Frühzeitig Privatier werden und gesetzliche Rente – Handlungsoptionen und Denkanstöße

Ziel vieler Deutscher ist es, Mitte bis Ende Fünfzig in Rente zu gehen. Das reguläre Renteneintrittsalter für alle die ab dem Jahr 1964 geboren sind, beträgt jedoch 67 Jahre. Die gesetzliche Rente kann man frühestens mit 63 Jahren beantragen. Allerdings muss man dann für sein gesamtes restliches Leben mit einem Abschlag  von 14,4 Prozent leben. Hinzu kommt, dass in den Jahren des vorzeitigen Ruhestands keine Rentenpunkte mehr gesammelt werden.

Wie kann mit diesen Voraussetzungen und dem Wunsch nach einem früheren Leben als Ruheständler oder Privatier umgehen?

Ein alter Trugschluss

Immer wieder wird behauptet, dass die letzten Jahre vor der Rente besonders wichtig sind, d. h. besonders viele Rentenpunkte bringen. Richtig ist, dass die letzten Jahre vor Rentenanspruch nicht anders verrechnet werden als auch die vorherigen Beitragsjahre. Die Rentenhöhe berechnet sich nämlich aus allen rentenrechtlichen Zeiten, die bis zum Rentenbeginn zurückgelegt wurden. Vermutlich geht diese weit verbreitete Annahme auch auf das in Deutschland verbreitete Tarifmodell zurück, welches zumeist Gehaltsteigerungen nach steigenden Dienstjahren vorsieht.

Arbeitslosengeld I

Im ersten Jahr als Privatier steht einem Arbeitslosengeld I zu. Dies sollte man auf jeden Fall in Anspruch nehmen. Kündigt man selbst, muss man mit einer Sperrfrist durchs Arbeitsamt rechnen. Hast Du ein gutes Verhältnis zu Deinem Arbeitgeber ist es sicher möglich, einen Aufhebungsvertrag zu vereinbaren, der so formuliert ist, dass Du die Sperrfrist vermeidest. Das Arbeitsamt zahlt für diese Zeit auch in die Rentenversicherung ein, so dass noch ein Jahr lang neue Ansprüche generiert werden.

Arbeitslosengeld II

ALG II oder Hartz IV ist in meinem Denkmodell keine Option, da vorausgesetzt würde, dass man vorhandenes Vermögen verzehrt, Immobilien verkauft und die eigene Immobile nur eine begrenzte Größe haben darf.

Rentenanspruch erhalten

Nehmen wir an das man bis Ende 50 etwas Vermögen aufgebaut hat und zudem noch ein passives Einkommen generiert, dann würde ich empfehlen, eher keinen vorzeitigen Rentenantrag zu stellen, sondern vom Gesparten zu leben. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, Rentenabschläge durch Ausgleichszahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung zu kompensieren. Gestartet werden kann mit den Ausgleichszahlungen vom 55. Lebensjahr an.  Damit sammelt man weiter Beitragsjahre und, wenn auch in geringem Umfang, ein paar Rentenpunkte. Der Vorteil einer freiwilligen Beitragszahlung besteht darin, dass Du die Anzahl und die Höhe der Beiträge selbst festlegen kannst. Bei der Beitragshöhe ist zwischen dem monatlichen Mindestbeitrag von aktuell (2017) 84,15 € und dem monatlichen Höchstsatz von 1.187,45 € zu wählen. Die Zahlungsfrist für die freiwilligen Rentenbeiträge eines Jahres ist immer der 31. März des Folgejahres.

Kleiner Zuverdienst nach Renteneintritt

Sofern man sich entschließt mit 63 Jahren in Rente zu gehen, hat der gesetzlich Versicherte die Möglichkeit, bis zu 450 Euro pro Monat hinzuzuverdienen, ohne dass dies auf seine Rente angerechnet wird. Zwei Monate im Jahr dürfen auch bis zu 900 Euro verdient werden, ohne dass dies zu pauschalen Rentenkürzungen führt. Mit dem Erreichen der Regelaltersgrenze von 65 Jahren fällt die Hinzuverdienstgrenze weg – der Rentner kann so viel nebenbei arbeiten, wie er möchte – allerdings bei entsprechend höherer Steuerbelastung.

 

Mein Fazit: Der Beitrag soll Denkanstöße geben. Das Vorgehen muss immer individuell durchgerechnet werden. Wer über ein Leben als Ruheständler oder Privatier nachdenkt, sollte sich frühzeitig mit den Optionen auseinandersetzen. Die gesetzliche Rente ist da nur ein Aspekt.

 

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