Geld verdienen mit Fussball? Können Privatanleger vom Fussball-Boom profitieren?




Fussball boomt und ist mittlerweile ein ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor. Parallel stellen sich die Vereine immer professioneller auf. Gerade wurden von der Deutschen Fussballliga (DFL) beeindruckende Zahlen vorlegt: Die 36 Profivereine setzten in der Saison 2014/2015 zusammen 3 Milliarden Euro um (176 Mio Euro über der Vorsaison), stehen für 50.000 Arbeitsplätze und zahlen 980 Millionen Euro Steuern. Logische Schlußfolgerung: Fussball sollte auch für die private Geldanlage interessant sein!

Fussball-Aktien

Als erster Verein in Europa ging der Londoner Club Tottenham Hotspur 1983 an die Börse. Hier spielte in den 90er Jahren Jürgen Klinsmann zwei Saisons. In Summe sank der Kurs über die Jahre und die Börsennotierung wurde eher hinderlich. Daher nahm Tottenham seine Aktien 2012 aus dem Handel.

In Europa können sich Anleger und Fans an 22 Fussballvereinen beteiligen.Ob Fußballvereine überhaupt an die Börse dürfen, bestimmen die nationalen Verbände. In Deutschland darf ein Bundesligateam als AG aus dem Sportverein ausgegliedert werden. Der Verein muss aber weiter 50 Prozent der Stimmrechte plus einen weiteren Anteil besitzen.

Besonders attraktiv sind an der Börse Vereine, die junge Spieler ausbilden und mit ihnen später hohe Transfereinnahmen erzielen. Der dänische Club Brøndby Kopenhagen gilt als vorbildlicher Ausbildungsclub, auch Ajax Amsterdam baut immer wieder tolle Jugendspieler auf. Objektiv muss man feststellen, dass der Aktienkurs fast aller Vereine über einen längeren Zeitraum betrachtet gesunken ist. Dies lässt sich unter anderem an der Entwicklung des Stoxx Europe Football Index ablesen. Dort sind alle börsennotierten europäischen und türkischen Fußballclubs zusammengefasst. Von den Höchstständen im Juni 2007 hat sich der Index mehr als halbiert. Studien zeigen, dass der Anteil der Fans höher ist, als der Anteil derjenigen, die solche Aktien aus „normaler“ Anlegersicht halten.

Borussia Dortmund ist seinerzeit für 11 € an die Börse gegangen; heute liegt der Kurs unter 4 €.

Durch die immer weiter steigenden Fernseh- und Werbeeinnahmen steigen die Umsätze der Vereine koninuierlich. Die größten Fußballvereine haben 2015 teilweise gewaltige Umsatzsprünge verzeichnet. Die deutschen Vereine haben noch Luft nach oben. Bayern München ist aufgrund des Ausscheidens im Halbfinale der Champions League im Ranking nach unten „abgerutscht“, wie das Deloitte-Ranking für 2015 zeigt:

1. Real Madrid 577 Mio €
2. FC Barcelona 560 Mio €
3. Manchester United 519 Mio €
4. Paris Saint Germain 481 Mio €
5. Bayern München 474 Mio €
11. Borussia Dortmund 281 Mio €
13. FC Schalke 04 220 Mio €

Fußballvereine sind keine normalen Unternehmen, deren Bestreben es ist, in erster Linie wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Bei Fußballvereinen muss immer zwischen sportlichem und wirtschaftlichem Erfolg abgewogen werden. Hier einige Anlagemöglichkeiten für Fans:

Name WKN ISIN
 Borussia Dortmund 549309  DE0005493092
 MANCHESTER UNITED PLC G5784H106  KYG5784H1065
AFC Ajax A0H0RS  NL0000018034
STXE FOOTBALL INDEX 530087  CH0013549974

Mein Fazit: Fussball-Aktien sind nichts für Privatanleger. Neben der wirtschaftlichen Führung der Vereine hängt der Erfolg massiv von Zufällen und nicht beherrbaren Einflüßen ab. So können Regeländerungen die die Finanzierung von Fußballvereinen betreffen, zu kurzfristigen Veränderungen der Rahmenbedingungen führen. Der beste Torschütze der Saison kann durch eine Verletzung für Monate ausfallen. Ein Gegentor in der letzten Spielminute oder ein nicht gegebener Elfmeter kann die Teilnahme an der Champions-League und so Millioneneinnahmen kosten. In diesem Wissen ist eine Anlage für den Fan mit Leidenschaft für „seinen“ Verein, aber nicht für den vernünftigen Vermögensaufbau empfehlenswert.

 

Fussball-Anleihen

Fananleihen sind die verzinste Schuldverschreibung eines Sportvereins. Zielgruppe für den Kauf sind vor allem die Anhänger des Clubs. Oft werden die Papiere zu Beträgen ausgegeben, die an vereinshistorisch wichtige Daten erinnern, manchmal sind sie künstlerisch gestaltet. Die Laufzeit beträgt meist zwischen fünf und sieben Jahren, die Verzinsung liegt auf dem Niveau von Unternehmensanleihen mit mäßiger Bonität.

Mit den Fananleihen haben die deutschen Fußballvereine im Jahr 2004 ein neues Mittel entdeckt, an Geld zu kommen. Damals legte Hertha BSC Berlin als erster Club eine Fananleihe auf und nahm 6 Millionen Euro ein. Insgesamt zehn deutsche Fußballvereine, darunter der 1. FC Nürnberg, St. Pauli und Schalke 04, haben von ihren Anhängern seither mehr als 70 Millionen Euro zur Verfügung gestellt bekommen. Es ist bisher zu keinem Ausfall bei einer Fussball-Anleihe gekommen, da ggf. die jeweilige Heimatstadt des Vereins eingesprungen ist. Allerdings sind alle Anleihen im hohen Risikobereich anzusiedeln.

Hier einige Anleihen, die von beliebten deutschen Vereinen herausgegeben wurden:

Name WKN ISIN
Fussballclub Gelsenkirchen-Schalke 04 eV bis 11.07.2019

A1ML4T

DE000A1ML4T7

Hertha BSC GmbH & Co. KGaA bis 15.11.2016 A1EWTF DE000A1EWTF1
1. FC. Kaiserslautern e.V. bis 2019 A1RE7F DE000A1RE7F3
FC St. Pauli 2011 bis 2018 A1MA21 DE000A1MA219
1. FC Köln GmbH & Co. KGaA 2012 bis 2017  A1PG1A  DE000A1PG1A7

Fans sind als Käufer für diese Anleihen recht gut geeignet, da der Ärger über eventuelle Verluste im Zweifel durch die Liebe zum Verein aufgewogen wird.

Mein Fazit: Die Anleihen von Fussballvereinen sind planbarer und sicherer als Fussballaktien. Trotzdem ist die Verzinsung mäßig und das Risiko hoch. Nur etwas für Fans, nicht für den Privatanleger zum Vermögensaufbau.

Beteiligungsfonds

Der Vollständigkeit halber sei noch die Möglichkeit von Beteiligungsfonds erwähnt. Die meisten Beteiligungsfonds, die Spieler von Argentinien und Brasilien nach Portugal und Spanien holen, sind für Privatanleger geschlossen. Diese Fonds investieren in Transferrechte für junge Talente und verdienen dann bei Transfers mit.

In Deutschland versucht das Hanseatischen Fußball Kontors aus Schwerin dieses Geschäftsmodell. Das Management arbeitet bei der Suche nach aussichtsreichen Spielern mit dem früheren HSV-Profi Harald Spörl zusammen und prüft abschließend, ob es eine Karriereentwicklung für den jeweiligen Spieler geben kann.
Im Moment ist die Anlage alledings nicht durch die Bundesfinanzaufsicht (BAFIN) freigegeben.


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