Infrastrukturen. Es entwickelte sich mehr und mehr eine neue Mittelschicht.

Die dritte lange Welle der Weltkonjunktur von 1895 bis etwa Ende der 1930er-Jahre war insbesondere gekennzeichnet durch die Elektrifizierung, den Verbrennungsmotor und das beginnende Zeitalter des Automobils sowie von Erfindungen im Bereich der Chemie. Die Massenproduktion beherrschte den Markt und es begann eine Konzentration von Menschen und Maschinen.

Die sich anschließende vierte lange Welle wurde besonders von der Entwicklung und dem Wachstum der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrttechnik und der Kunststoffindustrie bestimmt. Die Petrochemie galt als ihre bedeutendste Basisinnovation; Antriebsstoffe für Autos, Flugzeuge und Schiffe wurden preiswert und eine Reihe von Folgeinnovationen (Kunststoffe, Textilfaser, Kosmetika, Farben, Düngemittel) folgten. Es entfaltete sich die Automobilwirtschaft mit einer Vielzahl von Zulieferern, Händlern etc.

Basisinnovationen in der etwa 1970 beginnenden fünften Welle waren die Mikroelektronik, die Informations- und Kommunikationstechnologie. Mit ständig zunehmender Geschwindigkeit durchdrang die Informationstechnik alle Bereiche der Gesellschaft. Mit dem fünften Kondratieff ging die Industrie-Gesellschaft in die Informationsgesellschaft über. Wirtschaftswachstum definiert sich seither vor allem als Wachstum des Informationssektors. Der fünfte Kondratieff geht gerade oder ist schon zu Ende. Parallel zu seinem Auslauf hat der sechste Kondratieff-Zyklus begonnen.

Die langen Wellen

Quelle: Zukunftswerkstatt Ruhrgebiet

 

Was wird der 6. Kondratieff?

Es gibt verschiedenste Ansätze für die nächste lange Welle.

Teilweise wird die Digitalisierung als nächster Megatrend diskutiert.

Andere Theorien sehen als Schwerpunkt das Thema Gesundheit.  Die Basisinnovation ist Biotechnologie. Sie erschließt ein ganz neues Potential für Gesundheitstherapien, Medizintechnik, Diagnosen, Medikamente, Landwirtschaft, Ernährung, Umweltschutz, neue Materialien und biologische Informationsverarbeitung.

Eine weiterer Vorschlag für den sechsten Kondratieff ist die psychosoziale Gesundheit. Es wäre das erste Mal, dass ein Bereich der Psychologie zum Hauptträger des Wachstums auftritt. Die Eskalation der globalen Probleme verlangt heute nach Antworten, die auch das individuelle menschliche Verhalten einbeziehen, also die spezifisch psychologischen, sozialen und seelischen Aspekte. Als Wachstumsbarriere wären dann moralische Defizite, die sich gesellschaftlich in Gewalt, Kriminalität, Drogenmissbrauch, Umweltzerstörung, Energieverschwendung oder auch in Terrorismus manifestieren, zu sehen.

Was wird noch für den beginnenden 6. Zyklus diskutiert?

  • Nanotechnologie
  • Robotik bzw. künstliche Intelligenz
  • Kernfusionsenergie
  • Mobiles Internet, Cloud-Computing, Internet der Dinge

Mein Favorit ist die Verschmelzung von Mensch und Maschine. Dazu sagt Yuval Harari in der Wirtschaftswoche: „Die letzten 1000 Jahre haben wir Menschen damit verbracht, zu lernen, wie wir die Wälder, die Tiere und Flüsse um uns beherrschen können. Schritt für Schritt haben wir die Macht über unsere äußere Umwelt ergriffen. Die größte Umwälzung im 21. Jahrhundert wird sein, dass wir auch die Kontrolle über die Welt in uns selbst gewinnen werden. Wir werden unsere Körper neu designen. Der radikalere Schritt wird sein, organische und künstliche Teile zu kombinieren und Cyborgs zu erschaffen. Die Wissenschaft arbeitet gerade daran, Gehirn-Computer-Schnittstellen zu erzeugen.“ Auch wenn das schräg und befremdlich klingt – wer wäre nicht bereit sich eine künstliches Ersatzteil einbauen zu lassen, wenn dadurch das eigene Leben um ein Jahrzehnt verlängern wird?

Für die private Geldanlage wäre es natürlich erstrebenswert, in Unternehmen zu investieren, die Produkte und Dienstleistungen im Bereich der nächsten Basisinnovation anbieten.

Was denkst Du, welche Basisinnovation die nächste Welle auslöst?


Kondratieff

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