RWE und EON – raus aus Versorger-Aktien!

Die gebeutelten Energieversorger E.ON und RWE sind schon längst keine Kaufempfehlung mehr. Nachdem nun der Gesetzentwurf zur finanziellen Verteilung der Lasten der Atomkraftwerke vorliegt, ist es die letzte Chance zu vertretbaren Kursen aus der Aktien von E.ON und RWE auszusteigen. Warum?

Aktuelle Lage

Der am 19.10.2016 im Bundeskabinett verabschiedete Gesetzentwurf sieht vor, dass die vier Versorger E.ON, Vattenfall, EnBW und RWE 23,6 Milliarden Euro plus Zinsen zahlen sollen. Nach Bekanntwerden des Vorschlages stiegen Versorgeraktien um bis zu 6 Prozent.

Die Summe setzt sich zusammen aus einem Grundbetrag von 17,39 Milliarden Euro und einem Risikoaufschlag von 6,17 Milliarden Euro. E.ON, Vattenfall, EnBW und RWE müssen den Grundbetrag gemeinsam am 1. Januar nächsten Jahres in bar an den Fonds überweisen. Für den Risikoaufschlag haben sie länger Zeit. Spätestens am 31. Dezember 2022 muss das Geld geflossen sein. Pro Jahr wird eine Verzinsung von 4,58 Prozent aufgeschlagen. In Summe könnte der Risikoaufschlag damit von 6,17 Milliarden auf 8 Milliarden Euro steigen. Somit ergäbe sich eine Gesamtbelastung von 25,4 Milliarden Euro für die vier Stromriesen. Nach dem Willen der Regierung können sie die Gelder auch in Raten bis Ende des Jahres 2026 zahlen. Ausstehende Beträge müssen aber ebenfalls mit 4,58 Prozent verzinst werden.

Einschätzung

RWE und E.ON habe beide einen Neuanfang durch die Aufspaltung ihres Geschäfts versucht. So hat E.ON das defizitäre Kraftwerksgeschäft in die neue Tochter „Uniper“ ausgelagert. RWE hat alle Altlasten in der Stammgesellschaft belassen und das „gute“ Geschäft in der kürzlich an die Börse gegangenen „Innogy“ zusammengeführt.  Die Tochtergesellschaft bündelt die Aktivitäten um die erneuerbaren Energien sowie den Betrieb von Verteilnetzen und den Energie-Vertrieb.

In beiden Fällen muss man feststellen, das die Aufteilung von problembeladenen Unternehmen in zwei Teile objektiv keinerlei Verbesserung bringt. Das Geschäftsmodell des klassischen Energieversorgers ist überholt. Bei Verkauf von Strom und Gas herrscht ein massiver Preiskampf und Verdrängungswettbewerb. Der Betrieb von Strom- und Gasnetzen ist staatlich reguliert und damit auch die erzielbaren Margen. Dazu kommt das RWE und E.ON aus der Vergangenheit stark verschuldet sind. Der rechtzeitige Umstieg auf neue Geschäftsmodelle wurde verpasst. Heute fehlt die Kraft zum Umbau. Neben den finanziellen Altlasten bestehen zusätzlich die personellen Lasten. Die Unternehmen wurden jahrzehntelang als „Behörden“ gefahren. Woher soll jetzt das innovative und veränderungswillige Personal kommen; nicht zu reden von den Kosten.

Mein Fazit: Die großen deutschen Versorgungsunternehmen sind weiter unter Druck. Der Atomkompromiss schafft kurzzeitig Verkaufsgelegenheiten. Mittel- und langfristig sehe ich keine Perspektiven. Finger weg von Versorger-Aktien – legt euer Geld anderswo an!

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