Crash Monat Oktober?!

Mit den Crashs in den Jahren 1929, 1987, 1989, 1997 oder 2008 ist der Oktober der Börsencrash-Monat schlechthin. Am schlechten Ruf des Oktober ist tatsächlich etwas dran. Schauen wir uns die Historie des Schreckens an.

1929 – Weltwirtschaftskrise

Im Oktober 1929 erlebte die Wall Street den spektakulärsten Börsencrash des 20. Jahrhunderts. Die Schwarzen Tage vernichteten Milliardenvermögen und rissen die gesamte Welt in eine tiefe Wirtschaftskrise. Fast 25 Jahre dauerte es, bis sich die Märkte von dem Schock erholten.

Ende der 20er Jahre befanden sich die Vereinigten Staaten in einem ökonomischen Rauschzustand. 1924 durchbrach der Dow-Jones-Aktienindex zum ersten Mal die Marke von 110 Punkten, die zuvor unüberwindbar schien. An der Wall Street gab es kein Halten mehr: Ohne Unterbrechung stiegen die Aktienkurse bis zum Oktober 1929 um 300 Prozent. Die US-Wirtschaft lief wie ein Länderspiel. Die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung stützte die Euphorie an der Börse. Zwischen 1927 und 1929 wuchs die US-Industrieproduktion um 25 Prozent. Autoindustrie und Radiotechnik boomten. Allein 1929 wurden in Detroit rund 5 Millionen Autos gebaut – und fanden reißenden Absatz. Die Aktien von Auto- oder Radioherstellern waren für die Anleger der 20er Jahre, was die Internetaktien für die Kleinaktionäre in den 90ern waren.

Der Schwarze Freitag, jener 25. Oktober 1929, hat sich als Symbol für Aktienkrisen eingebrannt. Im Herbst 1929 platzte an der Wall Street eine gewaltige Spekulationsblase – und der Traum von Reichtum und Wohlstand für alle. Der folgenreichste Börsencrash des 20. Jahrhunderts markierte den Beginn der Weltwirtschaftskrise. Millionen Anleger verloren ihr Vermögen. Bis 1932 lösten sich fast 90 Prozent des US-Aktienvermögens in Luft auf. Am Ende waren 30 Millionen Amerikaner arbeitslos, lagen die Industrieproduktion und eine Reihe von Banken am Boden. Nahezu ein Vierteljahrhundert dauerte es, bis sich die US-Wirtschaft von den Folgen erholte. Erst im Jahr 1954 erreichte der Dow Jones mit 381 Punkten wieder seinen Höchststand von 1929.

1987 – Sorgen um den Welthandel

Im Oktober 1987 war es zum heftigsten Kurssturz in der Geschichte der Wall Street gekommen. Die Vorbeben begannen am 14. Oktober mit Verlusten von drei Prozent. In den kommenden Tagen beschleunigte sich der Abschwung. Die Kursverluste wurden immer schlimmer. Am 19. Oktober 1987 brachen schließlich alle Dämme. Der S&P 500 stürzte ungebremst und verzeichnete mit 20,5 Prozent den größten Sturz an einem Handelstag. Für die Börsianer war es, als wäre die Apokalypse über sie hereingebrochen.

Am 18. Oktober 1987 hatte der damalige US-Finanzminister James Baker die Finanzmärkte beunruhigt, indem er die Deutsche Bundesbank in deutlichen Worten zu einer Zinssenkung auffordert hatte. Professionelle Anleger verstanden das als Zeichen, dass die USA wirtschaftlich nicht mehr in dem Umfang mit der Deutschland zusammenarbeiten wolle, wie sie es bis dahin getan hatte. Der US-Staatshaushalt ächzte zu dieser Zeit unter der Schuldenpolitik Ronald Reagans, die Handelsbilanz hatte ein Rekorddefizit erreicht. Das amerikanische Börsenbarometer Dow Jones fiel am 19. Oktober 1987 von 2246 auf 1738 Punkte: ein Minus von fast 23 Prozent.

Die Kursstürze verliefen wie eine Kettenreaktion: Automatische Verkäufe wurden per Computer getätigt, da Kurslimits unterschritten wurden. Realwirtschaftlich hatte der Börsenkrach von 1987 erstaunlicherweise kaum Folgen, aber viele Privatanleger verloren ihr Vermögen.

1989 – Fusionsfieber

Seinen größten Kurssturz erlebte der Dax kurz nach der Geburt: Am 16.Oktober 1989 ging es um 13 Prozent abwärts. Grund waren Sorgen um ein Ende des damaligen Fusionsfiebers. Am 13. Oktober 1989 war es soweit. Als die Nachricht die Runde machte, dass die Verhandlungen über die Finanzierung der geplanten Übernahme von United Airlines geplatzt seien, zogen viele Marktteilnehmer den Schluss, dass auch andere Übernahmen an der mangelnden Finanzierungsbereitschaft der Banken scheitern könnten. Zuerst wurden Aktien von Übernahmekandidaten verkauft.

Da sich aber bald keine Käufer mehr fanden, wurden wenig später im Bemühen, sich Liquidität zu besorgen, auch andere Aktien auf den Markt geworfen und der Dow Jones fiel um knapp 7 Prozent. Den jungen Dax erwischte es am darauffolgenden Montag noch härter: er fiel um 12,8 Prozent. Die Frankfurter Börse erlebte eine Verkaufswelle, wie sie selbst am „Schwarzen Montag“, dem Börsenkrach vom Oktober 1987, nicht beobachtet worden war. Die Aktien von Karstadt  fielen beispielsweise um knapp 20 Prozent.

1997- Die Asien-Krise

Ausgangspunkt waren Währungskrisen in Südostasien. Einige Schwellenstaaten hatten ihre Währungen lange Zeit künstlich hoch gehalten. Am 2. Juli 1997 wertete Thailand schließlich seine Währung, den Baht, ab. Es folgten Indonesien, Malaysia und die Philippinen. Am 23. Oktober 1997 brach schließlich Hongkongs Börsenindex Hang-Seng ein. Bis Ende des Monats Oktober betrugen die Verluste rund 40 Prozent.

Am 28. Oktober gab der Deutsche Aktienindex 312 Punkte ab. Das entsprach ungefähr 8 Prozent. Tags zuvor hatte der Dow Jones 7,2 Prozent verloren. Die Kurse erholten sich bald, aber Südostasien steckte tief in einer massiven Krise. Konsum, Bautätigkeit und Kreditfinanzierung sanken drastisch. Die freigegebenen Währungen, also die Währungen, die nicht mehr an den US-Dollar gekoppelt waren, brachen ein – das Vermögen der Südostasiaten schrumpfte drastisch zusammen.

2008 – Finanzkrise

Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers am 15. September 2008 war die größte Pleite eines Unternehmens, das die Welt je gesehen hat – zehnmal größer als die schon spektakuäre des US-Energieriesen Enron im Jahr 2001. Die Folge war der Absturz der Aktienmärkte im September und Oktober. Weltweit brachte der drohende Run auf die Banken das globale Finanzsystem an den Rande des Kollaps.

Der Auslöser war, dass die Immobilienblase in den USA platzte. Mittels billiger Kredite konnte fast jeder Amerikaner überteuerte Immobilien kaufen. Als die Zinsen  stiegen, brach das Kartenhaus zusammen. Da der Kreditumfang so gewaltig war, wurde aus der Immobilienkrise eine Bankenkrise. Die Insolvenz der Bank Lehman Brothers löst eine Lawine aus. Die Bankenkrise riss viele Länder in eine Wirtschaftskrise. In Europa wird die Finanzkrise zur Währungskrise. Griechenland trifft die Krise am schlimmsten. Das Land hat sich bis heute nicht erholt, während Deutschland vergleichsweise unbeschadet durch die Krise kam.

Im Rahmen der Finanzkrise verzeichneten die Börsen in New York, London und Frankfurt Verluste von jeweils über 20 Prozent. Am 16. Oktober fiel der Nikkei-Index um 11,4 Prozent und erlebte einen der größten Tagesverluste in der gesamten Geschichte des Index.

 

Mein Fazit: Augen auf im Oktober. Aktien sind sehr hoch bewertet und das Geld ist extrem billig – eine starker Rücksetzer ist daher nicht unwahrscheinlich. Zum Trost sei noch angemerkt, dass es viele erfolgreiche Oktobermonate an der Weltbörsen gab. Sei wachsam!

 

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