Altersgerechte Anlage – Prioritäten für jeden Lebensabschnitt





Altersgerechte Anlage – dass hört sich ja schrecklich an. Jedoch bestehen je nach Lebensalter unterschiedliche Anforderungen, Möglichkeiten und Rahmenbedingungen für die private Geldanlage. Insbesondere die akzeptablen Risiken sind altersgruppenspezifisch. Hinzu kommt, dass die Chancen, deutlich älter als noch die eigenen Eltern zu werden, stehen gut. Die wahrscheinliche Lebenserwartung steigt von Jahr zu Jahr. Daher macht ein strukturierte Herangehensweise Sinn.

20-30 Jahre: Ausbildung, Studium, Berufsstart

Nach dem Studium bzw. der Ausbildung kommt das erste eigene und richtige Geld. In dieser Lebensphase ist der Lebensstandard meist noch sehr gering und wird erst langsam angehoben. Dieses Delta könnte man nutzen, um frühzeitig mit dem Sparen zu beginnen. Auf der anderen Seite wollen sich viele Berufsanfänger erst einmal etwas „gönnen“, z. B. ein schickes Auto oder eine tolle Reise. Wichtig wäre sich mindestens ein kleines Polster in Höhe von 2 bis 3 Monatsgehälter sicher anzulegen, z. B. als Tages- oder Festgeld. Da unter 30jährige einen sehr langen Anlagehorizont haben, können die darüber hinaus vorhandenen Gelder etwas risikoreicher angelegt werden. Mittel der Wahl wären weltweit streuende dividendenorientierter ETFs – siehe auch → ETF Favoriten 2016 auf Geld und Meer

30-45 Jahre: Haus, Wohnung, Miete?

Mit Anfang bis Mitte 30 kommt bei den meisten eine gewisse Stabilität ins Leben. Viele Berufseinsteiger werden Fachkräfte und machen erste Karriereschritte. Das Einkommen steigt. Parallel läuft die Familienplanung. Mit den höheren Einnahmen und Familie stellt sich die Frage nach Wohneigentum. Denn immerhin fällt in der eigenen Immobilie im Rentenalter keine Miete mehr an, sobald das Haus abbezahlt ist. Jedoch sollte auch bei einem Hauskauf weiterhin gespart werden. Zum Einen um spätere Instandhaltungsarbeiten durchführen zu können und zum Anderen, um Sondertilgungen zu erreichen, die die Zinslast in der Zukunft reduzieren. Hierfür eignet sich eine Geldanlage mit einem Aktienanteil zwischen 30 und 50 Prozent. Der Rest sollte in sichere Anlageformen, wie europäische Staatsanleihen oder Festgeldinvestiert werden. Das Renditepotenzial ist bei dieser Anlage jedoch nicht ganz so hoch, jedoch werden Sie vor sehr starken Kurseinbrüchen bewahrt.

– siehe auch → Die richtige Immobilienfinanzierung 

45 Jahre: Haben Sie Altersvorsorge im Griff?

Mit etwa 45 Jahren befinden sich die meisten Menschen auf der Höhe Ihrer beruflichen Laufbahn. Erfahrung und Einsatz machen sich bezahlt. Das Einkommen ist dieser Phase meist auf dem Höchststand und ggf. fangen die Kinder an, das Haus zu verlassen. Jetzt ist es an der Zeit um zu prüfen, ob man für das Rentenalter finanziell gut vorbereitet bzw. was noch zu tun ist. Hierzu empfiehlt sich eine Bestandsaufnahme.

  • Wie hoch ist mein Vermögen (inkl. Versicherungsansprüche) aktuell?
  • Wie viel Geld kann ich monatlich noch sparen?
  • Wie lange will ich arbeiten?
  • Mit welcher Rente/Pension kann ich rechnen?
  • Wie viel Geld benötige ich monatlich im Rentenalter?

Da Sie noch jede Menge Zeit haben und ja auch eine (wenn auch nicht ausreichende) staatliche Rente erhalten, können Sie noch recht risikoorientiert anlegen und sich auch weiterhin eine höhere Aktienquote leisten. 30 bis 50 Prozent Aktienanteil sind eine gute Beimischung in ihrem Portfolio und bringen auch die Rendite nach oben. Natürlich empfiehlt sich keine Einzelaktie, sondern eine Streuung mittels Fonds oder ETF  – siehe auch → Die besten Investmentfonds

Daneben ist noch genügend Zeit in eine Anlageimmobilie zu investieren, die auch noch die aktuelle Steuerlast optimieren könnte – siehe auch → Vorgehen beim Kauf einer Anlageimmobilie

55 bis 60 Jahre: Zukunft sichern / Erbe oder Haus vorbereiten

Die Überlegungen, wie lege ich ertragsbringend altersgerecht mein Geld an, und wie sichere ich mich für Zukunft ab, sollte man spätestens mit dem 55. Geburtstag beginnen. In diesem Alter kann man Gelder noch wirklich langfristig anlegen. Gemäß statistischen Lebenserwartung können 55-jährige noch 30 Jahre in die Zukunft planen.

Als erstes sollte man in diesem Alter möglichst die Schulden tilgen, da die Zinsen einer Finanzierung nahezu immer höher sind, als die Rendite von Geldanlagen.

Danach kommen immer noch Aktienanlagen oder Vermietungsobjekte (Anlageimmobilien) in Frage. Bei Vermietungsobjekten können Sie sich jetzt keinen Fehler mehr leisten, da dieser kaum noch zu korrigieren ist. Deshalb sollten die Häuser oder Wohnungen langfristig 1) gut zu vermieten und 2) bei Bedarf schnell und zu annehmbaren Preisen verkäuflich sein. Siehe auch → Prognose Immobilienerwerb

Mit einem Anlagehorizont von 20 Jahren sind auch immer noch breit streuende ETF eine gute Anlage.

Wer mit 60 einigermaßen genau weiß, dass ab der Rente ausreichend Einkommen und Vermögen vorhanden ist, könnte nun schon mal darüber nachdenken, wer davon später einmal profitieren soll. Jetzt kann man noch steuern, was mit dem Erbe einmal geschieht – und den Beschenkten und Erben noch legal Schenkungs- und Erbschaftssteuern ersparen, vorausgesetzt man lebt noch lange genug.

Des Weiteren ist jetzt ein sinnvoller Zeitpunkt für letztmalige große Investitionen ins selbstgenutzte Haus oder die Eigentumswohnung als tragendes Fundament der Vermögensanlage. Einerseits sind nochmal große Instandhaltungen, wie Dach- oder Fassadenerneuerung durchzuführen, andererseits muss spätestens jetzt die selbstgenutzte Immobilie seniorengerecht umgebaut werden. Nicht zuletzt sollten Haus und Garten auf „pflegeleicht“ umgestellt werden. Ziel muss sein, möglich sehr lange im eigenen Heim bleiben zu können.

65 bis 70 Jahre Jahre: Die Notfallreserve und Rente sicher genießen

Jetzt beginnt die Überlegung, wie viel finanzielle Mittel man jetzt und in den bevorstehenden Jahren aller Voraussicht nach in verfügbarer Form gebraucht werden. Nun muss man spätestens anfangen dafür zu planen, dass man selbst oder der Partner zu einem Pflegefall wird. Für eine Pflegeversicherung ist es zu spät.  Ein geringerer Teil (20 bis 30 Prozent) des Vermögens kann weiterhin in Aktien, sprich in ETFs angelegt werden. Ein Teil des Geldes wird auf Festgeldkonten mit unterschiedlichen Laufzeiten eingezahlt. Eine Notfallreserve gehört auf ein Tagesgeldkonto – siehe auch → Tagesgeld: Wie sollte man Geld Zwischenparken?

Ab dem Eintritt in das Rentenalter beginnt für fast alle Rentner der Vermögensverzehr, d. h. Sie entnehmen Ihrem Vermögen einen monatlichen Betrag. Bei ausreichend hohem Vermögen ist es auch möglich, dass Sie nur die Zinseinnahmen, Mieten oder Dividenden zuzüglich Ihrer Rente leben. Ab diesem Alter empfiehlt sich eine absolut sicherheitsorientierte Geldanlage. Hierbei kommen europäische Staatsanleihen oder auch  Tages- und Festgeld in Frage. Diese sicheren Geldanlagen bieten ihnen sichere und verlässliche Zinsen, mit sehr geringen Verlustrisiken, jedoch auch geringen Renditen.

Wer den 70. Geburtstag feiert oder gefeiert hat, muss, selbst wenn er sich bester Gesundheit erfreut, im Schnitt für 15 Jahre vorausplanen, das entspricht der allgemeinen Erfahrung. Alles, was diese Frist überschreitet, überlassen die 70-Jährigen anderen. Jetzt ist es auch allerhöchste Zeit, Entscheidungen zum Vererbbaren zu treffen. Ehepaare müssen nun klären, wer im Todesfalle das Vermögen erhält, und wer bei Entscheidungen hilft oder sie gar trifft, wenn man selbst oder der Hinterbliebene zu notwendigen Dispositionen nicht mehr fähig ist. Für den Fall, dass plötzlich Geld gebraucht wird, etwa bei einem Unfall oder Todesfall, muss es Vertrauenspersonen geben, die dank entsprechender Vollmachten über Bankguthaben entscheiden können. Das funktioniert unter Ehepartnern über Gemeinschaftskonten und andere Personen mit Kontovollmachten.

Ab 75 Jahre: Leben!

Sofern vorhanden, sollte man nun damit zu beginnen, Geld und Vermögen nach den eigenen Vorstellungen zu verteilen. Dabei aber darf die eigene Zukunft nicht unterschätzt werden. Eine Pflege kostet pro Person und Monat locker 3000 Euro.

Daneben können Sie es sich endlich das leisten, was sie aus Sicherheits- und Vorsorgedenken immer aufgeschoben haben. Dennoch wird eine finanzielle Reserve benötigt, die Eventualitäten weiterhilft. Eigentlich zu spät, aber jetzt spätestens zu erstellen: Das rechtssichere Testament sowie die Vorsorgevollmacht und Patientenverfügungen.

 

Mein Fazit: Jedes Lebensalter stellt unterschiedliche Anforderungen an die private Geldanlage. Wer sich dessen bewußt ist und entsprechend plant, spart Geld und Ärger und gewinnt Lebensqualität!

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