Paul Lafargue und das Recht auf Faulheit

Letztens habe ich in einem Podcast über Paul Lafargue und as Recht auf Faulheit gehört. Passt gut dachte ich – Passives Einkommen und Faulheit.

Wer war denn dieser Paul Lafargue? Er war der Schwiegersohn von Karl Marx.

Als Sohn eines Pflanzers am 15. Januar 1842 in Santiago de Cuba geboren, führten ihn die Umstände bald nach Europa. In Bordeaux und Toulouse besuchte er das Gymnasium, um später in Paris Medizin zu studieren. Daneben galt seine ganze Liebe der Literatur und der Philosophie. Der junge Mann, auch politisch stark interessiert, engagierte sich mit Leidenschaft für die revolutionäre republikanische Bewegung gegen das französische Kaiserreich. Sehr belesen, wurde er zunächst Anhänger der Lehren des Sozialisten Proudhon.

Paul Lafargue 1869, Fotograf German Fehrenbach

Durch die Verbindung zu einer Reihe sozialistischer Arbeitergruppen wird Lafargue 1865 nach London zum Generalrat der Internationalen Arbeiter-Assoziation delegiert, um dort über die Situation in der französischen Bewegung zu berichten. Seine Begegnung mit Karl Marx führt zu einer völligen Wende in seinem Leben. Sehr bald sollte aus dem temperamentvollen Diskussionspartner nicht nur ein konsequenter Parteigänger, sondern auch als Lauras Mann ein Schwiegersohn von Marx werden. Seine politische Schulung verdankte er Pierre-Joseph Proudhon sowie Karl Marx, dessen Londoner Haus er regelmäßig aufsuchte. Dort lernte er die Tochter des „Kapital“-Verfassers kennen. 1868 heiratete Lafargue Laura Marx. Das Verhältnis zu seinem Schwiegervater soll nicht das beste gewesen sein, zumal Marx den Schwiegersohn mit kreolischen Wurzeln angeblich als „Neger“ oder „Abkömmling eines Gorillas“ beschimpfte.

Im Herbst 1868 kehrte er nach Frankreich zurück, wo er in einer Artikelserie den Anarchismus Michail Bakunins scharf angriff und damit seine erfolgreiche Laufbahn als politischer Journalist startete. 1870 war er an der Gründung der Pariser Sektion der Ersten Internationalen beteiligt. Nach Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs floh er 1870 mit seiner Familie zunächst nach Bordeaux, nach dem Fall der Pariser Kommune 1871 dann weiter ins Exil nach Spanien. Alle drei Kinder des Paares starben in diesen Jahren.

In Spanien wirkte Lafargue als Beauftragter der Ersten Internationale und übersetzte erstmals Texte von Marx und Friedrich Engels ins Spanische. Innerhalb der dortigen Arbeiterbewegung setzte sich jedoch der Anarchismus gegen den von Lafargue propagierten Marxismus durch. Nach der Amnestie für die Kommunekämpfer 1882 und der dadurch ermöglichten Rückkehr der Eheleute Lafargue nach Frankreich gründete er im selben Jahr zusammen mit Jules Guesde den Parti ouvrier, die erste marxistische Partei Frankreichs. Im Jahr 1889 eröffnete er den Internationalen Arbeiterkongress in Paris.

Lafargue verfasste zahlreiche Artikel für Zeitungen und Zeitschriften

Arzt, Journalist, Literaturkritiker, Sprachwissenschaftler, Revolutionär, Mitbegründer der marxistischen Arbeiterpartei Frankreichs und deren Abgeordneter. Paul Lafargue, der Schwiegersohn von Karl Marx, war eine Ausnahmeerscheinung.

Das Recht auf Faulheit

Im Vordergrund steht bei Lafargue die Kritik am Konsum, also der Konsumtionssphäre der kapitalistischen Produktion. Lafargue reflektiert auch die Bedingungen für die arbeitenden Menschen. Ausgerechnet der Schwiegersohn von Karl Marx war ein Kämpfer für „Das Recht auf Faulheit“: Mit seiner 1880 erschienenen Streitschrift provozierte der französische Mediziner und Sozialist Paul Lafargue aber nicht nur seinen legendären Schwiegervater. Nichtsdestotrotz fand Lafargues beißende Kritik an Kapitalismus und Überproduktion, am Arbeitsethos der Bourgeoisie und Elend des Proletariats zahlreiche Anhänger. „Das Recht auf Faulheit“ wurde zu seiner berühmtesten Schrift. Sie erschien zuerst in der Zeitschrift L’Égalité.
 

„Oh Faulheit, hab‘ Mitleid mit unserem langwierigen Elend! Oh Faulheit, Mutter der Künste und der edlen Tugenden, sei Du der Balsam für die Schmerzen der Menschheit!“ Paul Lafargue, Das Recht auf Faulheit

Das Recht auf Arbeit verhöhnt Lafargue in seinem Essay als „Recht auf Elend“. Männer, Frauen und Kinder des Proletariats schleppten sich „wie Christus, die leidende Personifikation der antiken Sklaverei“ den „Kreuzweg des Leides“ hinauf. Sein Gegenentwurf: a) Begrenzung der Arbeitszeit auf drei Stunden pro Tag, und b) Erhöhung der Löhne. Beide Schritte würden die Kapitalisten dazu zwingen, die Maschinen zu verbessern, damit die Arbeit erledigt werden kann. In diesen Maßnahmen würde der Beginn eines „neuen Universums“ keimen können.
 
Ziel seiner Kritik ist nicht die Forderung eines Grundrechts auf Faulheit, sondern die Abschaffung kapitalistischer Produktionsweisen. Lafargue und seine Schrift „Das Recht auf Faulheit“ widerspricht in großen Teilen Marx und Engels und setzt andere Schwerpunkte in der Kritik am Kapitalismus. Im Gegensatz zu Marx und Engels lehnt Lafargue hier einen Fortschrittsgedanken ab. Auch ein gesteigertes produktives Wachstum sieht er nicht als Lösung, sondern als Problem der Verelendung der arbeitenden Menschen. Vielmehr entwarf er bereits das Bild einer anderen Gesellschaft, die durch eine gerechtere Verteilung der Erwerbsarbeit und auch der Möglichkeiten gemeinsamen Genusses gekennzeichnet sein sollte.
 
In Deutschland wird „Das Recht auf Faulheit“ erst im Zuge der Neuen Linken und der 68er-Bewegung wiederentdeckt. In der Folgezeit wurden auch erstmals in der DDR Schriften von Lafargue publiziert – nicht jedoch „Das Recht auf Faulheit“. Als Iring Fetscher in der DDR aus der Schrift zitiert, lautet die staatliche Kritik: „Untergrabung der Arbeitsmoral“.
 

Ende mit Schrecken

1911 wählten Laura und Paul Lafargue den  Freitod, den Paul in einer Notiz so begründete: „Gesund an Körper und Geist, töte ich mich selbst, bevor das unerbittliche Alter, das mir eine nach der anderen alle Vergnügungen und Freuden des Daseins genommen und mich meiner körperlichen und geistigen Kräfte beraubt hat, meine Energie lähmt, meinen Willen bricht und mich für mich und andere zur Last werden lässt.“
 

15.000 Menschen begleiteten den Trauerzug zum Friedhof Père Lachaise. Kein Geringerer als Lenin sprach am Grab dieses Mannes in einem Satz aus, was das Leben Paul Lafargues ausgemacht hat: „Schon zur Zeit der russischen Revolution – 1905 – haben die klassenbewußten Arbeiter und alle Sozialdemokraten Rußlands Lafargue aufrichtig schätzen gelernt als einen der begabtesten und gründlichsten unter denen, welche die Ideen des Marxismus verbreiten.“

 

Mein Fazit: Das Recht auf Faulheit – heute so aktuell, wie 1880 – wird von mir vollständig unterstützt 🙂 Es ist genug für alle da! Wenn jeder ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten würde, befände er sich in der komfortablen Lage, ohne Existenznot im Hintergrund arbeiten zu können oder auch nicht.

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