Im Nebel: Drei Wasserstoffaktien im Blick

Ich bin großer Fan der Wasserstoffmobilität und damit von Wasserstoffaktien und glaube an den Durchbruch der Technologie, wohingegen ich für die derzeit gehypte Elektromobilität mittels Akkus sehr skeptisch bin.

Was spricht für mich gegen die Elektromobilität?

  1. Herstellung der Batterien ist teuer, aufwendig und umweltfeindlich. Nicht zu Reden von der Entsorgung.
  2. Wenn Millionen elektrisch fahren wollen, wäre das heutige Stromnetz völlig überfordert.
  3. Der unhandliche Praxis hinsichtlich Reichweiten, Lademöglichkeiten und Ladezeiten.

Die E-Mobilität mit Akkus halte ich nur im Kurzstreckenverkehr für zukunftstauglich. Die Post macht es mit dem Streetscooter vor.

Wie funktioniert ein Auto mit Brennstoffzelle?

  1. Wasserstoff und Sauerstoff aus der Außenluft fließen in getrennte Bereiche der Brennstoffzelle.
  2. Durch die in der Brennstoffzelle ablaufenden Reaktionen entstehen Elektrizität, Wasser und Wärme.
  3. Die gewonnene Elektrizität treibt einen Elektromotor an.
  4. Als Emission entsteht lediglich Wasserdampf.
  5. Meist wird noch mittels Bremsenergierückgewinnung noch Ladestrom gewonnen.

Die Reichweite eines Wasserstofffahrzeugs beträgt 600 bis 700 km. Der Tankvorgang dauert fünf Minuten. Die Autos fahren um die 180 km/h. Also alles analog heutiger Benziner oder Diesel. Ein ernstzunehmender Nachteil ist die Hohe Explosionsfähigkeit von Wasserstoff.

Gemäß meiner Überzeugung bin ich auch in den passenden Unternehmen investiert. Allerdings sind diese Wasserstoffaktien immens gestiegen, so dass ich mir die Unternehmen heute erneut detailliert anschauen möchte. Ich selbst halte Aktien von Nel (aktueller Gewinn 68 Prozent) und Ballard Power (Wertsteigerung 103 Prozent). PowerCell seht seit Mai 2019 auf meiner Watchlist und ist seither um 73 % gestiegen. Beängstigend. 🙂

Aber schauen wir uns die drei Wasserstoffaktien im Einzelnen an.

Nel ASA

Nel ASA ( ISIN: NO0010081235) ist ein norwegisches Unternehmen mit Sitz in Oslo und global operierend. Die Firma liefert Lösungen für die Herstellung, Speicherung und Verteilung von Wasserstoff. Größter Aktionär mit einem Anteil von knapp 35 Prozent % ist Clearstream Banking S.A.. Zu dem Unternehmen gehören seit 2015 auch der dänische Wasserstofftankstellen-Hersteller H2 Logic sowie seit 2017 der amerikanische Elektrolysespezialist Proton On Site. Zusammen mit PowerCell Sweden und Hexagon Composite gründete Nel im September 2017 das Joint Venture Hyon, das zum Ziel hat, insbesondere im maritimen Bereich brennstoffzellenbetriebene Fahrzeuge zu etablieren.

Nel ist seit Juni 2019 Teil des H2Bus-Konsortiums. Ziel ist der Einsatz von 1000 Wasserstoff-Brennstoffzellenbussen in Europa. Nel ist zurzeit an mehreren Projekten weltweit beteiligt, beispielsweise im Rahmen des „H2-Konsortiums Westküste“ zur Inbetriebnahme des ersten wasserstoffbetriebenen Zuges in Deutschland. Ein weiteres Großprojekt ist die Partnerschaft mit dem amerikanischen Start-Up Nikola Motor Company, einem Hersteller wasserstoffbetriebener Lastkraftwagen. Dieses sieht in den kommenden Jahren den Auf- bzw. Ausbau einer Wasserstoffinfrastruktur (Tankstellen und Elektrolyseure) in den USA vor.

Eines der größten Bergbauunternehmen der Welt – Anglo American, ist an Wasserstoff-Lkws interessiert. Um die Versorgung sicherzustellen, hat sich das Unternehmen mit dem französischen Energieversorger Engie zusammengetan. Dieser wiederum möchte dafür Nels 3,5-Megawatt-Elektrolyseure verwenden. Das norwegische Wasserstoff-Unternehmen hat über seine Tochtergesellschaft Nel Fuel AS das Joint Venture Green H2 Norway gegründet. An dem Zusammenschluss sind noch die drei norwegischen Partner H2 Energy, Greenstat und Akershus Energi zu gleichen Teilen beteiligt. Green H2 Norway wird in Norwegen Wasserstoffproduktionsanlagen errichten, die LKWs von Hyundai ab 2020 mit Wasserstoff in Norwegen versorgen werden.

Immer mehr Länder bauen ein Wasserstoff (H2)-Tankstellen-Netz auf, wovon Nel profitiert, denn das kleine Unternehmen hat sich breit aufgestellt. Derzeit möchte beispielsweise Kopenhagen (Dänemark) für seine Taxiflotte eine H2-Tankstelle errichten, deren Fertigstellung für 2020 geplant ist.

Nel machte 2018 einen Umsatz von 46 Mio. Euro bei einem Verlust vor Steuern von etwa 20 Mio. Euro. Das Unternehmen beschäftigt 239 Mitarbeiter. Es wird keine Dividende gezahlt und das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist negativ. Gut ist die Eigenkapitalquote von 81 Prozent. Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei 1,1 Milliarden Euro. D.h., das Unternehmen ist mit dem 23-fachen des Umsatzes (nicht Gewinn!) bewertet!

Die Aktie ist sehr hoch bewertet. Da Nel sich schwerpunktmäßig auf den Bau und die Bereitstellung der Wasserstoff-Infrastruktur und nicht auf die Systeme in den Fahrzeugen konzentriert, ist Nel für mich der aussichtsreichste Titel der drei vorgestellten Wasserstoffaktien. Ich werde meine Papiere noch behalten, aber bei einem Kursanstieg oberhalb von 1 Euro verkaufen.

Ballard Power Systems

Ballard Power Systems Inc. (ISIN CA0585861085) ist ein kanadischer Hersteller von Brennstoffzellen mit Sitz in Burnaby. Bereits 1979 wurde Ballard Research Inc. von Geoffrey Ballard gegründet. Seit 1983 wurde bei Ballard Technologie für Brennstoffzellen entwickelt. 1993 wurde der erste mit auf Wasserstoff-Technologie basierenden Brennstoffzellen angetriebene Bus vorgestellt. Die Brennstoffzellen werden derzeit vor allem für Schwertransporter, Busse, Züge, Gabelstapler und Schiffe produziert.

Neben Brennstoffzellen-Stacks, den Kernkomponenten, wurden weitere Subsysteme zur Energieumwandlung entwickelt. 2005 wurde das Systemgeschäft von DaimlerChrysler und Ford im Rahmen eines Joint Ventures übernommen. Die NuCellSys GmbH in Nabern (ehemals Ballard Power Systems AG) bekam die Aufgabe, Brennstoffzellenantriebe serienreif zu entwickeln.Im Jahr 2009 übernahm die Daimler AG den 50 % Anteil der Ford Motor Company an der NuCellSys GmbH. Die NuCellSys GmbH ist somit zu 100 % eine Tochtergesellschaft der Daimler AG.

Das Unternehmen konzentrierte sich damit auf die Weiterentwicklung von Brennstoffzellen und elektrischen Antriebe für Brennstoffzellenfahrzeuge. 2002 bekam das Unternehmen einen Auftrag zur Lieferung der Antriebe für 30 Brennstoffzellenbusse von Mercedes-Benz, die im Rahmen des Projekts CUTE (Clean Urban Transport for Europe) / ECTOS (Ecological City Transport System) in Amsterdam, Barcelona, London, Luxemburg, Madrid, Reykjavík, Stockholm, Stuttgart und Hamburg im Praxisbetrieb von 2003 bis 2006 erprobt wurden. Je drei weitere Fahrzeuge kamen in Peking und Perth zum Einsatz. Die Hamburger Hochbahn hat ihre CUTE-Brennstoffzellenbusse im Sommer 2010 außer Dienst gestellt und ist 2011 in ein neues Projekt, den „deutschen Sauberbus“ eingestiegen. 2013 und 2015 unterzeichnete Ballard je ein Abkommen mit der Volkswagen AG über den Verkauf von Patenten.

Größter Aktionär ist heute mit knapp 20 Prozent die chinesische Weichai Power Co., Ltd.

Brennstoffzellen können nicht nur in Fahrzeugen verbaut, sondern auch für die stationäre Anwendung (in Haushalten, zur Notstromversorgung, zur Gewährleistung der Netzstabilität oder zur Strom- und Wärmeerzeugung) genutzt werden. Dieses breite Anwendungsspektrum wird hoffentlich zukünftig auch die Preise stark fallen lassen. Aktuell konnte Ballard Power Systems mit HDF Energy einen Vertrag zur Entwicklung und Integration eines Brennstoffzellensystems mit etwa 3 Megawatt Leistung für ein Kraftwerk unterzeichnen. Dieses kann im großen Maßstab erneuerbare Energie in Form von H2 speichern und bei Bedarf Strom erzeugen. Ein erstes Projekt ist in Französisch-Guayana geplant. Die Anlage wird etwa 90 Megawatt Strom speichern können..

Der Firmenumsatz betrug 2018 ca. 86 Mio. Euro. Der Verlust lag dabei bei etwa 24 Mio. Euro. Die Firma hat 514 Mitarbeiter. Mit einem Eigenkapital von 81 Prozent ist das Unternehmen – trotz der Verluste – gut finanziert. Ballard erwartet 2019 einen Umsatzanstieg bei gleichzeitig steigenden Verlusten. Mit einer Marktkapitalisierung von 1,6 Milliarden Euro ist das Unternehmen mit dem 18-fachen Jahresumsatz bewertet.

Trotz der eigentlich guten Voraussetzungen und technologischer Erfahrungen empfehle ich Gewinne mitnehmen. Ballard Power konnte in keinem der vergangenen zehn Jahre ein positives EBIT zu erzielen.  Auch gab das Unternehmen stets mehr Geld aus, als es einnahm. Bei einem Kursgewinn von mehr als 100 Prozent habe ich meine Aktien gerade verkauft.

PowerCell Sweden

PowerCell Sweden AB (ISIN: SE0006425815) ist ein schwedisches Unternehmen mit Sitz in Göteborg für die Entwicklung und Herstellung von Brennstoffzellen. PowerCell entstand im Jahr 2008 als Ausgründung von Volvo. Das Unternehmen entwickelt und produziert Brennstoffzellenstacks und Brennstoffzellensysteme im Leistungsbereich zwischen 1 Kilowatt und mehreren Megawatt. Eingesetzt werden diese im Nutzfahrzeug- und Automobilbereich, der Schifffahrt und im stationären Bereich. Im November 2019 gab PowerCell bekannt, das die deutsche Bosch alle Aktien von Midroc New Technology erworben hat. Damit kontrolliert Bosch nun knapp 5,85 Millionen Aktien, was einer Beteiligung von 11,3 Prozent entspricht. Zusätzlich haben PowerCell und Bosch einen Vertrag über die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb des Brennstoffzellenstapels PowerCell S3 für das Automobilsegment unterzeichnet. Bosch bezahlt an die Schweden 50 Mio. Euro für die Lizenz. Gemeinsam mit Bosch will PowerCell ab 2022 Brennstoffzellen für Nutzfahrzeuge und PKW fertigen. Neben dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, dem deutschen Automobilzulieferer Brose und weiteren Konsortialpartnern wirkt PowerCell am EU-Forschungsprojekt INN-Balance mit.

Zusammen mit Nel und der norwegischen Hexagon Composite gründete PowerCell im September 2017 das Joint Venture Hyon, das zum Ziel hat, insbesondere im maritimen Bereich brennstoffzellenbetriebene Fahrzeuge zu etablieren. Im Jahr 2018 wurde mit dem deutschen Technologiekonzern Siemens die Entwicklung brennstoffzellenbasierter Energiesysteme für Schiffe vereinbart. Ab 2021 soll die erste von vier wasserstoffbetriebenen Fähren der norwegischen Havyard Group fahren. PowerCell entwickelt für den Schiffsantrieb ein Brennstoffzellensystem mit einer elektrischen Leistung von 3,2 MW je Fähre.

PowerCell erzielte 2018 einen Umsatz von 6 Millionen Euro mit 47 Mitarbeitern. Der Verlust vor Steuern lag bei 8,2 Mio. Euro. Für 2019 ist eine geringfügige Umsatzsteigerung avisiert. Es wird keine Dividende gezahlt. Die Eigenkapitalquote lag bei 59 Prozent. Bewertet ist das Unternehmen aktuell mit 762 Mio. Euro. Das sind aberwitzige 93 Jahresumsätze. Im zweiten Quartal 2019 hat PowerCell dank der Lizenzvereinbarung mit Bosch einen Gewinn erzielt. Das EBIT lag bei etwa 48,4 Millionen Euro. Bis die Schweden allerdings nachhaltig operativ schwarze Zahlen schreiben, dürften noch einige Jahre vergehen.

Eine unglaubliche Unternehmensbewertung. Ein Aktivposten ist der Einstieg von Bosch. Dennoch: Finger weg oder Gewinne mitnehmen. Für mich die wackeligste der drei Wasserstoffaktien.

 

Mein Fazit: Alle drei Aktien sind gnadenlos überbewertet. Obwohl ich Fan der Wasserstofftechnologie bin und die Entwicklung sehr spannend finde, kann ich die Geldanlage in diesen Unternehmen nicht empfehlen. Positiv ist die gute Finanzausstattung der Firmen zu bewerten, mit der sie in der Lage sind, die Verluste bis zum Durchbruch der Technologie durchzuhalten. Der Erwerb dieser Wasserstoffaktien ist momentan reines Glücksspiel und nur mit geringem Geldeinsatz für „Spieler“ zu empfehlen.

One Reply to “Im Nebel: Drei Wasserstoffaktien im Blick”

  1. Wasserstoff ist eine wichtige Technologie für die Energiewende. Aber eben gerade nicht für PKWs. Aktuell wird Wasserstoff aus Gas gewonnen. Das ist umwelttechnisch eher schlecht. In die Zukunft gedacht kann man natürlich Wasserstoff über Elektrolyse mit regenerativen Strom herstellen. Dies wird auch als Speichertechnologie für den überschüssigen Strom benötigt. Bei der Elektrolyse gehen aber ca. 25% der Energie in Wärme verloren. Weitere 25% würden durch Komprimierung auf ca. 700 bar (der Druck im Autotank) und Transport zur Tankstelle. Dann nochmal weitere 25% bei der Umwandlung in Strom in der Brennstoffzelle. Dann kommt gerade mal 25% des Ausgangsstrom auf der Straße an. Bei Batterieelektrischen Autos sind es ca. 90%. Das bedeutet, dass wir für Wasserstoffbetriebe Fahrzeuge 3-4 mal mehr Strom benötigen als für Batterieelektrische.
    Hier noch ein link zum Thema Stromnetz. Unser aktuelles Stromnetz reicht jetzt schon für ca. 30% Elektrofahrzeuge.
    https://www.manager-magazin.de/unternehmen/energie/elektroauto-keine-blackout-gefahr-fuer-die-stromnetze-a-1280563.html

    Hier ein link zum Thema Recycling. Nach einem Autoleben bekommen die Batterien noch ein zweites Leben in stationären Speichern und danach können sie zu 96% recycelt werden.
    https://m.youtube.com/watch?time_continue=228&v=pwoRxee97Rs&feature=emb_logo

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