Aus der Welt der Reichen und Schönen – Das Family Office

Family Office – das klingt nach Reichtum und Abenteuer und irgendwie geheimnisvoll. Zeit sich einmal intensiv mit dieser speziellen Art der Vermögensverwaltung auseinanderzusetzen.

Definition und Entstehung des Family Office

Der Begriff Family Office kommt aus dem englischen Sprachraum und bezeichnet eine Gesellschaft, deren Zweck die Verwaltung des privaten Großvermögens einer Eigentümerfamilie ist. Die Aufgaben eines Family Offices sind aber grundsätzlich nicht beschränkt. Typischerweise übernimmt es neben der reinen Vermögensverwaltung weitere klassische Sekretariats-Dienstleistungen wie beispielsweise Mediation, Buchführung, Büroorganisation, Reiseplanung, Sicherheitsmanagement, Controlling u. ä. der Mandanten. Die Bundesanstalt  für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) versteht unter Family-Offices Unternehmen, die sich bankenunabhängig mit der Verwaltung großer privater Vermögen befassen.

Ursprünglich gründeten sehr vermögende Familien zur optimalen Bewirtschaftung ihrer privaten und unternehmerischen Vermögenswerte und Verpflichtungen eigene Familiengesellschaften. Das erste Family Office war das 1838 gegründete House of Morgan der amerikanischen Unternehmerdynastie Morgan. Im Jahre 1882 erfolgte die Gründung des Family Office der Familie Rockefeller.

Der wesentliche Unterschied zwischen einem Family Office und einem Vermögensverwalter ist die Tatsache, dass ersteres unter Kontrolle der Anlegerfamilie und letzteres unter Kontrolle eines Dritten steht. Entsprechend unterscheidet sich auch die Regulierung: Ein Vermögensverwalter benötigt die Erlaubnis der Regulierungsbehörde, was bei Family Offices nicht der Fall ist. Der Gesetzgeber geht hier durch die Identität von Anleger und Eigentümer des Family Office davon aus, dass eine Schutzbedürftigkeit nicht besteht. Die Anlageentscheider sind Angestellte des Family Office und damit Untergebene der Anleger. Neben der Risikodiversifizierung ist es den Eigentümerfamilien häufig auch ein Anliegen, mit ihrem Family Office das Unternehmertum innerhalb der Familie hochzuhalten.

Der Hauptvorteil des Family Office ist die hohe Kontrolle der Familie über das eigene Vermögen und die eigenen Investitionen.  Da Anleger und Eigentümer identisch sind, muss keine Verwaltungsgebühr abgeführt werden; nur Personal- und Fremdkosten fallen an, was bei großen Besitztümern ein Kostenvorteil sein kann.

Sogenannte Multi Family Offices arbeiten für mehrere Familien und verwalten in der Regel kleinere Vermögen. Nach dem Ernst and Young’s Family Office Guide gibt es weltweit 10.000 Family-Offices und ein betreutes Vermögen von 5.1 Billionen US Dollar.

Family Offices in Europa und Deutschland

In der Schweiz, die in Europa als Zentrum für Family Offices gilt, sollen zwischen 300 und 400 Family Offices bestehen, die vor allem ausländische Klienten betreuen und im Durchschnitt 20 Mitarbeiter beschäftigen. In Europa wird von knapp 2.000 ausgegangen, die im Durchschnitt 10 bis 15 Kunden mit einem Portfolio von 25 bis 50 Millionen US-Dollar betreuen. Nach meinen Recherchen musst Du als absolute Untergrenze 5 Millionen Euro mitbringen, um in den Genuss dieser Dienstleistung zu kommen.

Eines der bekanntesten deutschen Offices ist HQ Trust – das Multi Family Office der Familie Harald Quandt (BMW etc.). Der Verwalter kümmert sich um die finanziellen Belange der wirklich Wohlhabenden und betreut nach eigenen Angaben die 100 der reichsten Familien Deutschlands. Das verwaltete Vermögen soll bei etwa zehn Milliarden Euro liegen.

Wen gibt es noch?

Susanne Klatten gilt als reichste Frau Deutschlands. Unter dem Dach der SKion GmbH sind wichtige Industrie-Beteiligungen von Susanne Klatten gebündelt. Dazu gehören u.a. Anteile an Nordex, SGL Carbon und Avista Oil AG. Außerdem befindet sich das Chemie-Unternehmen Altana zu hundert Prozent im SKion-Besitz. Darüber hinaus investiert SKion gezielt in Unternehmen mit einer langfristigen Perspektive. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Beteiligungen an Unternehmen im Bereich Wassertechnologie. Generell verfolgt man Investments in Zukunftstechnologien und in innovative Geschäftsmodelle im Industrie und Dienstleistung. Das verwaltete Vermögen beläuft sich auf 2,7 Milliarden EUR.

Die Geschichte der Unternehmerfamilie Reimann ist eng mit dem Aufstieg der Chemie- und Reinigungsmittelfirma Benckiser verbunden. Ende der 90er Jahre verkauften einzelne Mitglieder der Unternehmerfamilie ihre Beteiligungen an der Joh. A. Benckiser und gründeten das Family Office Reimann Investors, das das Familienvermögen verwaltet.  Reimann Investors hat zwei Standbeine: zum einen Kapitalmarkt-Investitionen mit Fokus auf Werterhalt, zum anderen Beteiligungs-Investments. Dabei konzentriert sich Reimann Investors auf junge und stark wachsende Unternehmen – bevorzugt auf E-Commerce und FinTech.

Das Spudy Family Office gibt es bereits seit 1994, Inhaber und Gründer Jens Spudy gilt als einer der Family Office-Pioniere in Deutschland.  Außer in Hamburg ist man auch in Frankfurt vertreten. Die Spudy-Gruppe umfasst drei Säulen: Spudy Family Office, Spudy Real Estate und ICR.  Neben Familien, “Privatiers”, Unternehmern und Profisportlern gehören auch öffentliche Institutionen und Stiftungen zu den Spudy-Kunden. Es werden etwa 6,6 Milliarden EUR „betreut“.

Investitionsschwerpunkte

Family-Offices können ihr Vermögen zur Diversifikation in unterschiedliche Vermögensklassen investieren und das machen Sie auch – oft recht langweilig in Aktien, wie Du und ich. Daneben nimmt ihr Einfluss im Venture Capital-Bereich und vor allem bei Direktinvestments in Startups immer mehr zu. Die FOs investieren dabei bisher eher in Venture Capital Gesellschaften und in Private Equity und nicht direkt in Startups. In letzter Zeit hat es aber verstärkt direkte Investments in Startups gegeben. So z. B. Carsten Maschmeyer mit seiner „Alstin – Alternative Strategic Investments“.

 

Mein Fazit: Das Thema ist durchaus spannend, aber Family Offices sind mir suspekt. Seine Millionen selbst zu verwalten, bringt doch viel mehr Spaß.

One Reply to “Aus der Welt der Reichen und Schönen – Das Family Office”

  1. Durchaus sehr spannendes Thema! Danke für den interessanten Artikel.
    Oft sind unter den Reichen ja Leute die vielleicht nicht so viel mit der Börse am Hut haben und demnach Hilfe brauchen um ihre Millionen noch zu vermehren. Oder manche sind auch einfach too busy oder zu faul sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Ich stimme dir aber zu, dass FO immer ein wenig suspekt sind und die Leute die das machen finde ich auch immer ein wenig seltsam. Aber jedem das Seine 🙂

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