USA vor der Präsidentschaftswahl – was machen die Wertpapiermärkte?

Aktuelle Situation

Während die US-amerikanische Ölindustrie unter dem niedrigen Ölpreis leidet, haben Einzelhändler von New York bis Los Angeles aktuell keinen Grund zur Klage: Das Geld der Amerikaner fließt zunehmend in die Kassen der Geschäfte. Die Einzelhandelsumsätze in den USA stiegen im Januar 2016 um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat und verzeichneten damit bereits den dritten Anstieg in Folge. Besonders positiv fielen die Einzelhandelsumsätze ohne Berücksichtigung von Autos, Lebensmitteln, Baumaterialien und Tankstellen aus. Dieser Wert legte im Januar gegenüber dem Vormonat sogar um insgesamt 0,6 Prozent zu. Statistik: Arbeitslosenquoten in den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern im Jahr 2015 | Statista

Ein gutes Zeichen für die gesamte US-Konjunktur: Die Binnennachfrage durch den Konsum könnte die Bedenken vieler Marktteilnehmer zerstreuen, die sich um einen Wachstumsrückgang in der größten Volkswirtschaft der Welt sorgen. Dafür, dass eine Rezession aktuell kein Thema sein dürfte, spricht auch die US-amerikanische Berichtssaison: Zwar sind die Gewinne pro Aktie im 4. Quartal 2015 erneut gesunken – hochgerechnet auf das Gesamtjahr 2015 ergibt sich ein leichtes Gewinnplus von 0,4 Prozent bei einem Umsatzrückgang von 3,1 Prozent. Positiv stimmt letztlich auch, dass sowohl der Arbeits- und Immobilienmarkt sowie die Geldbeschaffungskosten der Unternehmen als auch der Konsum sich weiter stabil entwickeln.

Die US-Notenbank Fed hatte Ende 2015 die Zinswende eingeleitet. Angesichts der jüngsten Entwicklung der Finanzmärkte rechnen immer weniger Experten mit einer weiteren Zinsanhebung im laufenden Jahr.

Das positive Bild der US-Wirtschaft relativiert sich jedoch, wenn man die einzelnen US-Branchen separat betrachtet. Der niedrige Ölpreis macht US-Energieunternehmen zu schaffen. Die Anhebung der Zinsen durch die Fed verunsichert die Marktteilnehmer angesichts schwacher Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten zusätzlich. All diese Unsicherheitsfaktoren fließen in die Investmententscheidungen der Anleger ein. Zurückhaltung und Gewinnmitnahmen sind die Folge. Der breite US-Index S&P 500 hat seit Jahresbeginn deutlich verloren. Am deutlichsten lässt sich das Ausmaß der Unsicherheit am Goldpreis ablesen. Das Edelmetall hat im Laufe des Jahres bereits 17 Prozent hinzugewonnen.

Die Präsidentschaftswahl

Das Wahljahr in den USA hält die Märkte in Atem. Sollte  der Milliardär Donald Trump tatsächlich als Spitzenkandidat der Republikaner gegen Hillary Clinton ins Rennen geschickt werden, wie es sich kurz vor dem Super Tuesday (wörtlich Super-Dienstag) am 1. März immer mehr abzeichnet, hat er gute Chancen auf das Amt des US-Präsidenten. Die außenpolitischen Auswirkungen, die eine Präsidentschaft Trumps für die USA und die ganze Welt haben würde, sind von ihrer Tragweite kaum einzuschätzen. Trump gilt aufgrund seiner polarisierenden und zugespitzten Aussagen als unberechenbar. Wenn es eins gibt, was die Wertpapiermärkte hassen, dann ist es Unsicherheit. Im Kontext des US-Präsidentschaftswahlkampfs könnte die Unsicherheit derzeit nicht größer sein und dieser dauert noch bis zur Wahlentscheidung im November! Anleger bleiben defensiv und suchen Gold als sicheren Hafen.

→ siehe auch Gold – Der sichere Hafen?

Wahljahre sind gute Aktienjahre

Es gibt diverse Statistiken, die zeigen, dass Wahljahre stets gute Börsenjahre waren.

Betrachtet man den sehr langen Zeitraum seit 1900, sieht man, dass die Wahljahre eine klare Outperformance gegenüber dem breiten Markt gebracht haben. Der S&P 500 schaffte zurückgerechnet bis 1900 in den 115 Jahren bis 2015 durchschnittlich ein jährliches Plus ohne Dividende von 5,4 Prozent, und in den Wahljahren hat es nach Angaben von Ned Davis Research einen durchschnittlichen Kursanstieg pro Jahr von um 9,5 Prozent gegeben.

Woran liegt das? Im Wahljahr wird nicht nur ein neuer US-Präsident gewählt, sondern, es ist oder kann auch das letzte Amtsjahr des amtierenden Präsidenten sein. In den Staaten hat sich vor allem für die zweite Amtsperiode – und das ist zwingend die letzte, da maximal nur zwei Amtszeiten je Präsident vorgesehen sind – auch der Begriff «lame Duck», also «lahme Ente» –, herausgebildet. Im letzten Jahr bringt der Präsident in der Regel kaum noch neue Initiativen auf den Weg. Und wenn nichts Neues kommt, kann es auch die Börse nicht in Mitleidenschaft ziehen. Das könnte die Kurse beflügeln. Rein bezogen auf den US-Wahlkampf stehen die Chancen also gut, dass 2016 zumindest in den USA ein gutes Börsenjahr werden könnte.

 

Mein Fazit: Für den amerikanischen Aktienmarkt gibt es derzeit jede Menge unabwägbare Einflüsse. Und dann noch die Wahl. Es gibt bessere Anlagemöglichkeiten.




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