Was ist der Goodwill und wie steht es um die DAX-Unternehmen?

Der Goodwill ist eine Vermögensposition in der Bilanz. Anders als materielle Güter, wie ein Firmenwagen, eine Maschine oder eine Lizenz kann das Unternehmen diesen Wert nicht verkaufen. Der Wert einer Goodwill-Position entsteht wie folgt: Erwirbt ein Unternehmen eine neue Beteiligung, ist es verpflichtet, dass gekaufte Vermögen buchhalterisch in materielle Einzelteile zu zerlegen und zu bewerten. D. h. jedes Gebäude, jeder Tisch, jede Produktionsanlage wird objektiv mit seinem Wert bilanziert. Meist erfolgt ein Firmenkauf mit einem Aufschlag bezogen auf künftige erwartete (positive) Effekte. Demzufolge wird der Kaufpreis meist höher sein, als die Summe der „harten Werte“ aller erworbenen Vermögensgegenstände. Diese „Übernahmeprämie“ wird als Goodwill in der Unternehmensbilanz verbucht.

Bis zum Jahr 2004 verlangten die Bilanzierungsvorgaben eine regelmäßige Abschreibung des Goodwill, wie es auch z. B. für Maschinen und Anlagen erfolgt. Seit 2004 obliegt es den Unternehmen jährlich zu prüfen, ob der vorhandene Wert noch zutreffend und werthaltig ist. Nur wenn hier ein Delta ermittelt wird, erfolgt eine spezifische Abwertung.

Goodwill bei DAX-Unternehmen

Zum Bilanzstichtag 31.12.2016 hatten die DAX-Konzerne in Summe Goodwill-Positionen von 267 Milliarden Euro in ihren Bilanzen (Quelle: Wirtschaftswoche). Dem gegenüber steht für die 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands ein operativer Gewinn vor Zinsen und Steuern in Höhe von 114,2 Milliarden Euro, bei einem Umsatz von 1,26 Billionen Euro.

Ein krasser Fall ist gerade am Entstehen. Die Bayer AG strebt für 66 Milliarden Dollar die Übernahme des amerikanischen Saatgutkonzerns Monsanto an. Der Konzern ist schon vor dem Deal mit rund 17 Milliarden Euro verschuldet und hat bei Monsanto einen Aufschlag von 44 Prozent auf den letzten Börsenkurs akzeptiert. Dagegen stehen bei Monsanto Vermögenswerte von 18 Milliarden Dollar.

Bei sieben anderen DAX-Unternehmen übersteigen die Goodwill-Ansätze derzeit sogar das Eigenkapital. Dies betrifft laut Handelblatt RWE, ThyssenKrupp, E.on, ProSiebenSat 1, Merck, die Deutsche Post, Fresenius SE und Fresenius Medical Care. Heraus sticht E.On mit einem Goodwill von 267 % bezogen auf das Eigenkapital. In zweitgrößten Versorger RWE steckt  „Goodwill“ von 11,7 Milliarden Euro für konventionelle Kraftwerke in ganz Europa. Hinzu kommt, dass die DAX-Konzerne (ohne Banken und Versicherungen) zum Ende des voriges Jahres 611 Milliarden Euro Schulden in den Büchern stehen hatten.

Was bedeutet das für den Privatanleger? Sind einzelne DAX-Unternehmen gezwungen größere Korrekturen alter Übernahmeprämien vorzunehmen, sind die operativen Gewinne schnell „aufgefressen“.

Goodwill in den USA

Bei den Unternehmen des Leitindex S&P 500 machen die Goodwill-Positionen mehr als eine Drittel des Nettovermögens aus (Quelle: Wirtschaftswoche). Gleichzeitig steigt die Verschuldung der Unternehmen und liegt derzeit etwa bei 55.000 Milliarden Dollar!

Blick auf die Aktienmärkte

Die Entwicklung ist für mich ein klares Indiz für Übertreibungen in einer späten Phase des Börsenzykluses. Mit den extrem niedrigen Zinsen finanzieren Firmen teure Übernahmen. Es wird gekauft, was das Zeug hält. Der Fehler: Es wird teuer gekauft, wenn die Wirtschaft brummt – objektiv der absolut falsche Zeitpunkt. Das Ergebnis: Wetten auf die Zukunft nehmen immer mehr Raum in der Bilanzen der Unternehmen ein.

 

Mein Fazit: Die Betrachtung des Goodwill für die deutschen und amerikanischen Börsen ist für mich ein weiteres Indiz einer Überbewertung. Ich werde mich bis zu einer deutlichen Kurskorrektur von Aktienkäufen fernhalten.

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