Anlagestrategien vorgestellt: Der Substanzwert von Aktien und seine Aussagekraft für die Anlageentscheidung

Im Beitrag „Was das Kurs-Buchwert-Verhältnis aussagt“ hatte ich bereits auf den Substanzwert zur Aktieneinschätzung verwiesen. Logische Folge ist es, das Thema Substanzwert zu vertiefen.

Substanzwert: Definition

Der Substanzwert ist ein Begriff aus der Unternehmensbewertung. Er ergibt sich in erster Linie aus der Untersuchung der Unternehmensbilanz. Als Maßstab für die Substanz einer Aktiengesellschaft gilt allgemein die Differenz aus der Summe des Umlauf- und Anlagevermögens und den Schulden. Das Umlauf- und Anlagevermögen setzt sich zusammen aus fest zum Unternehmen gehörenden Anlagen, Vermögenswerten, Wertpapieren, Vorräten und Barmitteln.

Einfach ausgedrückt stellt die Substanz also das eigentliche Vermögen eines Unternehmens dar, das nach Abzug der Schulden übrig bleibt. Der Substanzwert wird auch als wahrer oder innerer Wert einer Aktie bezeichnet.

Substanzwert: Beispiel

Nehmen wir die aktuellen Zahlen der E.ON SE. Laut Jahresabschluss 2015 stehen einem Vermögen von 113,69 Milliarden Euro Schulden in Höhe von 97,26 Milliarden Euro gegenüber.

Daraus ergibt sich ein Substanzwert von EON 16,43 Milliarden Euro.

Substanzwerte kaufen: Value-Strategie

Die sogenannte Value-Strategie setzt darauf Werte zu finden bei denen die aktuelle Bewertung durch die Börse unter dem Substanzwert der Aktie liegt. Das bedeutet, die in der Bilanz enthaltenen Vermögensgegenstände sind in ihrer Summe größer als der Kurswert des jeweiligen Unternehmens an der Börse. Substanzwerte werden in der Annahme gekauft, dass der Aktienmarkt die Aktie nicht genügend hoch bewertet, und dass sich dieser Bewertungsunterschied über die Zeit abbauen und somit der Kurs steigen sollte. Aktien auf die dieser Umstand zutrifft, nennt man auch Value-Aktien.

Nehmen wir wieder unsere E.ON-Aktie. E.ON hat 2 Milliarden Stückaktien ausgegeben. Der aktuelle Kurs liegt bei 6,783 Euro je Aktie (21.10.2016). Daraus ergibt sich eine Marktkapitalisierung (Gesamtwert aller Anteile) von 13.566.000.000 Euro. Damit liegt die Börsenbewertung von E.ON rund 3 Milliarden Euro unter dem „inneren Wert“ des Unternehmens.

Bezogen auf die reine Value-Strategie ein klarer Kauf.

Nachteile des substanzwertorientierten Anlagestils

Der Substanzwert ist eine reine Stichtagsbetrachtung bezogen auf die Unternehmensbilanz. Künftige Ertragsaussichten werden nicht berücksichtigt. So könnte das Delta zwischen Börsenbewertung und Substanzwert besonders attraktiv erscheinen, wenn sich der Aktienkurs gerade im Sinkflug befindet, weil gerade eine Gewinnwarnung herausgegeben wurde.

Des Weiteren könnte im Vermögen des Unternehmens Anlagevermögen enthalten sein, welches nicht genutzt wird (z. B. nicht genutzte Strom- oder Telekommunikationsleitungen) oder keinen künftigen Ertrag verspricht.

Ist das Geschäftsmodell des betreffenden Unternehmens nicht zukunftsträchtig, so ist auch ein attraktiver innerer Wert kein Indiz für künftige Wertzuwächse. Dies muss man auch bei meinem E.ON-Beispiel hinterfragen. M. E. trägt das Geschäftsmodell der klassischen Energieversorger schon längst nicht mehr.

 

Mein Fazit: Der Substanzwert gibt einen wichtigen Anhalt über den Kernwert einer Aktie. Nachteil bei isolierter Betrachtung ist, das die aktuelle Ertragslage und die künftigen Ertragsaussichten des Unternehmens ausblendet. Das Kunststück ist also, tief bewertete Unternehmen aufzuspüren, die keine strukturellen Probleme aufweisen, sondern nachhaltiges Potential haben!

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