Downshifting – Modetrend und langfristiger Wandel?

Kürzlich sagte Jack Ma, Gründer der chinesischen Internethandelsblattform Alibaba: „In den nächsten 30 Jahren werden Menschen vier Stunden am Tag arbeiten und vielleicht vier Tage die Woche“.

Diese Sicht teile ich voll und ganz. Anbei drei Aspekte, warum es so kommt.

Die Produktivität

Durch die aktuellen Entwicklungen zur Digitalisierung, in der Robotik und vor allem im Bereich der künstlichen Intelligenz wird die Produktivität exponentiell ansteigen. Da der Mensch linear denkt, können wir uns die Dynamik heute nicht vorstellen. Es wird zur massiven Freisetzung von Arbeitskräften kommen. Dabei denken wir zunächst an „Produktionsarbeiter“. Aber es wird alle Gruppen treffen. Kraft- und Taxifahrer werden durch autonome Fahrzeuge überflüssig. Die neue Arbeitswelt macht auch vor Jobs der Mittelschicht nicht halt – ob Steuerberater, Anwälte, Versicherungsfachleute, Bänker oder Immobilienmakler – vieles wird ohne menschliche Experten funktionieren. Als sicher vor der Automatisierung halten Forscher dagegen vor allem jene Jobs, die besonders menschliche Fähigkeiten verlangen – zum Beispiel Menschenkenntnis, Verhandlungsgeschick, Kreativität oder Überzeugungskraft.

D.h., in etwa 15 Jahren müssen wir theoretisch nicht mehr für unseren Lebensunterhalt arbeiten. Es ist genug für alle da. Erstaunlich ist, dass weder in der Wissenschaft, noch in Politik und Wirtschaft diese Entwicklung ernsthaft diskutiert wird. Entscheidend ist, wie gerecht die Verteilung erfolgt und wahrgenommen wird.

Die Einstellung

Betrachtet man aktuelle Entwicklungen insgesamt, aber auch sein persönliches Umfeld, so sind immer mehr Menschen bereit, Geld (Einkommen) gegen Zeit zu tauschen. Freizeit wird wichtiger als der letzte Euro Verdienst. Der Freitag ist in vielen Unternehmensbereichen, die nicht direkt produzieren, oft schon kein richtiger Arbeitstag mehr. Die IG Metall hat diesen Trend in der aktuellen Tarifverhandlungen aufgenommen und fordert die 28-Stunden-Woche als „verkürzte Vollzeit“.

Häufig wird der Begriff „Downshifting“ verwendet. „Als Downshifting bezeichnet man einen Lebensstil mit dem Ziel, ein selbstbestimmteres, erfüllteres Leben zu führen. Es ist eine alternative Lebensart, die durch teilweisen und gezielten Konsumverzicht größere persönliche Freiräume schafft. Im Gegensatz zum Konzept des Einfachen Lebens steht beim Downshifting nicht der bewusste Konsumverzicht im Mittelpunkt, sondern meist die Optimierung bzw. Reduktion der Arbeitszeit. Der Konsumverzicht ist insoweit Mittel zum Zweck, als mit dem Downshifting häufig weniger finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, die durch den bewussten Verzicht aufgefangen werden können. Downshifting bedeutet keinesfalls eine radikale Abkehr von der Gesellschaft, sondern vorsichtige, kluge (Teil-)Schritte, um die Arbeitsbelastung auf ein individuell verträgliches bzw. gewünschtes Maß zu reduzieren, um den so gewonnenen Freiraum für mehr Vielfalt und Lebenssinn zu nutzen.“ (Quelle Wikipedia)

Was bewegt Menschen heute?

  • sich mit einem Hobby selbstständig machen
  • Zeit, um Freundschaften pflegen
  • den Hauptjob durch mehrere kleine Einkommensquellen ersetzen
  • mehr Zeit für gesunde Ernährung und Fitness
  • mehr Zeit für sich, die Familie, Freunde und Hobby
  • ein Ehrenamt ausüben zu wollen

Bedingungsloses Grundeinkommen

Vor allem durch den Produktivitätszuwachs, aber auch durch die sich verändernden Einstellung in den Industrieländern bin ich der festen Überzeugung, dass das bedingungslose Grundeinkommen kommen wird. Das Bedingungslose Grundeinkommen ist ein sozialpolitisches Finanztransferkonzept, nach dem jeder Bürger – unabhängig von seiner wirtschaftlichen Lage – eine gesetzlich festgelegte und für jeden gleiche – vom Staat ausgezahlte – finanzielle Zuwendung erhält, ohne dafür eine Gegenleistung erbringen zu müssen. In 10 bis 15 Jahren werden wir es intensiv diskutieren.

Zum einen wird und muss der Staat dafür sorgen, dass freigesetzte Arbeitskräfte trotzdem ihren Lebensunterhalt bestreiten können und ein Einkommen erhalten. Zum anderen wird auch die Wirtschaft, also die Unternehmen, an diesem Ansatz interessiert sein. Wie sollen wir sonst Produkte erwerben und konsumieren? Ich bin mir sicher das Grundeinkommen oder auch Bürgergeld wird gesellschaftlicher Konsens werden. Darüber hinaus kann dann jeder noch freiwillig arbeiten oder sich sozial engagieren. Die Grundbedürfnisse sind ja abgesichert.

 

Mein Fazit: Mach Dich fit für die 4-Tage-Woche. Was brauchst Du? Einerseits benötigst Du Pläne, was Du mit Deiner gewonnenen Freizeit anfangen willst und andererseits die Bereitschaft mit weniger Einkommen und Konsum auszukommen.

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