Wüstenstrom – Was ist eigentlich aus Desertec geworden?





Was ist Desertec?

Das in Deutschland entwickelte Desertec-Konzept hatte ursprünglich die Versorgung Westeuropas mit Solar- und Windstrom aus den Wüstengebieten Nordafrikas zum Ziel. Der 2009 gegründeten Industrieinitiative schlossen sich große Energie- und Finanzkonzerne an, darunter E.on, RWE, Deutsche Bank und Munich Re sowie eine Reihe großer Solarunternehmen. Weil die Realitäten des EU-Strommarktes das ursprüngliche Konzept jedoch undurchführbar erscheinen ließen und sich kein konkretes Geschäftspotenzial abzeichnete, löste sich die Firmengruppe mit mehr als 20 Mitgliedern Ende 2014 weitgehend auf.

Drei Anteilseigner führten die Desertec-Initiative danach jedoch weiter: Der saudi-arabische Ökostrom-Konzern Acwa Power, der chinesische Stromnetzbetreiber State Grid of China und die deutsche RWE AG verlegten den Sitz der „Dii“ genannten Desertec-Initiative von München nach Dubai und verfolgten seither von hier aus das Ziel, erneuerbare Energien für den Eigenbedarf der Wüstenregionen auszubauen.

Keine deutsche Führung, aber deutsche Technologie-Lieferanten

Marokko setzt um, was deutsche Unternehmen mit ihren Vision um die Wüstenstrom- Initiative Desertec nicht gelungen ist. Es wurde ein gewaltiges Projekt aufgesetzt. Im Mai 2013 begann der Bau der ersten Phase mit dem Kraftwerk Noor I. Ab Oktober soll es erstmals Strom liefern. Allein schon Noor I – Noor heißt auf arabisch Licht – des auf vier Kraftwerke ausgelegten Komplexes hat gewaltige Ausmaße: 160 Megawatt (MW) Leistung, 537 000 Parabol-Spiegel in 400 Reihen á 300 Meter Länge. Computergesteuert werden die Parabol-Spiegel permanent dem Stand der Sonne angepasst. In der Mitte der leicht gebogenen Spiegel verlaufen Rohrleitungen. Sie führen ein synthetisches Öl, dass auf bis zum 393 Grad erhitzt wird. Es wird zum eigentlichen Kraftwerk im Zentrum des gigantischen Feldes geleitet. Dort wird Wasser erhitzt und Dampf erzeugt, der eine gigantische Turbine antreibt, die Strom in das marokkanische Netz liefert. Und das nicht nur am Tag, sondern auch in den Abendstunden, wenn der Bedarf besonders hoch ist. Denn das Öl erhitzt nicht nur Wasser, sondern auch ein spezielles, flüssiges Salz – geliefert von der BASF – dass die Hitze bis zu sechs Stunden speichert. Die Wüstenstrom-Anlage ist so groß wie 4200 Fußballfelder.
Auf Noor I folgt mit Noor II ein ähnliches, noch größeres Kraftwerk mit einem noch größeren Salzspeicher. Noor III wird ebenfalls mit Parabolspiegeln arbeiten. Die allerdings richten den Sonnenstrahl direkt auf einen rund 240 Meter hohen Solarturm. Dies ermöglicht eine noch bessere Ausnutzung des Sonnenlichts. Noor IV schließlich ist als Photovoltaik-Kraftwerk ausgelegt.

Auch wenn deutsche Konzerne bei Desertec ausgestiegen sind, sind etliche Aufträge für Noor I nach Deutschland gegangen. Getragen wird das Projekt aber von der saudischen Acwa Power und zwei spanischen Firmen, die die den Strom an den staatlichen marokkanischen Energieversorger ONEE verkaufen. So liefert Siemens die gigantische Turbine, die Firma Flabeg aus dem bayerischen Furth im Wald (die Ende 2014 von Acwa Power übernommen wurde) die 537.000 Solarspiegel. Schott Solar und die Düsseldorfer GEA sind ebenso beteiligt.

Ein weiterer Desertec-Mitgruender, die RWE, ist mit der „RWE New Energy“ in Dubai vertreten. Als Partner der staatlichen „Dubai Electricity & Water Authority“ (DEWA) geht es jetzt um den Aufbau von Stromerzeugungskapazitäten, vor allem Solarkraftwerken, im Nahen Osten und Nordafrika. So bewirbt sich RWE derzeit als Co-Investor und Projektentwickler für ein Solarkraftwerk mit 280 Megawatt in Kuwait. Daneben bietet sich RWE New Energy als Partner beim Bau von Solar- und Windparks in Ägypten an.

Der ursprüngliche Desertec-Ansatz Wüstenstrom zu produzieren und nach Europa zu bringen ist vorerst gescheitert, aber die Technologie funktioniert und wird verbessert.

Mein Fazit: Privatanleger können derzeit nicht direkt in die Wüstenstrom-Projekt investieren. Allenfalls indirekt über deutsche Technologielieferanten.


Bretonische Flut Book Cover Bretonische Flut
Jean-Luc Bannalec
Fiction
Kiepenheuer & Witsch
June 28, 2016
448

Hochseefischer, Delfinforscher, Schmuggler und eine sagenumwobene Insel mitten im rauen Atlantik. Nie wieder wollte Kommissar Dupin auf dem Meer ermitteln. Doch in seinem neuen Fall verschlägt es ihn vor die äußerste Westküste der Bretagne. Auf die einzigartige Île de Sein, wo mehr Kaninchen als Menschen leben, der Frisör per Boot kommt und einst mächtige Hexen und sogar der Teufel persönlich hausten. Am Tag nach der keltischen Sommersonnenwende, nur zwei Tage vor dem 75. Geburtstag seiner Mutter steht Kommissar Dupin bis zu den Knöcheln in Fischabfällen. In der Auktionshalle von Douarnenez liegt die Leiche einer Fischerin. Ihr wurde die Kehle durchtrennt. Schnell klärt sich: die junge Frau stammte von der Île de Sein, kämpfte gegen die Zerstörung der Meere und mächtigeHochseepiraten. Von ihrer Heimatinsel erreicht Dupin noch am selben Morgen ein Hilferuf: Eine zweite Leiche wurde entdeckt. Der Kommissar und seine Inspektoren ermitteln unter Hochdruck. Die stolzen Menschen des Meeres sind eine eingeschworene Gemeinschaft,und die Spuren führen in viele Richtungen. Werden die alten Schmugglerrouten des Archipels wieder befahren? Gab es Beweise für illegale Aktivitäten im Parc Iroise, dem unvergleichlichen maritimen Naturschutzgebiet, in dem Delphine und Wale zu Hause sind? Und was ist vom Mythos der versunkenen Stadt zu halten, von dem die Insulaner erzählen? Vor beeindruckender Kulisse – zwischen den Inseln Molène, Ouessant und Sein – ermittelt Kommissar Dupin in einem rätselhaften Fall, der ihm alles abverlangt, auch das Überschreiten der eigenen Grenzen.

One Reply to “Wüstenstrom – Was ist eigentlich aus Desertec geworden?”

  1. 160 MW sind ein eher kleiner Kraftwerksblock. Gigantisch ist da das falsche Wort. Für Solarkraftwerke ist das allerdings schon recht ordentlich. Um den deutsche Strombedarf zu decken bräuchten wir 500 solcher Einheiten. Das entspräche also der Fläche von mehr als 2 Millionen Fußballfeldern. Und für Nachts bräuchten wir auch noch Lösungen.

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