Vom Sinn und Glück des Sparens

Wer von einem Leben mit passivem Einkommen und finanzieller Freiheit träumt, braucht zunächst Grundlagen, nämlich Vermögen. Bis auf wenige Menschen, die vermögend geboren werden, fehlt den meisten von uns in jungen Jahren diese Voraussetzung. Also bleibt nur Sparen.

Laut Wikipedia ist Sparen „in der Wirtschaftswissenschaft und in der Umgangssprache der Verzicht auf den Verbrauch von Einkommen oder Gütern und Dienstleistungen (Konsumverzicht) zwecks späterer Verwendung. Das beruht einerseits auf rationalen ökonomischen Überlegungen, andererseits ist Sparen ein sozial anerkanntes Ziel, welches durch die Normen der sozialen Umgebung und durch die Erziehung geprägt wird. Dabei lassen sich die Attribute von Sparern und Nicht-Sparern deutlich unterscheiden. Sparer sind im Hinblick auf ihre wirtschaftliche Situation optimistischer, sind zudem der Auffassung, ihre Finanzen unter Kontrolle zu haben, und sind mit ihrem Lebensstand zufriedener.“

Der bekannte Ökonom John Maynard Keynes nannte in seiner im Februar 1936 erschienenen Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes acht subjektive Sparmotive:

  • Vorsicht: als Rücklage für unvorhergesehene Ausgaben,Vorsorge:
  • um für künftige vermehrte Ausgaben gerüstet zu sein,
  • Berechnung: um Zinserträge und Wertsteigerung nutzen zu können,
  • Verbesserung: um eine verbesserte Lebenshaltung anzustreben,
  • Unabhängigkeit: um finanzielle Abhängigkeiten zu vermeiden,
  • Unternehmenslust: um Kapital für geschäftliche Aktivitäten zu besitzen,
  • Stolz: um ein Vermögen vererben zu können und
  • Geiz:das beharrliche Zurückschrecken vor einer notwendigen Geldausgabe.

Die aktuelle Glückforschung sieht „Selbstbestimmtheit“ als eines der wesentlichen Kriterien für Glück. Finanzielle Freiheit oder zumindest ausreichende Rücklagen sind ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zum selbstbestimmten Handeln und Leben. Diese Motivation kann ich zu 100 Prozent unterschreiben.

Der Zins und das Sparen

Gelohnt hat sich das klassische Banksparen in der langen Frist noch nie. Denn nach Abzug der Inflation waren die Zinsen auch schon in der Vergangenheit oft negativ. Das war etwa in den frühen Neunzigern der Fall, als die Banken zwar fast 3 Prozent Zinsen zahlten, Inflationsraten von 5 Prozent und mehr aber die Sparguthaben schneller auffraßen als heute. Auch zur Mitte der Siebziger wurde real Geld vernichtet. Spitzenwerte von real 2 Prozent Zinsen sind indes schon lange her. Das war zuletzt 1986 der Fall.

Im Durchschnitt lagen die realen Sparzinsen in Deutschland seit 1967 bei minus 0,08 Prozent. Wer das dem Euro anlastet, irrt. Denn zwischen 1967 und 1999 lagen die Sparzinsen in Deutschland real bei durchschnittlich minus 0,1 Prozent. Aber weil kaum etwas so sicher ist wie das Sparbuch oder vergleichbare Anlagen, ist das am Ende eigentlich keine Überraschung. Wenig Risiko = wenig Chance. Im monatlichen Zinsradar von WeltSparen kann man sehen, dass die Zinsen derzeit weiter sinken.

Die Geschichte des Zins-Sparens ist auch eine Geschichte fataler Irrtümer, Risiken und selbst Katastrophen. So verloren Millionen Kleinsparer ihre Rücklagen durch die Geldentwertung infolge der beiden Weltkriege.

Warum wird trotzdem gespart?

Nach vorläufigen Berechnungen ist das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland im abgelaufenen Jahr um 1,9 Prozent auf 6,2 Bill. Euro gewachsen. Dieser Zuwachs ist fast ausschließlich auf den Sparfleiß der Bundesbürger zurückzuführen. So haben die privaten Haushalte in den ersten neun Monaten 2018 noch mal mehr auf die hohe Kante gelegt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Sparquote für das gesamte Jahr 2018 ist auf 10,2 Prozent gestiegen.

Das liegt vor allem daran, dass Sparen den Menschen auch ein gutes Gefühl gibt. Denn es vermittelt Sicherheit. Und wirkt sich so auch auf die allgemeine Lebenszufriedenheit aus. Unter den Menschen, die sparen, sind die Zufriedenheitswerte höher als in der Gesamtheit der Befragten. Von den Befragten, die monatlich sparen, sind knapp zwei Drittel mit ihrem Leben zufrieden – und zwar unabhängig vom Einkommen. Wer mit seinem Leben zufrieden ist, spart außerdem mehr.

Das Sparbuch ist der falsche Weg

Der aktueller Geldschwemme durch die Notenbanken und dem Niedrigzins können die Staaten nur durch massive Inflation, also Geldentwertung, entkommen. Damit werden die Geldvermögen entwertet. Diese „Hyperinflation“ wird vor allem die Mittelschicht treffen und den normalen Sparer mit seinen Bundesschatzbriefen, Sparbüchern oder Festgeldanlagen ärmer machen.

Was tun, um sein Erspartes zu sichern?

  • Anlage in Substanzvermögen, wie Immobilien und Unternehmensanteilen (z. B. Aktien, ETF, Aktienfonds)
  • Gold und andere Edelmetalle
  • Schulden für Vermögen machen, den auch die Schulden werden entwertet

 

Mein Fazit: Sparen ist in jeder Hinsicht sinnvoll und erstrebenswert. Wichtig ist, das Ersparte inflationssicher anzulegen. Für den Vermögensaufbau auch mit geringen Mitteln und in jungen Jahren empfehle ich einen ETF-Sparplan mit langem Zeithorizont.

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