Ich liebe mein Holz! Geldanlage in Wald und Holz.

Investments in Wälder und Holz klingen begeisternd. Etwas Gutes tun, Nachhaltigkeit fördern und damit noch Geld verdienen? Perfekt!

Etwa 30 Prozent der weltweiten Landfläche ist Wald. Tendenz fallend. Holz wird hauptsächlich zum Bauen, Heizen, zur Papierherstellung und für deine Amazon-Päckchen verwendet. Die Nachfrage nach Holz ist sehr groß und soll die nächsten Jahre weiter steigen, vor allem in den Entwicklungsländern. Laut Prognosen soll alleine in China der Holzverbrauch bis zum Jahr 2050 um über 50% steigen. Folge: Die Holzpreise steigen. Der Holz-Index „CREIF Timberland-Index“ ist seit 1987 jährlich im Durchschnitt circa 10% gestiegen.

Wie kann der Privatanleger in Holz investieren?

Direktanlage in Wald

Der direkte Weg wäre der Kauf von Waldflächen und der Einstieg in das Waldbesitzer-Geschäft. Wer es jedoch halbwegs professionell und gewinnbringend angehen will, sollte den Arbeitsaufwand, den ein eigener Waldbetrieb mit sich bringt, nicht unterschätzen. Neben der eigentlichen Waldarbeit sind auch viele gesetzliche Vorschriften zu respektieren. Dazu wären Fachkenntnisse sicherlich wünschenswert. Als Eigentümer trägt man natürlich alle Risiken 1:1. Nur für gelernte Forstwirte zu empfehlen.

Geschlossene Fonds

Über diese Beteiligungen kauft man meist indirekt im Ausland Bäume bzw. Baumsetzlinge. Man kann für mehrere Tausend Euro Bäume ohne Grundstück in einem Regenwald Mittel- und Südamerikas kaufen. Dort wachsen die Bäume auch schneller als zum Beispiel hier in Deutschland. Die Rendite bekommt man meist erst, wenn die Bäume gefällt und verkauft sind (und nicht jedes Jahr). Und das passiert frühestens nach 20 Jahren oder später. Bei manchen Holzinvestment sind jedoch schon frühere Auszahlungen versprochen, beispielsweise nach 10 Jahren. Beim Sichten der Angebote ist bei mir kein Vertrauen entstanden. Weitere Haken wenn man in geschlossene Fonds investiert: Das Geld ist fest; man kommt also während der Laufzeit nicht an das Geld ran. Ggf. für risikofreudige Anleger zu empfehlen, da zum Teil hohe Renditen erzielbar sein sollen.

Holz-Zertifikate

Holz-Zertifikate setzen sich ähnlich zusammen wie offene Holz-Fonds (siehe unten). Aber wie bei allen Zertifikaten (nicht nur bei Holz) muss man das Emittentenrisiko beachten. Wenn der Zertifikate-Herausgeber insolvent wird, dann droht ein Totalverlust. Ich wüsste nicht, warum ich ein Zertifikat vermögensgesicherten Fonds vorziehen sollte.

Fonds

Zeit etwas konkreter zu werden. Auf der Fondliste gibt es den Schweizer Fond PICTET-TIMBER. Er investiert in Aktien von Gesellschaften , die in der Finanzierung, der Anpflanzung und Verwaltung von Wäldern und Waldflächen und/oder der Herstellung, Be- und Verarbeitung sowie dem Vertrieb von Bauholz und anderen von Holz abgeleiteten Produkten und Dienstleistungen tätig sind. Unschön sind unzeitgemäße fünf Prozent Ausgabeaufschlag. Für Freunde von ETF ist der ISHARES GLOBAL TIMBER & FORESTRY zu empfehlen. Der ETF bildet weitestgehend den S&P Global Timber & Forestry Index nach. Was mir bei beiden Fonds nicht gefällt ist eine starke US-Lastigkeit, beim Pictet noch stärker als bei ishares-ETF.

Einzelne Holzaktien

Bei Aktien gibt es diverse nette Anlagemöglichkeiten.

Bei Aktieninvestments mit Schwerpunkt Holz kommt man zwangsläufig auf den US-Konzern Weyerhaeuser. Das im S&P 500 gelistete Unternehmen ist ein Branchenriese und zugleich einer der größten privaten Landeigentümer in den USA. Der bewirtschaftete Wald erstreckt sich auf die USA und Kanada und umfasst eine Fläche von fast 100.000 Quadratkilometer, davon befindet sich die Hälfte etwa in den USA und direkt im Eigentum des Konzerns. Die Flächen in Kanada sind durch langfristige Verträge vom Staat gepachtet. Neben dem eigentlichen Holzanbau ist der Konzern auch in der Holzverarbeitung tätig, sei es als Baustoff oder Energieträger in Form von Pellets oder Biokraftstoffen. Zudem engagiert sich das Unternehmen im Immobiliengeschäft und als Projektentwickler. Die Finanzkennzahlen von Weyerhaeuser findet ich nicht berauschend.

Die US-amerikanische Rayonier produziert Bauholz und Zellstoffe und setzt dafür auf eigene Wälder, die sie in Nordamerika und Neuseeland unterhält. West Fraser Timber aus Kanada ist praktisch entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Holz unterwegs. Das KGV ist günstig, die Dividende mäßig.

Die Masco Corporation ist ein Hersteller von Produkten für den Heimwerkermarkt und für den Neubau von Eigenheimen. Die Masco-Unternehmensgruppe umfasst mehr als 20 Unternehmen und betreibt fast 60 Produktionsstätten in den Vereinigten Staaten und über 20 in anderen Teilen der Welt. Western Forest Products ist ein kanadisches Holzunternehmen mit Sitz in Vancouver, British Columbia, Kanada. Im Vergleich zu den Wettbewerber ein eher kleines Unternehmen mit gut einer Milliarde (kanadische Dollar) Umsatz.

Kleiner Haken für Waldfreunde: Mit den nordamerikanischen Aktien holst du dir neben dem allgemeinen Kursrisiko auch ein Währungsrisiko ins Depot.

Neben zahlreichen weiteren US-amerikanischen und kanadischen Unternehmen geht der Blick beim Thema Holzindustrie nach Skandinavien. Hinter dem schwedischen Konzern Svenska Cellulosa verbirgt sich aber nicht nur ein Riese im europäischen Holzanbau, sondern auch gleichzeitig einer der größten Papier- und Zellstoffhersteller der Welt. SCA besitzt mit 26.000 Quadratkilometer Wald rund 6 Prozent der Fläche Schwedens und ist damit der größte private Landeigentümer Europas. Es werden Papier, Zellstoff und Pellets erzeugt. Die Finanzkennzahlen sehen recht gut aus.

Nicht weniger spannend ist der Wettbewerber Stora Enso. Der finnisch-schwedische Konzern ist gemessen an der Produktionskapazität das zweitgrößte Forstunternehmen der Welt sowie einer der größten Papier- und Verpackungsmittelhersteller. Das Unternehmen beschäftigt Mitarbeiter in mehr als 40 Ländern auf fünf Kontinenten und verfügt über eine Produktionskapazität von 13,1 Millionen Tonnen Papier und Karton sowie 7,5 Millionen Kubikmetern Schnittholzprodukten, von denen 3,2 Millionen Kubikmeter intern weiterverarbeitet werden. Gut aufgestelltes Unternehmen, mit vernünftigen Zahlen und niedrigem Kurs-Gewinn-Verhältnis.

Um die großen skandinavische Unternehmen zu komplettieren, muss unbedingt noch der finnische Holz- und Papierkonzern UPM-Kymmene erwähnt werden. Mit 6.500 Quadratkilometer Naturwald in Finnland und 2.600 Quadratkilometer Plantagenwald in Uruguay ist das Unternehmen aus Helsinki der flächenmäßig kleinste der drei großen Nordeuropäer. UPM betreibt auch sechs Produktionsstandorte in Deutschland. Umsatzseitig ein Schwergewicht, tolle Dividendenrendite und günstiges KGV.

Die finnische Ponsse zum Beispiel hat zwar keine eigenen Wälder, stellt jedoch Maschinen her, mit der Bäume geerntet, bearbeitet und verladen werden können. Ponsse wächst seit Jahren kontinuierlich in Umsatz und Gewinn.

Gibt es auch Risiken?

Natürlich gibt es waldtypische Risiken, wie Schädlingsbefall, Naturkatastrophen, Trockenheit etc. Dazu kommen allgemeine Anlagerisiken, wie Wechselkurse und politische Unruhen.

Überblick über Holz-Investments

Anbei alle genannten Papiere in der Übersicht:

NameISINKlasseLand
PonsseFI0009005078AktieFinnland
RayonierRayonierAktieUSA
UPM-KymmeneFI0009005987AktieFinnland
West Fraser TimberCA9528451052AktieKanada
WeyerhaeuserUS9621661043AktieUSA
Masco Corp.US5745991068AktieUSA
Western Forest Products IncCA9582112038AktieKanada
Stora EnsoFI0009005961AktieFinnland
Svenska CellulosaSE0000112724AktieSchweden
Pictet - Timber - P EUR LU0340559557FondWelt, viel Nordamerika
iShares Global Timber & ForestryDE000A0NA0H3 ETFWelt, viel Nordamerika

Meine Favoriten sind die Nordlichter: UPM-Kymmene, Stora Enso, Svenska Cellulosa. Zur Risikostreuung für Privatanleger ist auch der ISHARES GLOBAL TIMBER & FORESTRY eine Alternative.

 

Mein Fazit: Das Anlegerthema Wald & Holz ist spannend und chancenreich. Die Aktien der Unternehmen sind teilweise zu günstigen Kurs-Gewinn-Verhältnissen zu haben. Die langfristigen Perspektiven sind sehr positiv einzuschätzen. Dazu nachhaltig und gut fürs grüne Gewissen!

4 Replies to “Ich liebe mein Holz! Geldanlage in Wald und Holz.”

  1. Vielen Dank für den ausführlichen Artikel. Ich selbst kann mich Markus nur anschließen. Ein Wald als Anlage bedarf sehr viel Fingerspitzengefühl. Da wäre zum einen der hohen Aufwand zu nennen und zum anderen, die Schwankungen bei den Holzpreisen. Nicht zu vergessen sind mögliche Sturmschäden, welche ebenfalls immer mit einkalkuliert werden müssen.

    Viele Grüße
    Robert

  2. Vielen Dank für den ausführlichen Artikel.

    Ich kann aus eigener Erfahrung vom Waldbesitz berichten und sagen, dass man sich diesen Schritt gut überlegen sollte. Auf der einen Seite hat man sehr viel Arbeit mit dem Wald (aufforsten, Jungwuchspflege, Sturmschäden,…) und auf der anderen Seite ist man extrem von den Holzpreisen abhängig (zur Zeit sieht die Lage hier katastrophal aus). Auch der Klimawandel stellt die Forstwirtschaft vor große Herausforderungen.

    Dieser Punkt hat meiner Meinung nach auch Auswirkungen auf Holzaktien. Unternehmen die nicht oder nicht ausreichend auf die anstehenden Veränderungen reagieren, werden arge Schwierigkeiten bekommen. Dies ist in meinen Augen die größte Unbekannte in diesem Feld.

  3. Vielen Dank für deinen Artikel, der mir persönlich sehr gut gefällt. Ich selbst habe mir in letzter Zeit auch die „Holz-Aktien“ angeschaut und bin hauptsächlich bei Weyerhäuser hängen geblieben. Kannst du mir sagen, was dir an den Bilanz-Kennzahlen nicht gefällt?
    Im letzten Quartal wurde ein Verlust gemacht, das liegt allerdings daran, dass dies einen einmaligen Grund zur Übernahme von Pensionsforderungen hat. Für die restlichen Quartale sollten allerdings wieder ein positives Ergebnis erwirtschaftet werden. Kann natürlich auch sein, dass ich hier etwas überlesen habe, daher meine Frage. Danke dir und viele Grüße Chris

    1. Hallo Chris,
      danke für deinen Kommentar. Leider komme ich erst heute zum Anworten.
      Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnaussichten 2019 und 2020 liegt über 30. Andere „Holzwerte“ sind derzeit im einstelligen Bereich. Zudem schüttet das Unternehmen eine Dividende von 1,32 $ aus, erzielt jedoch einen Gewinn von etwa 1 $ je Aktie. Die Liquidität verschlechtert sich.
      Die Firma sieht jetzt nicht total schlecht aus, aber ich finde in der Branche gibt es bessere Alternativen. Subjektiv kommt hinzu, dass ich aktuell amerikanische Aktien meide. UPM-Kymmene und Stora Enso habe ich im Depot.

      Grüße vom Anleger

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