Vorteile und Nachteile von Dividendenstrategien

In Zeitungen, Zeitschriften und im Netz liest man oft von Dividendenstrategien. Was ist das? Was sind die Vor- und Nachteile?

Um den „wahren“ Wert eines Unternehmens festzustellen, bedienen sich Investoren diverser Kennzahlen. Übliche Indikatoren sind zum Beispiel:

  • Kurs zu Buchwert-Verhältnis
  • Kurs zu Gewinn-Verhältnis
  • Kurs zu Cashflow-Verhältnis
  • Kurs zu Dividenden-Verhältnis

Unter Dividendenstrategie wird gemäß Wikipedia gemeinhin eine Form der Aktienanlage verstanden, bei der gezielt in Wertpapiere von Unternehmen investiert wird, die eine hohe Dividendenrendite aufweisen.

Als Erfinder der Dividendenstrategie gilt Michael O’Higgins in seinem Buch Beating the Dow. Bekannt wurde die Strategie unter dem Namen „Dogs of the Dow“. Sie enthielt die Anlagestrategie, Jahr für Jahr aus den Wertpapieren, die im Dow-Jones-Index abgebildet sind, die Wertpapiere mit der höchsten Dividendenrendite zu erwerben

Bei einer Divendenstrategie wählt man also Aktien bei denen Kurs und Dividenden in einem guten Verzinsungsverhältnis stehen – siehe auch → Alles, was Sie über Dividenden wissen müssen

Vorteile von Dividendenaktien

Hochwertige Dividendenaktien haben eine geringere Kursvolatilität. Da Dividenden wesentlich weniger schwanken als Gewinne, wirken sie wie ein Polster bei Abwärtsbewegungen am Aktienmarkt.

Dividendenzahler setzen ihre Investitionen effizienter ein. Unternehmen, die einen Teil Ihres Gewinns oder ihres Cashflows auszahlen,  werden automatisch gezwungen, die einbehaltenen Mittel möglichst sinnvoll einzusetzen. Langfristig schafft das einen Mehrwert.

Langfristig schlagen Dividendenzahler die Nicht-Dividendenzahler. Zahlreiche Studien bestätigen diese Aussage,  eine davon ist diejenige des US-amerikanischen Researchunternehmens Ned Davis. Sie reicht von 1972 bis 2010, darin wird anhand des S&P 500 aufgezeigt, dass die Investition in alle Dividendenzahler eine durchschnittliche Rendite pro Jahr von 8.8% abgeworfen hätte, während diejenigen Aktien die keine Dividenden auszahlten, gerade mal  1.7% gestiegen waren. Der Gesamtindex konnte im selben Zeitraum um 7.3% zulegen.

Die einzige Bilanzposition, die nicht manipuliert werden kann, ist die Dividende. Da im Gegensatz zu allen anderen Ertragszahlen die Dividende nicht „optimiert“ werden kann, zeigt die Dividendenhistorie die Unternehmensentwicklung sehr zuverlässig an. Denn nur wer die die Vergangenheit kennt, kann sich ein Bild von der Zukunft beziehungsweise von künftigen Dividendenzahlungen machen.

Eine konsistente Dividendenpolitik steht für Unternehmensstärke. Unternehmen, die über einen langen Zeitraum regelmässig Dividenden ausschütten, verfügen fast immer über ein bewährtes und nachhaltiges Geschäftsmodell, mit dem mehr Geld verdient wird als benötigt. Langfristig wird so für die Aktionäre ein Mehrwert geschaffen.

Nachteile von Dividendenaktien

Obwohl Dividendenstrategien viele Vorteile aufweisen, gibt es natürlich auch Nachteile und Punkte, die unbedingt beachtet werden müssen.

Hohe Dividendenrenditen sind nicht immer ein Indikator für ein erfolgversprechendes Investment. Es besteht die Gefahr, dass die Dividende nicht gesichert ist, und dass die Ausschüttung gekürzt oder sogar ganz gestrichen wird. Es gibt diverse Anzeichen für eine ungenügend gesicherte Dividende. Wenn die Dividende höher ist als der Gewinn, dann ist Vorsicht geboten. Hier besteht die Gefahr, dass die Dividendenzahlung über eine höhere Verschuldung finanziert wird. Langfristig kann das nicht gut gehen; der Aktienkurs wird entsprechend reagieren.Vorsichtig sollte man auch sein, wenn ein Unternehmen überdurchschnittlich hoch verschuldet ist. Hier besteht immer die Gefahr, dass dem Schuldenabbau Priorität eingeräumt wird und dadurch dem Druck, die Dividende zu senken, nachgegeben wird.

Dividendenaktien entfalten ihre Stärke vor allem in schwachen Börsenphasen. Umgekehrt gilt aber auch, dass in ausgeprägten Haussemärkten in der Regel nicht mit den starken Anstiegen der Gesamtmärkte mitgehalten werden kann. Man sollte also nicht erwarten, mit einer Dividendenstrategie die Märkte permanent, das heisst in jedem Jahr, schlagen zu können.

Der Nachteil eines zu engen Fokus auf die Dividende könnte sein, dass die Apples dieser Welt tendenziell zu spät gekauft werden. Aktien von Wachstumsunternehmen haben oft die Eigenart, dass anfangs keine Dividenden gezahlt werden, weil keine Gewinne anfallen oder Gewinne im Unternehmen verbleiben.

Allgemein gilt: Zinserhöhungen sind schlecht für Aktien, besonders auch für Dividendenaktien. Investoren, die auf ein möglichst hohes Einkommen Wert legen, neigen dazu, in Hochzinsphasen Zinspapiere den Dividendenaktien vorzuziehen. Hohe Zinsen bedeuten aber auch, dass der Aufwand eines Unternehmens steigt, was den Gewinn schmälert und somit die Dividende gefährdet. Das wiederum wirkt sich negativ auf den Kursverlauf aus.

Schliesslich die Besteuerung. Zielt man mit Dividendenaktien vor allem darauf ab, ein Einkommen zu generieren, muss man sich darüber im Klaren sein, dass die ausbezahlte Dividende in Form der Kapitalertragsteuer besteuert wird.

Mein Fazit: Insbesondere unter Zielsetzung eines „passiven Einkommens“ sind Dividendenstrategien sinnvoll, da sie einerseits zu regelmäßigen Ausschüttungen führt und andererseits zum Werterhalt des angelegten Vermögens beiträgt. Gleichzeitig sollte man auch die Nachteile dieses Ansatzes kennen.


 

Vermögensaufbau mit der Dividendenstrategie Book Cover Vermögensaufbau mit der Dividendenstrategie
Dirk Huneke
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2011-12
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Verschiedene Untersuchungen haben die Dividendenstrategie als effizientes Mittel fur den Vermogensaufbau belegt. Durch Wiederanlage der Ausschuttungen im gleichen Anteilswert konnen Verluste wirksam begrenzt werden. Selbst in seitwarts tendierenden Markten wachsen so die inflationsgeschutzten Sachwertanlagen bestandig. Eine intelligente Zusammenstellung von Fonds und Aktien ermoglicht sogar eine monatliche Dividendenausschuttung. Der so erzeugte Cost-Average Effekt sorgt zusammen mit dem Zinseszinseffekt fur einen kontinuierlich ansteigenden Geldstrom in Form von Dividenden. Das System kann auch als Fondsrente eingesetzt werden: Wenn die monatlichen Entnahmen geringer als die Ausschuttungen sind, erhalten Sie auf diese Weise, unabhangig von immer schwankenden Borsen, eine jahrlich ansteigende Rente. Anhand zahlreicher Beispiele wird dargestellt, wie man selbst mit kleinen Beitragen ein so funktionierendes, ausreichend diversifiziertes Depot Schritt fur Schritt aufbaut. Dabei werden die verschiedenen Lebens- und Anlagephasen berucksichtigt: Zur Erlangung des finanziellen Schutzes sind z. B. die vermogenswirksamen Leistungen des Arbeitgebers ein wesentliches Element des ersten Musterdepots. Das zweite Musterdepot enthalt Ideen, wie Sie die Ausschuttungsquote mit ETF-Fonds nochmals steigern konnen und fur teure Anschaffungen nutzen konnen. Mit einem erlesenen Aktiendepot und hoher Dividendenrendite befinden Sie sich bereits auf der Zielstrecke zur finanziellen Freiheit. Anders als bei sich selbst aufbrauchenden Kapitalanlagen mit gleichbleibenden, monatlichen Ertragen, wie z. B. Photovoltaik-Anlagen, fuhrt das vorgestellte System in einer Endlosschleife zu ansteigenden, nicht abnutzbaren Einkunften."

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