Niedrigzinsen durch Geldanlage bei Auxmoney, Smava & Co entgehen?

In Zeiten von Nullzins sollte man jede Möglichkeit zu prüfen, um eine vernünftige Rendite zur Erzielung von passiven Einkommen zu erreichen. Daher haben wir uns mal die Möglichkeiten über Online-Kreditplattformen angeschaut.

Was sind Online-Kreditplatt­formen?

Über Online-Kreditplatt­formen können sich Privatleute gegen­seitig Geld leihen. Vor allem für Kredit­suchende mit unregelmäßigem Einkommen oder ungewöhnlichen Finanzierungs­vorhaben sind diese Platt­formen eine Alternative zur klassischen Bank. Im Gegenzug erhalten Sie als Kreditgeber eine Verzinsung, die über der marktüblichen liegt, tragen jedoch auch das Ausfallrisiko. Die zwei bedeutendsten Kredit-Platt­formen in Deutsch­land heißen Smava und Auxmoney. Dazu haben wir noch die aufstrebende Plattform Lendico angeschaut.

Die Plattformen gewinnen weltweit an Bedeutung. Für die Deutschland wird folgende Entwicklung erwartet (Quelle statista.com):

  • Das Transaktionsvolumen im Segment „Privatkredit-Plattformen“ beträgt 2016 etwa 953,1 Mio. EUR.
  • Laut Prognose wird im Jahr 2020 ein Transaktionsvolumen von 5.084,7 Mio. EUR erreicht; dies entspricht einem jährlichen Wachstum von 51,98%.
  • Im Segment „Privatkredit-Plattformen“ wird die Anzahl der Nutzer im Jahr 2020 laut Prognose 1,1 Mio. betragen.
  • Das durchschnittliche Transaktionsvolumen pro Nutzer im Segment „Privatkredit-Plattformen“ liegt im Jahr 2016 bei 4.400,44 EUR.

Smava (Webseite)

Smava ist seit 2007 auf dem Markt. Die Berliner haben nach eigenen Angaben bisher Kredite für mehr als 100 Millionen Euro vermittelt. Seit Mitte 2011 bietet Smava auch Verbraucher­kredite von Geschäfts­banken, darunter Targo­bank, Post­bank, ING DIBA und die Sant­ander Bank.

Kredite von privaten Investoren gibt es unter dem Namen Smavapri­vat. Das bedeutet im Gegen­zug, dass der Kreditkunde immer gleich­zeitig Angebote von Banken und von Smavapri­vat einholt. Erst dann entscheidet er sich für eine Bank oder einen privaten Geld­geber. Die Ober­grenze sind 75.000 Euro. Bei Smavapri­vat macht Smava einem Kredit­suchenden einen Vorschlag für einen Zins, zu dem Geld­geber bereit sind, den Kredit zu finanzieren. Der Suchende kann aber auch noch einen Versuch zu einem nied­rigeren Zins starten. Den Durch­schnitts­effektivzins gibt Smava derzeit mit 6,7 Prozent an.

Als Privat-Anleger können Sie mindestens 250 Euro und insgesamt höchstens 100.000 Euro in Kredite investieren. Für Anleger wird eine einmalige Bearbeitungsgebühr in Höhe von 1,35% des Gebotsbetrags (Gesamtkreditbetrag). Kontoeröffnung und Kontoführung  sind kostenlos. Dazu wird eine monatliche Servicinggebühr für die Forderungsverwaltung und Zahlungsabwicklung von 0,50 Euro erhoben. Die Rückzahlung des Betrages aus Zins- und Tilgung erfolgt monatlich.

Auxmoney (Webseite)

Die Düssel­dorfer Auxmoney GmbH ist ebenfalls seit 2007 am Start. Rund 11 000 Kreditge­suche waren seitdem erfolg­reich. Ihr Volumen: knapp 50 Millionen Euro.

Der Kredit­suchende erhält ausschließ­lich Angebote von privaten Geld­gebern. Seine Chancen erhöht er, wenn er sich Zertifikate ausstellen lässt: Er lässt zum Beispiel seine Identität prüfen, macht öffent­lich, welche Kreditwürdig­keit ihm die Schufa oder andere Auskunfteien bescheinigen, lässt seine Haus­halts­rechnung prüfen oder erlaubt eine Anfrage beim Arbeit­geber. Die Zertifikate und Kreditge­suche selbst sind kostenlos. Die Zahlungs­moral der Kunden von Kreditportalen ist nicht wesentlich schlechter als die von Banken­kunden. Bei Auxmoney platzen etwa 3 von 100 Krediten, die Ausfall­quote von Bank­krediten liegt derzeit bei 2,5 Prozent. Die Ober­grenze sind 20 000 Euro bei Auxmoney. Bei Auxmoney schreibt der Kredit­kunde in sein Gesuch, wie viel Zinsen er bereit ist zu zahlen. Im Durch­schnitt liegt der Effektivzins bei Auxmoney derzeit bei knapp 10 Prozent.

Als Anleger können ab 25 Euro Sie in ein einzelnes Kreditprojekt investieren. Nach Angaben der Plattform beträgt die erwartete durchschnittliche Rendite 5,5 Prozent. Sie erhalten Ihr Geld in Form von monatlichen Ratenzahlungen zurück (anteilige Tilgung + Zinsen). Für die Registrierung als Anleger, Sichtung der Kreditprojekte, Gebotsabgabe auf Kreditprojekte und das Inkasso erhebt Auxmoney eine Gebühr von 1 Prozent.

Lendico (Webseite)

Lendico bietet ebenfalls Privat zu Privat-Kredite und hat nach eigenen Angaben 330.000 Kunden in Deutschland, Österreich, Spanien, Polen, Niederlanden und Südafrika und ist seit gut zwei Jahren. Hinter der Plattform steht der Start-up-Konzern Rocket (u. a. Zalando). Das Portal funktioniert ähnlich wie die anderen. Der Kredit­suchende erhält ausschließ­lich Angebote von privaten Geld­gebern. Er lässt  seine Identität prüfen, liefert seine Schufa-Kreditwürdigkeit prüfen und liefert übliche Unterlagen, wie Gehaltsnachweise . Die Kreditge­suche selbst sind kostenlos. Maximalsumme für Privatkredite sind 25.000 Euro.

Die Anlageprojekte für Geldanleger werden nach steigendem Risiko in die fünf Lendico-Klassen A bis E eingeteilt. Als Maß dient dabei die geschätzte Zahlungsfähigkeit und Risikobewertung des Kreditnehmers. Lendico-Klassen mit weniger Ausfallwahrscheinlichkeit werden geringere Zinssätze zugeteilt. Die Faustregel lautet wie immer: Ein höheres Risiko bedeutet auch höhere Renditechancen. Eine Durchschnittsrendite wurde nicht angegeben. Sie können sowohl in Privat- als auch in Unternehmenskredite investieren. Die Rückzahlung von Zins- und Tilgung erfolgt monatlich. Das Forderungsmanagement liegt bei Lendico. Die Kontoeröffnung und die Anlage ist kostenlos. Lendico behält als Gebühr ein Prozent des Rückzahlungsbetrages ein. Die Mindestanlage je einzelnes Projekt beträgt 25 Euro.

 

Mein Fazit: Alle drei Plattformen bieten eine interessante Möglichkeit zur Erzielung einer guten Verzinsung im aktuellen Niedrigzinsumfeld. Die Abwicklung erscheint professionell. Allerdings kann diese Anlageform nur eine Beimischung im Portfolio sein, da die Ausfallrisiken nicht zu unterschätzen sind – viele der Kreditsuchenden auf diesen Portalen erhalten keine regulären Bankkredit!


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