Mit Short ETFs durch die Krise?

Die großen Aktienmärkte befinden sich im Höhenflug. Kurs-Gewinn-Verhältnisse erreichen unrealistische Werte, Aktienrückkäufe durch Unternehmen nehmen gewaltige Umfänge an. Die Kurskorrektur liegt vor uns. Wie kommt man durch diese Phase? Eine Möglichkeit sind Short ETFs. Was ist das und wie funktionieren sie?

Short ETF

Bei herkömmlichen ETFs investiert der Anleger in einen Fonds, der die Wertentwicklung eines bestimmten Index abbildet. Short ETFs zeichnen sich dadurch aus, dass der ETF die Wertentwicklung eines Index umgekehrt oder invers nachbildet. Nehmen wir als Beispiel den MDAX bzw. den entsprechenden ETF. Fällt der MDAX, so wird der ETF auf den ShortMDAX das Gegenteil tun. Er legt zu. Steigt der MDAX wieder, so verhält es sich natürlich umgekehrt: Der ShortMDAX fällt. Da Börsenkurse langfristig eher zulegen als fallen, sind Short ETFs unabhängig von dem nachgebildeten Index für die Langfristanlege eher ungeeignet. Daher ist es kaum sinnvoll, Short-ETFs in Sparplänen einzusetzen. Bei allen Fonds, die ich mir angeschaut habe, werden die Erträge wie bei anderen Short-Produkten thesauriert.

Short ETFs haben eine zweite wesentliche Spezifik. Short ETFs unterliegen einer Pfadabhängigkeit. Damit ist gemeint, dass der inverse Effekt nur von Schlusskurs auf Schlusskurs gilt. Wird der Zeitraum länger, so kann es zu Abweichungen kommen. Nehmen wir einen „normalen“ oder „Long“-ETF, der einen Index nachbildet. Und dazu den passenden Short-ETF. Beide ETFs starten mit einem Wert von 100. Im Laufe des folgenden Tages steigt der Index um 2 Prozent auf 102. Damit steigt auch der Long-ETF auf einen Wert von 102, während der Short-ETF um 2 Prozent auf 98 sinkt. Am nächsten Tag fällt der Index wieder auf 100 zurück. Dies entspricht einem Rückgang von 1,96 Prozent, denn der Kurs kommt von 102. Was passiert nun bei dem Short-ETF? Er wird steigen. Und zwar genau um den Prozentsatz, um den der Index fällt. Allerdings war der Short-ETF zuvor auf 98 gefallen. Und steigt jetzt um 1,96 Prozent auf 99,92. Es kommt also zu einer Abweichung, die sich mit der Länge des Betrachtungszeitraums erhöhen oder auch verringern kann.

Hast Du eine klare Meinung zur Entwicklung der Kapitalmärkte, dann erlauben es Short-ETFs, gezielt auf fallende Indizes zu setzen oder auch dein bestehendes Portfolio abzusichern wollen. Aber Vorsicht: Wegen der zuvor genannten Pfadabhängigkeit wird es nie eine 1:1-Absicherung sein können.

Anlagemöglichkeiten

Es gibt einige Short ETFs, längst aber nicht so viele, wie herkömmliche Fonds.

Der S&P 500 Total Return Short Index ist ein invers an die Wertentwicklung des Blue Chip-Index S&P 500 TR Index gekoppelter Index. Eine positive Veränderung des S&P 500 TR Index führt zu einer negativen Veränderung gleichen Ausmaßes in dem Index. Hier kann man beispielsweise in den db x-trackers S&P 500 (WKN: DBX1AC) investieren. Der Fond hat ein Volumen von etwa 290 Millionen Euro und eine Verwaltungsgebühr von 0,5 Prozent.

Der ProShares Short QQQ ETF (ISIN: US74347B7148) wird an der New Yorker Börse „NYSE“ in US-Dollar gehandelt. Die Gesamtkostenquote des Fonds beträgt 1,02 Prozent. Der Short-ETF von Proshares hat eine ungehebelte inverse Verbindung mit seinem Referenzmarkt, dem NASDAQ100, also dem Index der Technologieaktien. Man bezeichnet diese ungehebelte Variante auch als „Faktor 1“.

Der AMUNDI ETF SHORT MSCI USA (WKN: A0X9PC) versucht die Entwicklung des MSCI USA Short Daily strategy Index so getreu wie möglich nachzubilden. Der Fonds hat aktuell ein Volumen von 221 Mio Euro. Die Gesamtkostenquote wird 0,35 Prozent angegeben.

Der db x-trackers – ShortDAX Daily UCITS ETF (WKN: DBX1DS) bildet die tägliche Entwicklung des deutschen Leitindex invers ab. Das bedeutet: Wenn der DAX um ein Prozent fällt, legt der ETF um ein Prozent zu. Das Fondsvolumen liegt bei über 360 Millionen Euro. Die Gesamtkostenquote liegt bei 0,4 Prozent. Das Anlageziel des Fonds besteht darin, die Wertentwicklung des Basiswerts, des ShortDAX (R) Index abzubilden.

Der AMUNDI ETF SHORT EURO STOXX 50 DAILY versucht die Entwicklung des EURO STOXX 50 Daily Short Strategie-Index anhand einer synthetischen Replikationsmethode so getreu wie möglich nachzubilden. Der von mit der WKN A0X8ZY umfasst aktuell ein Volumen von etwa 79 Mio. Euro und gibt eine Kostenquote 0,3 Prozent an.

Wenn Du auf Kursverluste in speziellen Sektoren setzt, bieten db x-trackers vier spezielle Fonds an. Du bekommst damit die Möglichkeit, an der fallenden Wertentwicklung von Unternehmen aus den Bereichen des Rohstoff-, Industriegüter-, Versorgungsgüter- und des Versicherungssektors mit Sitz in Westeuropa zu partizipieren. Die Managementvergütung beträgt bei allen ETFs 0,30%. Beispiel : db x-trackers DJ STOXX 600 Industrial Goods Short Daily ETF (ISIN: LU0412624511). Benchmark ist der Dow Jones STOXX© 600 Industrial Goods Short Index.

Mein Fazit: Short ETFs sind keine allgemeine Empfehlung, können aber als Depotbeimischung in der zu erwartenden Korrekturphase gute Dienste erweisen. Wichtig ist, dass Du Dich mit der Funktionsweise und den speziellen Risiken auseinander setzt.

One Reply to “Mit Short ETFs durch die Krise?”

  1. Am Sinnvollsten erscheint mir von den genannten Short-ETF’s der db x-trackers – ShortDAX Daily UCITS ETF. Grund: Der zugrundeliegende Index hat nur 30 Werte. Die Volatilität müsste damit im Vergleich zu den anderen, genannten Short-ETF’s prinzipiell am Höchsten sein. Die Entwicklung von 30 deutschen Werte kann man als deutscher Privatanleger auch noch am Ehesten einschätzen, als beispielsweise den S&P 500. Grundsätzlich muss ich bei einer Short-Strategie den Markt timen, was ja bekanntlich nicht so einfach ist. Ich werde es aber beim nächsten Crash probieren. So ein Short-ETF ist noch die einfachste Form als Privatanleger an Kursrückgängen zu partizipieren. Einzelne Aktien leer zu verkaufen ist da schon schwieriger bis unmöglich.

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