Irland im Aufwind – Chancen für die private Geldanlage?




Da ich kürzlich in Irland war und mir einen Einblick verschaffen konnte, nehme ich dies zum Anlass die Anlagechancen ein wenig zu beleuchten.

Börse honoriert den Aufschwung

Nach dem Totalabsturz von 2008 / 2009 herrscht wieder Aufbruchstimmung. Der 20 Werte umfassende irische  ISEQ 20-Index (WKN A0C31C) weist einen ähnlichen Kursverlauf auf wie andere Märkte. Keine Selbstverständlichkeit angesichts des schwierigen Weges, den Irland hinter sich hat. Viel beachtet wird auch auch noch der breiter gefasste ISEQ-Overall-Index (WKN 965691), der aktuell 47 Werte umfasst.

In Irland lief schon das vergangene Jahr hervorragend. Um 4,8 Prozent legte das Bruttoinlandsprodukt  dort zu. Der MSCI (Morgan Stanley Capital International) Irland war 2015 weltweit der viertbeste Aktienmarkt. Der Zuwachs lag bei rund 28 Prozent. Sorgenkinder waren während der Krise, wie überall in Europa, vor allem die Banken. Die beiden großen Häuser des Landes, die Allied Irish Bank und die Bank of Ireland, sind aktuell jedoch wieder auf dem Weg der Besserung – ein Zeichen, dass es bergauf geht. Die Bank of Ireland gehört heute noch zu 14 Prozent dem irischen Staat und ist damit im Vergleich relativ gut weggekommen. Das im ISEQ-20-Index notierte Institut zählt auch wieder eine Dividende. Gehandelt wird die Aktie der Bank übrigens auch auf Xetra und an der Londoner Börse.

Allied Irish, eigentlich die Nummer eins in Irland mit rund 2,6 Millionen Privat- und Geschäftskunden, gehört weiter fast komplett dem irischen Staat. Der Anteil liegt  bei 99,8 Prozent. Die jüngsten Zahlen deuten aber eindeutig nach oben. Deshalb ist damit zu rechnen, dass der Staat seine Beteiligung zurückfahren wird.

Statistik: Euro-Zone: Vergleich von Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Staatsverschuldung in ausgewählten Mitgliedsstaaten im Jahr 2015 (in Milliarden Euro) | Statista

Wachstum in Irland

Die irische Wirtschaft soll laut EU-Kommission 2016 EU-weit am dynamischsten wachsen, so die Brüsseler Kommission. Dies eröffnet viele Geschäftschancen, denn die Importe sollen 2016 um 7,7% und somit noch stärker steigen als das Bruttoinlandsprodukt insgesamt (+4,5%). Zudem waren das Preisniveau und auch die Wirtschaftsleistung pro Kopf auf der grünen Insel bereits 2014 deutlich höher als etwa in Deutschland, trotz der starken Rezession von 2008 bis 2009.

Das Wachstum findet viel in neuen Start-Up-Unternehmen der IT-Branche oder im Pharmabereich statt. Eine Herausforderung ist, dass die Jobs nicht für jedermann geeignet sind. Diese werden oft durch spezialisierte Bewerber aus anderen Ländern besetzt. Gelockt werden die Firmen in den neuen Büroparks unter anderem mit einem anhaltend konkurrenzlos günstigen Gewerbesteuersatz von nur 12,5 Prozent. Kritiker sprechen von Steuer-Dumping, auch die Finanzminister in anderen europäischen Hauptstädten sind schon seit Jahren wenig begeistert.

Im Ergebnis dieser Entwicklung steigt auch die Zahl der Auswanderer wieder an. Ein Phänomen, mit dem die Iren in ihrer wechselhaften Geschichte zwar immer schon zu kämpfen hatten.

Die größten Börsenwerte

Die Kerry Group ist Irlands führender Hersteller und Anbieter von Lebensmittelzutaten für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie .  Der Umsatz verteilt sich geographisch wie folgt: Europa / Mittlerer Osten / Afrika (53%), Amerika (33 %). Die Firma hat die Dividende in den letzten 25 Jahren regelmäßig angehoben.

Der 1961 in Mullingar in der irischen Provinz Leinster geborene Michael O’Leary hat es heute geschafft, die einst defizitäre Fluglinie Ryanair zur drittgrößten Fluggesellschaft Europas zu machen (hinter Lufthansa und Air France/KLM). Seine Karriere startete O’Leary, als er 1988 als Assistent des Firmengründers Tony Ryan eingestellt wurde. O’Leary die Billigfluglinie konsequent aus und nahm sich dabei die US-Fluglinie Southwest zum Vorbild. Anders als viele andere Linien bevorzugt Ryaniar nur einen Flugzeugtyp und hat dadurch geringere Wartungskosten. Zudem fliegt man etwas abgelegenere Flugplätze an und verzichtet ansonsten auf jeden Schnörkel. Der Ryanair-Aktie tut das ausgesprochen gut. Ihr Kurs steigt seit Jahren. Grund für den zuletzt erfolgten Anstieg waren die hervorragenden Ergebnisse im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2015/16. Die Umsätze zogen um 14 Prozent auf 4,04 Milliarden und der Nettogewinn im Halbjahr um 37 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro an. M. E. ist bei der Aktie in einem so schwer umkämpften Markt die Luft raus.

Smurfit Kappa mit Hauptsitz in Irland ist einer der führenden Anbieter von papierbasierten Verpackungslösungen. Smurfit Kappa ist in Europa der unangefochtene Marktführer bei papierbasierten Verpackungslösungen, einer mit über 150 kleinen Wellpapierrohpapierherstellern fragmentierten Branche. Zu seinen größten Kunden gehören Konsumgüterhersteller, Lebensmittelproduzenten eingeschlossen. Wegen der Transportkosten sollte die Kartonproduktion möglichst nah am Kunden lokalisiert sein. Die Übernahme stärker lokal gebundener kleinerer Hersteller ist vor diesem Hintergrund eine sinnvolle Strategie, von der Smurfit Kappa zunehmend profitieren dürfte. Sehr interessante Aktie.

Deutlich erholen konnte sich die Bank of Irland (WKN 853701). Die Bank hat jetzt angekündigt, ab 2017 wieder eine Dividende zahlen zu wollen. Die Bank ist sehr aktiv im britischen Hypothekengeschäft und profitiert davon. 2014 wurden erstmals wieder schwarze Zahlen geschrieben. Aktuell hält der Staat 14 Prozent der Aktien. Bei steigenden Kursen droht der Ausstieg des irischen Staats. Eher kein Kauf für Privatanleger.

Cement Roadstone Holding plc – CRH plc -ist ein weltweit operierender irischer Baustoffhersteller. Zum Kerngeschäft von CRH plc gehören die Bereiche Rohstoffproduktion, Herstellung von Produkten für die Bauindustrie sowie die Vermarktung spezieller Baustoffe. Das Unternehmen ist in allen Sektoren der Bauindustrie vertreten, von Infrastruktur über Neu-, Wohn- und Geschäftsgebäuden bis hin zur Wartung, Reparatur und Renovierung der Objekte. Zum Produktangebot gehören neben Kies, Zement, Asphalt und Fertigbeton auch vorgegossene Formen und Betonprodukte wie Ziegel, Blöcke und Pflastersteine, außerdem Ton und Glas sowie Zaun-, Markisen- und Rollladensysteme.

Eine Geheimtipp ist die in den letzten Jahren stark gewachsene Jazz Pharmaceuticals. Die Jazz Pharmaceuticals PLC Aktie wird unter der ISIN IE00B4Q5ZN47 an den Börsen Frankfurt, Stuttgart, Berlin-Bremen, NASDAQ, Bats, Tradegate und Lang & Schwarz gehandelt.

In den irischen Aktienmarkt können Sie am einfachsten mit dem ISEQ 20 ETF investieren (ISIN: IE00B03TF647).

Mein Fazit: Irland ist m. E. eine der aussichtsreichsten europäischen Wirtschaften. Der ISEQ 20 ETF als Beimischung im Depot ist einen Blick wert.





 

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