Das Ende der Banken. Brauchen wir noch Vollbanken?

Ich bin überzeugt, das die Zeit der klassischen Banken sich dem Ende zuneigt. Warum werde ich nachfolgend darstellen.

Solange die Rahmenbedingungen stabil sind, können Geschäftsmodelle erstaunlich lange überleben. Warum also sollten die Vorstände umdenken? Es funktioniert doch seit vielen Jahren. Allerdings ändern sich das Umfeld bereits seit Jahren massiv.

Regulierung

Die Banken können einem beinahe leid tun. Neben der Energiewirtschaft ist der Bankensektor der am stärksten regulierte Wirtschaftszweig. Daraus folgend sind die Geschäftsmodelle stark reglementiert. Beispielweise müssen die Banken seit kurzem Kunden massiv und nahezu kostenfrei unterstützen, wenn diese zur Konkurrenz wechseln wollen. Bisher war die Wechselquote erstaunlich niedrig. Meist hat man sich mit 18 Jahren für eine Bank entschieden und ist dieser dann jahrzehntelang treu geblieben.

Gesellschaftliche Akzeptanz

Banken haben seit der Peanuts-Aussage von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann oder der durch die Politik angezettelten Heuschreckendiskussion schwer an Image verloren. Früher waren Banken hoch angesehen, heute sind sie die Prügelknaben für jeden Missstand, teilweise zu Unrecht. Andererseits tragen die Führungskräfte der Banken selbst durch moralisch fragwürdige Entscheidungen, die in diversen Gerichtsverfahren münden, zum Ansehensverlust bei.

Niedrigzinsen

Die Niedrig- bzw. Negativzinsen schränken eine wichtige Einnahmequelle und damit die Ertragschancen der Banken massiv ein. Geldverleihen und dafür Zinsen zu verlangen, ist die grundsätzliche Aufgabe und der Ursprung einer Bank. Dadurch muss versucht werden mit anderen Geschäftsmodellen Geld zu verdienen. Diese wird jedoch durch die Regulierung erschwert.

Digitalisierung

Für mich ist die Digitalisierung der wichtigste der genannten Faktoren. Was ist die Rolle von Banken in der digitalen Welt? Ich bin der Meinung, dass die klassischen Banken überflüssig werden. Für die Zahlungsabwicklung kann ich auf Kreditkartenunternehmen oder Dienste wie PayPal zurückgreifen. Kredite kann ich problemlos übers Internet abwickeln. Der moderne Mensch wickelt immer mehr Online ab. Ich selbst bin vielleicht ein Mal pro Jahr in meiner Bankfiliale. Wo Banken derzeit noch eine ernsthafte Aufgabe haben, ist im Bereich des Investmentbankings, aber auch hier werden sich neue Player etablieren. Wer sein Unternehmen neu gründet, denkt so ziemlich als Letztes daran, zu einer Bank zu gehen. Vorher werden oft andere Möglichkeiten ausgeschöpft: Crowdfunding  oder Marktplätze für Unternehmenskredite wie Auxmoney stehen zur Verfügung.

Das die obigen vier Faktoren voll zum Tragen kommen, sehen wir an den aktuellen Krisen der Deutschen Bank und die Commerzbank und dem einhergehenden Abrutschen der Aktienkurse.

FinTech´s

FinTech – dieser Begriff setzt sich aus den Worten Finanzdienstleistungen und Technologie zusammen und bezeichnet eine ganze Branche, in der die moderne Technologie die herkömmlichen Finanzdienstleistungen verändert. Vor allem im Markt leicht zu standardisierender Finanzprodukte treten technologiebasierte Unternehmen zunehmend mit großer Dynamik als Wettbewerber um Kunden und Marktanteile auf. Dabei sind die FinTech-Geschäftsmodelle vielfältig und umfassen unter anderem alternative Bezahlverfahren, die  Portfolioverwaltung oder Plattformen zur Anlageberatung. Neben den Veränderungen in den traditionellen Geschäftsfeldern haben FinTechs auch völlig neue Produkte wie das Crowdfunding oder die Kreditmarktplätze geschaffen. Der klassische Finanzberater wird durch den Robo Advisor ersetzt.

Solaris Bank

Eine Beispiel für ein FinTech-Unternehmen ist die Solaris Bank. Solaris mit Sitz in Berlin bezeichnet sich selbst als Bank für Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen. Es werden einerseits diverse Bankdienstleistungen online angeboten und andererseits wird eine Banking-Plattform angeboten an die „Digitalunternehmen“ mittels API-Schnittstellen (application programming interfaces) andocken können. Seit März 2016 besitzt Solaris die Bankenlizenz. Die Mitarbeiterzahl ist stark wachsend. Neben dem deutschen soll auch der europäische Markt erobert werden.

Mein Fazit: Die klassischen Vollbanken werden schrumpfen oder ganz verschwinden, und das sehr zeitnah. Sämtliche Bankdienstleistungen können digitalisiert angeboten werden. Als Privatanleger sollte man keinesfalls in Aktien der bekannten Großbanken investieren. Die Kurse werden dauerhaft unter Druck bleiben.


Stoppt die Banken! Book Cover Stoppt die Banken!
Esther Mitterstieler
Business & Economics
Braumüller Verlag
October 20, 2014
192

TOO BIG TO FAIL: BANKEN ZOCKEN. WIR ZAHLEN. Warum holt man sich, wenn es mit dem Bargeld knapp wird, nicht einfach immer mehr Cash vom Geldautomaten? Das fragten sich auch internationale Banker in den Jahren vor und nach der Pleite der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers und stellten sich beim Staat um Geld an. Die Folgen sind bekannt: Bankenkrise, Rettungsschirm und ein europäisches Finanzsystem, das auf der Kippe stand und noch lange nicht über den Berg ist. Wie ist dieses Szenario in Zukunft zu verhindern? Was können wir aus dem Fehlverhalten der Banker und Politiker lernen? Und wieso werden die Banken weiter spekulieren und wir weiter zahlen, bis wir tatsächlich am Abgrund stehen, wenn sich nichts ändert?

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