Alles Bio! Sind Geldanlagen in Bio-Unternehmen sinnvoll?

Bio ist total im Kommen. Mit dem wachsenden Wohlstand in den großen Industriestaaten ist auch das Thema gesunde Ernährung und vernünftiger Umgang mit den natürlichen Ressourcen in den Fokus gerückt. Gerade in den Ballungsräumen ist Bio präsent. In Hamburg, München und Berlin machen sich diverse Bio-Ketten Konkurrenz. Auch für die private Geldanlage ist dieser Sektor sehr ernst zu nehmen und betrachtenswert.

Siehe auch den Artikel zum Thema: Social Impact Investments!

Lebensmittelbranche

Seit Jahren gewinnen Bio- und Fairtrade-Produkte insbesondere in der Nahrungsindustrie zunehmend an Bedeutung. Vor zehn Jahren betrug der Umsatz durch den Verkauf von Bio-Lebensmitteln 3,9 Milliarden Euro – 2015 waren es bereits 8,5 Milliarden Euro. Der Umsatz von Fairtrade-Produkten stieg kontinuierlich – Spitzenreiter sind dabei die Kernprodukte Kaffee, Bananen, Blumen und Kakao. Laut einer aktuellen Umfrage greift mittlerweile jeder zweite Deutsche zumindest gelegentlich zu Öko-Produkten und die große Mehrheit (79 Prozent) wäre auch durchaus bereit mehr für Bio-Produkte zu bezahlen.

Reine Bio-Fonds bzw. ETFs findet man leider nicht, aber einige nachhaltige Fonds, die zu einem Teil in Bio-Lebensmittelaktien investiert sind. Der GLS Bank Aktienfonds AK A beispielsweise, aber die Bio-Aktien machen nur einen geringen Teil des Fondsvermögens aus.

In Deutschland bietet sich der deutsche Tiefkühlkosthersteller Frosta als „Bio-Aktie“ an. Frosta profitiert von der Grundsatzentscheidung, in den Produkten keine Zusatzstoffe oder künstliche Aromen zu verwenden und im Internet die Herkunft sämtlicher Zutaten chargengenau offenzulegen. Ansonsten gibt es als deutsche Aktiengesellschaft das Agrar-Unternehmen KTG Agrar, das aber neben ökologischer Landwirtschaft auch herkömmlichen Ackerbau betreibt. Das Unternehmen betreibt außerdem Biogasanlagen, eine Tiefkühlkostfirma, mehrere Veredelungsbetriebe für Lebensmittel und Energieholzplantagen. Die KTG-Aktie kann sich bei weitem nicht mit den großen US-Konzernen messen, jedoch verheißt ein aktueller Brief an die Aktionäre gute Aussichten.

In Europa ist auch der irische Gemüse- und Obstproduzent Total Produce nach Meinung einiger Analysen moderat bewertet.  Daneben ist noch das niederländische Unternehmen Royal Wessanen (Biolebensmittelmarke Allos, Tartex) beachtenswert. Der ehemalig große Lebensmittel-Konzern schaffte alles ab, was nicht bio oder vegan ist oder zumindest fair gehandelt wird.

In Nordamerika ergeben sich deutlich mehr Anlagechancen als in Deutschland. Der kanadische Hersteller von ökologischen Lebensmitteln SunOpta betreibt Biosupermärkte in Nordamerika, stellt Öko-Produkte aber auch selbst her. Der Konzern deckt die ganze Lieferkette von der Ernte der Rohstoffe bis zum fertigen Produkt ab. SunOpta ist groß in vielen Dingen: In den USA Marktführer bei der Produktion von Bio-Soja. Zum Konzern gehört der Tradin, der weltgrößte Bio-Rohstoffhändler. Außerdem betreibt der Konzern eine eigene Recyclingsparte und bietet Umwelttechnologie an.  In den USA trifft „Bio“ auf den Geflügelproduzenten Sanderson Farms zu, der vom steigenden Geflügelkonsum in Amerika profitiert. Hinzu kommt die große Bio-Lebensmittelkette Whole Foods Market – Whole Foods Market ist eine alteingesessene Supermarktkette für ökologische und naturbelassene Lebensmittel. Mit über 440 Shops ist sie der Marktführer unter den Bio-Ketten -, die Firma United Natural Foods (Natur- und Bio-Lebensmittel) – United Natural Foods bringt Farmer und Bio-Supermärkte zusammen, liefert die Ware zum Beispiel an Whole Foods Market -, die Hain Celestial Group (Bio Lebensmittel und Körperpflege) sowie den nachhaltigen Kaffeeröster Keurig Green Mountain (voll und ganz auf Bio & Fair Trade; den Kaffee gibt es als Bohnenkaffee und gemahlen, oder auch portionsweise in Pads).

Eine prima Möglichkeit für Anleger bietet der Organic Food Index in dem die meisten der erwähnten Unternehmen enthalten sind.

Anbei sind alle genannten Papiere zusammengestellt.

Name WKN ISIN
Whole Food Market 886391 US9668371068
Keurig Green Mountain A1XFME US49271M1009
United Natural Foods 903615 US9111631035
Hain Celestial Group 908170 US4052171000
Wessanen A0J2RH NL0000395317
Frosta 606900 DE0006069008
Sandersons Farms 891971 US8000131040
Sun Opta 784556 CA8676EP1086
KTG Agrar A0DN1J DE000A0DN1J4
Total Prodduce A0LEN8 IE00B1HDWM43
GLS Bank Aktienfonds AK A A1W2CK DE000A1W2CK8
Solactive Organic Food Index Zertifikat DB6GQB DE000DB6GQB1

Alternative Anlageformen

Regionalwert AG hat sich dem Aufbau einer nachhaltigen Regionalwirtschaft rund um Freiburg verschrieben. Hier haben Sie die Möglichkeit über Bürgeraktien an dieser Idee mitzuwirken. Detaillierte Infos unter Regionalwert Bürgeraktie.

Die Mensch & Natur AG aus München hat sich zum Ziel gesetzt Ökologie, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit zu fördern. Sie haben die Möglichkeit über den sogenannten „Teezins“ gerechtere Produktionsweisen und den Schutz natürlicher Ressourcen mit einem Darlehen zu unterstützen. Sie erhalten Zinsen oder wahlweise Naturalien aus dem Shop von Mensch und Natur (Teezins).

Des Weiteren gibt es diverse Angebote sich über Genussrechte an Bio-Projekten zu beteiligen. Genussrechte sind in der Regel Beteiligungen am Erfolg eines Unternehmens, man hat jedoch im Allgemeinen kein Stimmrecht und meist sehr schlechte Karten bei Insolvenzen. Also nur für den interessant, der die gute Sache – ohne ernsthafte Anlegerinteressen – unterstützen will. Verschiedene Angebote dieser Art finden sie unter Genussrechte.org (Genussrechte Beispiele). Aber Vorsicht: Sie tragen vergleichbare Risiken, wie seinerzeit die Prokon-Anleger (Windenenergie).

 

Biokraftstoffe

Vor etwa zehn Jahren propagierten überzeugte Umwelt-Aktivisten das zeitnahe Aus der als Klima-Killer geltenden konventionellen Benzin- und Diesel-Motor. Stattdessen sollten die Fahrzeuge der Zukunft Ethanol oder Bio-Diesel tanken. Bislang ist diese Hoffnung allerdings nicht eingetreten. Da die Biosprit-Hersteller durch die Flächenkonkurrenz zum Nahrungsmittelanbau in der Landwirtschaft zunehmend in die Kritik geraten, drängen sich Aktien von Firmen die ihre Geld mit Bio-Kraftstoffen verdienen eher nicht auf; es bestehen „politische“ Risiken für den Erfolg der Geschäftsmodelle.

In Deutschland stellt die Firma Verbio aus Zörbig Biokraftstoffe her. Aktuell wurde die Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2015/2016 nach oben korrigiert. Der amerikanische Hersteller ADM (Archer Daniels Midland Company) mit Sitz in Chicago betreibt neben der Getreideproduktion auch die Herstellung von Biodiesel und besitzt u. a. ein Werk in Hamburg. Lange Zeit als Lebensmittelfirma bekannt, verlagert ADM sein Geschäft in jüngerer Zeit zunehmend in den Bereich der Kraftstoffproduktion.  Schwerpunkte dieses stark wachsenden Bereichs sind Ethanol und Biodiesel.

Die Firma HSBC Trinkaus bietet ein Zertifikat auf einen Basket (Korb) auf 13 Aktien aus dem Bereich Biokraftstoffe an. Ähnliche Angebote gibt es auch von anderen Banken. Anbei der Überblick zu den erwähnten Papieren.

Name WKN ISIN
Verbio 886391 US9668371068
ADM 854161 US0394831020
Basket-Zertifikat HSBC Trinkhaus & Burkhardt TB0D2B DE000TB0D2B3

 

Biokosmetik

Der Markt für Naturkosmetik wir auf ein Volulem von etwa 800 Millionen Euro geschätzt. Verglichen mit dem Gesamtmarkt für Kosmetik, der mit 12 Milliarden Euro beziffert, wirkt diese Zahl zwar bescheiden. Aber die Wachstumsraten der Naturkosmetik gegenüber der herkömmlichen Kosmetik sind deutlich höher.

Marktführer in Deutschland ist die Schweizer Firma Weleda, deren Aktien auch börsennotiert sind. Anteile an der Nummer zwei im Biokosmetikmarkt der Wala Heilmittel mit der bekannten Marke „Dr. Hauschka“ und der Nummer 3, der Laverana GmbH & Co. KG mit gleichlautenden Marke, sind leider nicht für Anleger erwerbbar, da beide Unternehmen nicht börsennotiert sind.

Bleibt noch die Hain Celestial Group aus den USA, die neben Biolebensmitteln auch Naturkosmetik anbietet.

Name WKN ISIN
Weleda 908429 CH0004960180
Hain Celestial Group 908170 US4052171000

 

Mein Fazit: Aufgrund der Trends zu Nachhaltigkeit, gesundem Leben und bewusster Ernährung und der Bereitschaft hierfür auch mehr Geld auszugeben, ist der Bereich „Bio“ ein extrem spannender Anlagesektor. Von den dargestellten Investitionsmöglichkeiten sollte man sich auf den breiten Bereich der Biolebensmittel-Aktien konzentrieren. Zur breiten Streuung könnte ein Indexzertifikat auf den Organic Food Index ein sinnvolles Anlagemittel sein.


2 Replies to “Alles Bio! Sind Geldanlagen in Bio-Unternehmen sinnvoll?”

  1. Danke für diesen Bericht.
    Bin schon länger und bisher erfolgreich in Wessanen investiert und habe schon länger das Gefühl, dass da „noch mehr“ sein kann.
    Da sind ja viele Firmen, die man sich mal ansehen sollte.
    Danke und Gruss

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.