Sell in may oder dabei bleiben?

,,SeIl in May and go away“ ist  eine populäre Börsenweisheit. Sie besagt, dass die Sommermonate zwischen Mai und Oktober erheblich schlechtere Ergebnisse aufweisen als die Wintermonate zwischen November und April.

Und in der Tat zeigen diverse Statistiken, dass diese Aussage an den meisten Börsen stimmt.

An den Börsen in Toronto, Paris, Tokio, Taipeh und London wären Anleger nach einer Aufbereitung der Statistiken seit 1970 besser beraten, im Sommer auszusteigen. Denn hier bringt der Sommer in der Regel auch absolut Kursverluste. Auch der Dax erzielt weite Teile seiner Performance im Winterhalbjahr, während im Sommer im Schnitt sogar Rückgänge hingenommen werden müssen. Wer zwischen Mai und September nicht investiert ist, vermeidet zyklische Verlustphasen und kann den Jahresgewinn erhöhen.

Aber nur nach alten Weisheiten richten? Welche Faktoren spielen im Mai 2018 eine Rolle?

Die aktuelle Lage

Überbewertung

Durch die Niedrigzinsen der vergangenen Jahre und fehlende Anlagealternativen ist extrem viel Geld in die Aktienmärkte geflossen. Die Bewertung eines Großteils der börsennotierten Unternehmen ist bei Weitem nicht durch Gewinne bzw. Gewinnaussichten gedeckt. Objektiv lässt sich das an Kennzahlen, wie dem KGV, KCV oder der Dividendenrendite festmachen. Bislang ist das gut gegangen, nunmehr tun sich durch steigende Zinsen andere Anlagemöglichkeiten auf, wie z. B. Öffentliche Anleihen oder Unternehmensanleihen, so dass Aktien im Vergleich an Attraktivität verlieren. Parallel steigt der Ölpreis erheblich, so dass für Unternehmen und Verbraucher deutliche Preissteigerungen eintreten, die die Investitions- und Konsumlust sinken lassen. Der Ölpreis als Indikator sollte nicht unterschätzt werden.

Protektionismus, Handelsbeschränkungen & Krisen

Bisher ist die derzeitige Korrektur der Märkte ein eher schleichender langsamer Prozess. Ein tatsächlicher Crash bedarf eines auslösenden Ereignisses. Daran „arbeitet“ nach meiner Meinung der US Präsident Donald Trump. Der begonnene Handelskrieg bewegt sich in geradezu wissenschaftlich korrekten Bahnen. Nachdem Trump die Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium drastisch angehoben hat, antwortet die EU mit Strafzöllen. Der jetzt begonnene Handelskrieg und die daraus folgenden Unsicherheiten können der Katalysator für einen Crash an den Aktienmärkten sein.

Jetzt gesellt sich nach die Aufkündigung des Iran-Abkommens hinzu. Die Börsen haben diese Nachricht bisher völlig ungerührt zur Kenntnis genommen. Dennoch ist die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung nicht von der Hand zu weisen, zumal sich Trump durch sein rüdes Vorgehen in Korea bestärkt sehen wird.

 

Mein Fazit: Ich denke für die aktuelle Situation im Mai 2018 ist „Sell in May“ keine schlechte Empfehlung. Die Risiken übersteigen nach meiner Einschätzung die Chancen. Man muss ja nicht alles verkaufen. Aber wie sagt eine andere Börsenweisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand gestorben“.


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4 Replies to “Sell in may oder dabei bleiben?”

  1. Gestorben ist an Gewinnmitnahmen noch niemand aber arm geblieben sind davon schon Millionen von Menschen.

    Privatinvestoren unterperformen den Gesamtmarkt ueber lange Sicht ganz massiv. Und das unter anderem deshalb, weil Sie mit Ihrem Markttiming die besten Boersenzeiten verpassen und Angst&Gier Ihr Handeln bestimmen.

    Die Boerse bewegt sich aktuell trotz Deines gezeichneten Szenarios schon wieder auf die alten Hoechstkurse zu.

    Dieses Szenario ist ja kalter Kaffee, es ist allen grossen Marktteilnehmern schon bekannt. Entscheident ist, was der Markt anschliessend daraus macht und es scheint so auszusehen also wuerde er sich nicht um ein pessimistisches Szenario kuemmern 😉

    Hinzu kommen bei einem aktiv gemanagten Portfolio noch die deutlich hoehere Steuerbelastung als bei einem rein passiven Ansatz, bei dem keine Investments verkauft werden.

    Schoenen Sonntag!

    1. Lieber Maschinist,
      danke für deinen Kommentar.
      Es wäre ja erstaunlich und langweilig, wenn jeder die gleiche Sicht hätte.

      Lass uns im Oktober `18 auf diesen Kommentar zurückkommen. 😉

      Der Anleger

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