Was wird aus den Großbanken?

In den letzten 14 Tagen präsentierten zwei Banken-Schwergewichte ihre Zahlen für 2017.

Die Deutsche Bank macht im Jahr 2017 einen Verlust von 500 Millionen Euro Euro. Vor Steuern erzielte die Bank einen Gewinn von 1,3 Milliarden Euro. Der Sondereffekt durch die US-Steuerreform drückt die Bank allerdings in die Verlustzone. Die Bank hatte ihre Aktionäre bereits Anfang Januar davor gewarnt. Ohne die Steuerreform hätte sie nach eigenen Angaben einen Jahresgewinn nach Steuern von etwa 900 Millionen Euro erzielt. Im Vorjahr (2016) hatte der Verlust bei 1,4 Milliarden Euro gelegen, im Jahr 2015 sogar bei 6,8 Milliarden Euro. Vorstandschef Cryan sieht die Bank dennoch „auf einem guten Weg zu nachhaltigem Wachstum und einer höheren Rendite“. Die Bank habe „Fortschritte gemacht“ – beispielsweise käme man beim Zusammenschluss mit der Postbank und dem Teilbörsengang der Vermögensverwaltung DWS gut voran – aber er sei „mit unseren Ergebnissen noch nicht zufrieden“. An der Börse ging es danach massiv bergab: Die Aktie der Deutschen Bank ging sofort auf Talfahrt und lag mehr als sechs Prozent im Minus.

Auch bei der Schweizer Großbank Credit Suisse wurde die US-Steuerreform hat  im vergangenen Jahr einen Verlust eingebrockt. Der laufende Umbau trage Früchte, bilanzierte Bankchef Tidjane Thiam. Im vergangenen Jahr war es die Flaute an den Kapitalmärkten der Bank schwer zu schaffen. Denn weniger Handel bedeutet auch weniger Gebühren für die Geldhäuser. Vor Steuern kam ein Jahresgewinn von 1,8 Milliarden Franken heraus nach einem Verlust von 2,3 Milliarden Franken ein Jahr zuvor. Unterm Strich führten jedoch Belastungen durch die US-Steuerreform weiterhin zu einem Verlust von 983 Millionen Franken. Grund ist die Neubewertung möglicher Steuerbelastungen, die mit 2,7 Milliarden Franken zu Buche schlug.

Es ist das dritte Jahr, in dem die Credit Suisse hohe Verluste schreibt. Dies hat sie mit der Deutschen Bank gemein. Sogar die Gründe sind ähnlich: Im Jahr 2016 hatte ein teurer Vergleich mit dem US-Justizministerium über Hypothekendeals bei der Credit Suisse zu einem Verlust von unterm Strich 2,7 Milliarden Franken geführt. 2015 hatte die CS annähernd 3 Milliarden Franken verloren.

Ich persönlich glaube nicht daran, dass drei Jahre immer nur „unglückliche Umstände“ zu Verlusten führen, sondern denke, dass das System „Großbanken“ grundsätzlich in Frage steht. Warum liest Du im Folgenden:

Regulierung

Die Banken können einem beinahe leid tun. Neben der Energiewirtschaft ist der Bankensektor der am stärksten regulierte Wirtschaftszweig. Daraus folgend sind die Geschäftsmodelle stark reglementiert. Beispielweise müssen die Banken Kunden massiv und nahezu kostenfrei unterstützen, wenn diese zur Konkurrenz wechseln wollen. Bisher war die Wechselquote erstaunlich niedrig. Meist hat man sich mit 18 Jahren für eine Bank entschieden und ist dieser dann jahrzehntelang treu geblieben.

Gesellschaftliche Akzeptanz

Banken haben seit der Peanuts-Aussage von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann oder der durch die Politik angezettelten Heuschreckendiskussion schwer an Image verloren. Früher waren Banken hoch angesehen. Ein Job bei einer Bank galt als extrem erstrebenswert. Heute sind die Geldinstitute die Prügelknaben für jeden Missstand, teilweise zu Unrecht. Andererseits tragen die Führungskräfte der Banken selbst durch moralisch fragwürdige Entscheidungen, die in diversen Gerichtsverfahren münden, zum Ansehensverlust bei. So die Deutsche Bank, die hohe Boni trotz der Verluste in 2017 auszahlt.

Niedrigzinsen

Die Niedrig- bzw. Negativzinsen schränken eine wichtige Einnahmequelle und damit die Ertragschancen der Banken massiv ein. Geldverleihen und dafür Zinsen zu verlangen, ist die grundsätzliche Aufgabe und der Ursprung einer Bank. Dadurch muss versucht werden mit anderen Geschäftsmodellen Geld zu verdienen. Diese wird jedoch durch die Regulierung erschwert.

Faule Kredite

Auf insgesamt rund 760 Milliarden Euro beziffert die EZB die Gesamtsumme dieser Darlehen, deren Rückzahlung seit 90 Tagen oder länger aussteht. Spätestens dann, wenn die Konjunktur wieder schlechter läuft, wenn die Börsen mehr als nur zwei Tage lang wackeln und die Unsicherheit der Investoren wieder zunimmt, könnte das latente Problem schnell zu einem akuten Notfall werden.

Digitalisierung

Für mich ist die Digitalisierung der wichtigste der genannten Faktoren. Was ist die Rolle von Banken in der digitalen Welt? Ich bin der Meinung, dass die klassischen Banken überflüssig werden. Für die Zahlungsabwicklung kann ich auf Kreditkartenunternehmen oder Dienste wie PayPal zurückgreifen. Kredite kann ich problemlos übers Internet abwickeln. Der moderne Mensch wickelt immer mehr Online ab. Ich selbst bin vielleicht ein Mal pro Jahr in meiner Bankfiliale. Wo Banken derzeit noch eine ernsthafte Aufgabe haben, ist im Bereich des Investmentbankings, aber auch hier werden sich neue Player etablieren. Wer sein Unternehmen neu gründet, denkt so ziemlich als Letztes daran, zu einer Bank zu gehen. Vorher werden oft andere Möglichkeiten ausgeschöpft: Crowdfunding  oder Marktplätze für Unternehmenskredite wie Auxmoney stehen zur Verfügung.

FinTech´s

FinTech – dieser Begriff setzt sich aus den Worten Finanzdienstleistungen und Technologie zusammen und bezeichnet eine ganze Branche, in der die moderne Technologie die herkömmlichen Finanzdienstleistungen verändert. Vor allem im Markt leicht zu standardisierender Finanzprodukte treten technologiebasierte Unternehmen zunehmend mit großer Dynamik als Wettbewerber um Kunden und Marktanteile auf. Dabei sind die FinTech-Geschäftsmodelle vielfältig und umfassen unter anderem alternative Bezahlverfahren, die  Portfolioverwaltung oder Plattformen zur Anlageberatung. Neben den Veränderungen in den traditionellen Geschäftsfeldern haben FinTechs auch völlig neue Produkte wie das Crowdfunding oder die Kreditmarktplätze geschaffen. Der klassische Finanzberater wird durch den Robo Advisor ersetzt.

 

Mein Fazit: Die klassischen Großbanken werden schrumpfen oder ganz verschwinden. Sämtliche Bankdienstleistungen können digitalisiert angeboten werden. Als Privatanleger sollte man keinesfalls in Aktien der bekannten Großbanken investieren. Ich war in den letzten 20 Jahren mehrfach Aktionär der Deutschen Bank und habe jeweils mit guten Gewinnen verkauft. Dieses Mal werden ich mich von den Kursrückgängen nicht locken lassen – die Kurse der Großbanken werden dauerhaft unter Druck bleiben.


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