Von Unicorns und Animal Spirits

Die aktuelle Aktienhausse läuft und läuft. Der Beginn wurde im Jahr 2009 durch die aggressive Geldpolitik der Notenbanken vorangetrieben. Bereits seit 2012 gab mehr und mehr Bedenken, dass die Rallye künstlich durch die massive Liquidität der Notenbanken getragen wird. Ab Anfang 2016 begann dann die Phase eingeläutet, mit tatsächlich zunehmenden Wirtschaftswachstum in den meisten Regionen der Welt, begleitet mit der Erholung der Gewinne bei den Unternehmen.

In der aktuell letzte Phase des Zyklus wird alles gekauft, aus Angst die nächsten Rallye zu versäumen. Es regieren die „Animal Spirits„. Soll heißen, dass nicht objektive Fakten, sondern tierische Instinkte die Anlageentscheidungen bestimmen. Die Bezeichnung wurde erstmals von John Maynard Keynes in „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ von 1936 verwendet. Amerika ist berauscht. 71 Prozent der Mieter können sich vorstellen, ein Haus zu kaufen – so viele wie seit dem Immobilienboom vor der Finanzkrise nicht mehr. 93 Prozent der Unternehmen, die in Amerika ein Produkt herstellen, beurteilen ihre Geschäftsaussichten positiv. Rekord. Derzeit wird jede kleine Schwäche als Einstiegszeitpunkt für Aktien interpretiert. Oder schau dir den Hype um den Bitcoin an. Was als Trend bei Technologiefreaks anfing, erreichte den Massenmarkt und ist nun Tagesthema in den sämtlichen Medien.

In der Finanzbranche ist man auf der Suche nach dem nächsten Unicorn. Von einem Unicorn sprechen Anlageprofis, wenn ein Start-up mit mehr als 1 Milliarde Dollar bewertet und gleichzeitig nicht börsennotiert ist. Das heißeste Einhorn ist Uber. Die Geldverbrennungsmaschine könnte demnächst an die Börse streben. Bitte nicht streicheln. Als nächstes Unicorn wird Affirm gehandelt. 150 Millionen US-Dollar sollen in das Start-up aus San Francisco fließen. Unter der Beteiligung namhafter Investoren wie dem Founders Fund, Lightspeed, Khosla Ventures und Spark Capital würde damit das neueste Fintech-Unicorn geschaffen werden: Das Unternehmen wäre nach dem Investment 1,5 Milliarden US-Dollar wert. Aktuell ist es für Start-ups beängstigend leicht an Gelder von Risikokapitalgebern zu kommen.

Mein Fazit: Wenn Unicorns und Animal Spirits die Welt beherrschen, heißt es für den erfahrenen Anleger: „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“. In diesem Sinne wünsche ich ein erfolgreiches Geldanlage-Jahr 2018.

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