Namibia für Einsteiger. Ein tolles Reiseziel. Ich wandere aus?!

Auch der Privatanleger muss mal Urlaub machen. Dieses Jahr fiel die Wahl auf Namibia – zum ersten Mal. Da Namibia im Kommen ist, anbei ein kurzer Reisebericht mit ein paar Tipps für den Einsteiger.

Los ging’s mit einem akzeptablen Nachtflug mit Air Namibia direkt von Frankfurt nach Windhoek. Bei einer Stunde Zeitverschiebung ist Jetlag kein Thema, sofern man im Flieger ein paar Stunden schlafen kann. Die Übernahme des Mietwagens am Flughafen war sehr spannend. Zunächst wurden wir ausführlich in den Vorgang des Reifenwechsels eingewiesen; danach gab es noch ein Video zu den Unfallgefahren nebst Bildern von gecrashten Autos. Das schafft Vertrauen! Und dann ab in den Linksverkehr. Ich empfehle einen Geländewagen zu mieten. Neunzig Prozent der namibischen Straßen sind nicht asphaltiert. Es geht zwar auch mit einem PKW, aber so ein Hochbeiner gibt ein viel besseres Gefühl auf den Schotterpisten. Für Menschen, die selten Linksverkehr fahren, ist ein Automatikfahrzeug deutlich entspannter. In Summe nicht billig, aber verbessert das Wohlbefinden.

Den ersten Tag und die Nacht verbrachten wir im Hilton Windhoek. Viele Touren starten direkt mit mehreren hundert Kilometern Richtung Süden (Namib), was ich nach dem Nachtflug nicht empfehlen kann (die Schotterpisten schlauchen). Für Windhoek reicht ein Tag. Die alte Feste, das Reiterdenkmal, die deutsche Kirche und der „Tintenpalast“ sind schnell besichtigt. Wer mag, schaut sich noch den botanischen Garten an. Sonst ist Windhoek eher trist. Also ab in die Natur. Irgendwo hatte ich gelesen, dass man die Koffer gegen Staub und Sand in Müllsäcke stecken soll. Das hat sich sehr bewährt, denn das Auto versandet nach und nach.

Unser nächstes Ziel war Sossusvlei. Hier waren wir in der Desert Homestead Lodge etwa 25 km südlich vom Parkeingang. Sehr schöne Lodge mit Pool, Klima und WLAN, wenn man bedenkt, das man im Nirwana ist. Der Sossusvlei-Park ist von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geöffnet. Frühestmöglich da sein, der Sonnenaufgang in den Sanddünen ist Wahnsinn. Auch der Deadvlei ist beeindruckend (60 km vom Parkeingang). Der Sesriem-Canyon ist hingegen eher mau.
Wir waren drei Tage in der Lodge. Zwei Tage reichen aber für Sossusvlei und ein wenig Erholung auch aus.

Weiter ging es nach Swakopmund – fast 400 km Piste durch die Wüste (Naviansage: Fahren Sie 230 km geradeaus). Swakop ist wie ein Wildweststadt am Meer mit deutscher Architektur. Im südlichsten „deutschen“ Seebad wird viel deutsch gesprochen. Der Ort ist nett und man kann super Fisch essen. Wir haben in der Villa Margaritha übernachtet. Ist zu empfehlen. Wer kann, sollte das Hansahotel versuchen (war bei uns ausgebucht). Ein absolutes Muss ist ein Bootsausflug von Walvis Bay aus. Man sieht Flamingos, Delphine, Unmengen von Robben und zutrauliche Pelikane. Dazu kann Austern und Sekt schlürfen. Wir haben schon oft solche Touren gemacht, aber diese war top. Insgesamt waren wir drei Tage in Swakopmund, das reicht.

Geld und Meer NamibiaNach einem letzten Bier in Kückis Pub ging es Tags darauf über Hentjesbay durch das Damaraland zum Vingerklip. Dabei fährt man „hunderte“ Kilometer schnurgerade durchs totale Nichts. Gegenverkehr drei Autos pro Stunde. Nach und nach wird es dann wieder grüner und bergiger. Die Vingerklip Lodge ist wunderschön und liebevoll gemacht. Wir hatten leider nur eine Nacht gebucht. Man sollte sich mindestens zwei Tage gönnen, damit man wenigstens einmal am Barbeque im „Eagles Nest“ teilnehmen kann. Abreise mit Wehmut, aber …

Relativ kurze Anfahrt zum Etosha Nationalpark und fast nur auf Asphalt – verwirrend. Wir hatten die Etosha Safari Lodge gebucht. Diese liegt 9 km vom Parkeingang (Anderson Gate) entfernt. Die Lodge ist o.k., aber recht groß mit vielen Reisegruppen. Meckern auf hohem Niveau.

Der Etosha-Park ist ebenfalls von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geöffnet und wenn man Pech hat, steht man bei der Einfahrt an. Das Permit zahlt man nicht am Eingang – wo man die Rechnung bekommt – sondern im Tourist Office in Okaukuejo (80 N$D pro Person und 10 N$D pro Auto). Etosha ParkIch würde bei nächsten Mal eine Lodge im Park buchen, um früher oder abends später am Ort des Geschehens zu sein. Die Größe des Parks kann man sich vorher nicht klar machen. Er ist so groß, wie das Land Hessen oder ein Viertel der früheren DDR. Da zu unserer Reisezeit genügend Wasser da war, waren die Tiere nicht auf die Wasserlöcher angewiesen und bewegen sich im unendlichen Gelände. Wie genau kann man Hessen in drei Tagen erkunden? Das hieß für uns viel Geduld, einiges an Fahrstrecke auf den Wegen und Glück und Timing, das gerade ein Nashorn über den Weg läuft. Insbesondere die riesigen Wildherden sind unvergeßlich. Was wir vergessen hatten: Unbedingt ein Fernglas dabei haben. Des Weiteren ist ein gutes Teleobjektiv ein Muss. Ich besitze das Sigma 18-300 mm (→ Erfahrungsbericht Reisezoomobjektive), das gute Dienste geleistet hat. Da die Tiere dummerweise nicht fotogen näher kommen, wäre teilweise ein noch größerer Zoom, wie z. B. das Sigma 150-600 mm bietet wünschenswert. Der Park lohnt mindestens drei Tage.

Anschließend ging es nochmal 450 km in Richtung Süden ins Gocheganas Nature Reserve. Die Gocheganas Lodge ist ein absoluter Traum. Neben genial konzipierten Chalets und einer perfekten Blick über die Landschaft hat man jede Menge Tiere im direkten Umfeld (Giraffe direkt vor der Terrasse). Wer mag, für den gibt es ein umfassendes Wellnessangebot. Wir hatten nur drei Tage in der besten Lodge der Reise.

Tja dann leider nur noch ab zum Flughafen, Auto abgegeben und mit einer dicken Träne im Auge auf den Nachtflug nach Frankfurt.

Was sonst noch?

Namibia ist mehr als zwei Mal so groß, wie Deutschland und hat nur 2,1 Millionen Einwohner. Da in Windhoek und Umgebung schon 500.000 Menschen leben, ist der Rest des Landes sehr leer. Das monatliche Durchschnittseinkommen liegt bei etwa 400 €. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 28 Prozent. Die Preise sind für deutsche Verhältnisse sehr moderat. Ein Liter Diesel kostete uns ca. 80 Cent. Namibia hat eine Art Währungsunion mit Südafrika, Botswana, Simbabwe und Lesotho. Neben dem Namibischen Dollar ist auch der südafrikanische Rand vollwertiges Zahlungsmittel. Stand März 2017 erhält man etwa 15 N$D für einen €. Insgesamt bekommt man den Eindruck, dass das Land auf einem guten Weg ist.

Einsteiger Namibia RhinoUnsere Route war die entspannte Variante mit 14 Übernachtungen. Die gefahrene Strecke beträgt etwa 2500 km. Wer den Fish River Canyon und Lüderitz sehen will, muss bis zu 4000 km einplanen. Die Weite Namibias ist beeindruckend. Gleichzeitig ist die Landschaft sehr abwechslungsreich. Und natürlich ist die Tierwelt klasse. Kriminalität ist uns nicht begegnet. In Windhoek sollte man auf Handtaschen und Rucksäcke aufpassen und verzierte Kastanien kosten maximal 50 Namibische Dollar.

Mein Fazit: Namibia ist ein sehr sehr schönes und empfehlenswertes Reiseziel. Da bekommt man wirklich große Lust auszuwandern.


Bücher zur Reise:

Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste Book Cover Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste
Henno Martin
Erlebnisbericht
2008
400

One Reply to “Namibia für Einsteiger. Ein tolles Reiseziel. Ich wandere aus?!”

  1. Moin!
    Ein toller Reisebericht. Auf meinem Blog geht es um Finanzen und Reisen. Und ich habe grad eine Aktion gestartet, an der du dich vielleicht beteiligen könntest: https://www.freakyfinance.net/top-5-aufruf-zur-berichterstattung/

    Den großen Reisebericht hast du ja hier schon perfekt geliefert. Aber vielleicht hast du Lust deine TOP 5 für der Reise noch einmal kurz und knackig für die Aktion zusammenzustellen?

    Namibia habe ich auch auf der „to travel list“. In Südafrika war ich schon. Das war wunderschön.

    Würd mich freuen von dir zu hören! Danke nochmals für diesen wirklich schönen Bericht!

    Beste Grüße
    Vincent

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