Finanzielle Freiheit – Wieviel Vermögen ist eigentlich notwendig?

In diversen Blogs und Büchern wird immer wieder von finanzieller Freiheit und finanzieller Unabhängigkeit gesprochen. Was bedeutet das eigentlich? Wann ist man finanziell frei? Näherungsweise kann man sagen, dass man mehr Geld aus passiven Einkommensquellen zur Verfügung haben muss, als monatlich ausgegeben wird oder werden muss.

Siehe auch: Passives Einkommen

Monatliche Kosten

Passives EinkommenIn einem ersten Schritt gilt es daher die monatlichen Ausgaben beispielsweise an Hand von Kontoauszügen zu ermitteln. Die größten Posten sind Wohn- und Wohnnebenkosten – wobei ich davon ausgehe, dass man als Grundlage der finanziellen Freiheit Wohneigentum besitzt. Trotzdem fallen natürlich die Nebenkosten, wie Strom, Wasser und Grundsteuer an. Nicht zu unterschätzen sind die Beiträge für die Krankenversicherung, wenn man davon ausgeht auch ohne Arbeitgeberanteil auskommen zu müssen. Es empfiehlt sich hierbei die Kosten der letzten Jahre zu mitteln. Weiterhin ist zu überlegen, welchen Luxus man sich als „Privatier“ noch leisten möchte. Wie viel setzt man für Klamotten an? Was ist mit Reisen? Ferner sollte eine monatliche Rücklage für größere Ausgaben (neues Auto, neue Heizung, etc.) berücksichtigt werden. Ein Faktor ist auch der Wohnort. So ist das Leben in München sicherlich teurer als in der mecklenburgischen Provinz. Im Durchschnitt kommt man m. E. auf ca. 1.500 bis 2.000 € Euro pro Monat. Eine schöne Hochrechnung findet man auch im abgebildeten Buch.

Nicht zu vergessen ist die jährliche Teuerung. Gehen wir von 1.500 Euro Monatsausgaben und einer jährlichen Inflation von etwa 2 Prozent (schon sehr gering eingeschätzt) aus, so sind nach 20 Jahren 2.185 Euro notwendig. Unterstellen wir realistische 3 Prozent Inflation benötigen wir im Jahr 2036 bereits 2.630 Euro bei gleichen Voraussetzungen.

Für die weitere Betrachtung werde ich moderate 1.500 Euro als Grundbetrag der finanziellen Freiheit annehmen.

Einnahmeseite für die finanzielle Freiheit

Passives Einkommen ohne Kapitalverzehr

Theoretisch sind Aktienrenditen von 8 bis 9 Prozent auch über lange Zeiträume erzielbar. Da unser passives Einkommen sehr belastbar sein muss (ein anderes Einkommen ist ja nicht da), sollte man mit moderaten 3 bis 4 Prozent Verzinsung rechnen. Bei 3 Prozent und zunächst ohne Inflationsausgleich benötigt man 600.000 Euro. Traue ich mir 4 Prozent Rendite zu benötigt man 450.000 Euro. Das m. E. sehr realistische Szenario von 4 Prozent Verzinsung und 2 Prozent jährlicher Inflationsausgleich würde ein Gesamtvermögen von 919.500 Euro voraussetzen.

Passives Einkommen mit Kapitalverzehr

Hier geht man davon aus, dass sich das monatliche Einkommen aus einer Verzinsung oder anderweitiger Rendite einerseits und einer Entnahme aus dem Vermögen andererseits ergibt. D. h., am Ende der unterstellten Laufzeit ist das Vermögen bei Null.

In meiner Beispielrechnung benötige ich anfänglich 1.500 Euro pro Monat. Dazu benötige ich 2 Prozent Inflationsausgleich pro Jahr. Nehmen wir weiterhin an, ich bin 45 Jahre und habe vor noch 40 Jahre zu leben. Des Weiteren unterstelle ich eine realistische Rendite von 3 % auf mein Vermögen. Mit diesen Parametern gerechnet, benötige ich ein Kapitalvermögen von 591.000 Euro.  Ein Riesenhebel ist der unterstellte Inflationsausgleich auf meine 1.500 Euro. Nehme ich nur 1 Prozent Zuwachs an, benötige ich fast 100.000 Euro weniger, nämlich 497.000 Euro. Ein Szenario mit 2 Prozent Inflation und 4 Prozent schaffbare jährlicher Rendite benötigt ein Gesamtkapital von 496.000 Euro.

Steuerlast

Die Steuerlast ist bekanntlich individuell. Daher will ich das Thema nur streifen. Nehmen wir an wir erzielen unsere notwendigen 1.500 Euro pro Monat ausschließlich aus Kapitaleinkünften. Dann wäre ausschließlich die Abgeltungssteuer zu berücksichtigen.

Anhand der zu versteuernden Kapitaleinkünfte  wird die Höhe der Abgeltungssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer ermittelt.  Die Abgeltungssteuer beträgt in Deutschland 25 Prozent der Kapitaleinkünfte. Bei der Berechnung wird der Sparer-Pauschbetrag als Freibetrag berücksichtigt. Dieser beträgt 801 Euro bei Alleinstehenden und 1.602 Euro bei Verheirateten. Entrichtete ausländische Steuern können angerechnet werden und mindern somit die deutsche Abgeltungssteuer. Hinzu kommt noch der Solidaritätszuschlag in Höhe von zur Zeit 5,5 Prozent in Bezug auf den Abgeltungssteuerbetrag. Darüber hinaus wird für Angehörige einer Religionsgemeinschaft die Kirchensteuer fällig, die nochmals mit 8 oder 9 Prozent auf den Steuerbetrag zu Buche schlägt. Die Kirchensteuer führt jedoch gemäß § 32d (1) EStG zu einer geringfügigen Minderung der Abgeltungssteuer, da Kirchensteuer als Sonderausgabe abzugsfähig ist.
In meinem Rechenbeispiel würden die 18.000 Euro Jahresertrag ohne Kirchensteuer zu einer Steuerlast von 4.536,23 Euro führen. Dagegen steht, dass man in 2016 erst über einem Jahreseinkommen von 8.652 Euro Steuern zahlen muss. Für eine Langfristrechnung würde ich unterstellen, dass die Höhe der Kapitalertragssteuer in Deutschland aufgrund des vorhandenen Wohlstands eher noch angehoben wird.




Rente

In meinem obigen Rechnungen bin ich ausschließlich davon ausgegangen, dass das passive Einkommen aus Vermögen erzielt wird. Geht man 20 oder 30 Jahre einem regulären Job nach, bevor man von passiven Einkommensquellen lebt, hat man mit Sicherheit einen gewissen Rentenanspruch erarbeitet bzw. es steht einem die Grundrente zu. D. h., mit Renteneintritt kommt eine weitere Einkommensquelle hinzu. Ab diesem Zeitpunkt sinken die Anforderungen an die Einkommenshöhe aus Kapitalvermögen.

 

Mein Fazit: Die Vermögenshöhen die man erreichen muss, um wirklich finanzielle Freiheit durch passives Einkommen zu erreichen, sind recht hoch. Viel Erfolg beim Sparen! P.S. Für die obigen Rechenbeispiele übernehme ich keine Gewähr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.